Haben Kontrolleure der BVG Flüchtlinge am 17. Januar hart angefasst? Diesen Vorwurf will Sigrid Evelyn Nikutta, Chefin des Landesunternehmens, nicht auf sich sitzen lassen. Sie schrieb der Integrationssenatorin Dilek Kolat einen Brief, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen lässt. Nikutta hatte erfahren, dass sich die SPD-Politikerin im Senat kritisch über die BVG geäußert hatte. Die Flüchtlinge wären verängstigt gewesen. Dies erwecke den Eindruck, „dass sich meine Mitarbeiter nicht korrekt verhalten hätten“, heißt es in dem Brief. „Da dieses nur auf einer Falschinformation beziehungsweise einem Missverständnis beruhen kann, schildere ich Ihnen gerne den Sachverhalt.“

Wie berichtet hatte einer der Männer vom Flüchtlingscamp am Oranienplatz, der zu Kolat fahren wollte, eine Monatskarte, die ab 10 Uhr gilt. Es war aber erst 9.44 Uhr. Doch die Kontrolleure verlangten nicht 40 Euro, sondern baten, die U 8 zu verlassen und ein gültiges Ticket zu kaufen. Damit haben sie sich „in höchstem Maße kundenfreundlich und zuvorkommend verhalten“, so Nikutta an Kolat. Ein Sicherheitsverantwortlicher bestätigte: „Mehr Deeskalation ging nicht.“ Im U-Bahnhof Hermannplatz hätten die BVG-Leute auf die Fahrgäste eingeredet, doch sie seien weiter gelaufen, hinunter zur U 7.

Bisswunde und kaputte Brille

Dann seien die Mitarbeiter erst verbal, dann körperlich angegriffen worden, teilte Nikutta mit. Einer erlitt eine „tiefe und behandlungsbedürftige Bisswunde, auch wurde seine Brille zerstört“. Die Gruppe war „äußerst aggressiv“. Ein Mitglied legte sich auf die Schienen, der Zugbetrieb wurde 20 Minuten unterbrochen, ein „schwerer Eingriff“.

„Wir sind uns sicherlich einig, dass auch wichtige Gespräche mit Ihnen den Fahrgästen weder das Recht geben, ohne gültigen Fahrausweis zu fahren, noch BVG-Mitarbeiter tätlich anzugreifen“, so Nikutta an Kolat. „Sicherlich können Sie nachvollziehen, dass ich der Darstellung von verängstigten und eingeschüchterten Menschen in keiner Weise folgen kann.“ Eine in Anspruch genommene Verkehrsleistung müsse bezahlt werden.

Ein Sprecher Kolats wollte sich nicht äußern. Da die BVG eine Beteiligungsgesellschaft des Landes ist, sei die Senatskanzlei zuständig.