Streit um Abriß von Kleingärten in Berlin: Landesverband will auf Ersatzflächen bestehen

Am Donnerstag wird Günter Landgraf im Landeskleingartenbeirat offiziell darüber informiert, wie sich der Senat die Entwicklung der Berliner Kleingärten in den nächsten Jahren vorstellt. Bisherigen Berichten zufolge sollen 15 Kleingartenanlagen komplett verschwinden.

Auf den Flächen sollen Turnhallen, Schulen oder Kitas entstehen. Dies sei nur ein „verwaltungsinterner erster Vorschlag“, stellte die Senatsumweltverwaltung inzwischen klar, „keine endgültige, nicht einmal eine aktuelle Fassung“. Doch die Kleingärtner sind alarmiert.

Günter Landgraf, seit 2010 Präsident des Landesverbandes Berlin der Gartenfreunde, geht davon aus, dass der Entwurf eines neuen Kleingartenentwicklungsplans mit den Verbänden besprochen werden muss. Im elfköpfigen Landeskleingartenbeirat sitzen neben Kleingärtnern auch Vertreter des Senats, der Bahn-Landwirtschaft, des Naturschutzes. Ein neuer Plan müsse Ergebnis der Beratung aller sein, so Landgraf. „Leider ist es in Berlin Praxis, dass Betroffene oft nicht einbezogen werden.“

Berliner Kleingärtner haben ein Recht auf Ersatzfläche

Landgraf wurde 1948 geboren. Er wuchs im sächsischen Rochlitz auf, lernte Werkzeugmacher und lebt seit 1968 in Berlin. Er wirkt ruhig und besonnen. „Wenn eine Stadt wächst, ist es notwendig, die Infrastruktur in Ordnung zu bringen“, sagt er. Dazu gehöre auch, Flächen für Straßen oder Schulen freizumachen. Doch laut Gesetz müssten Kleingärtner in einem solchen Fall eine Ersatzfläche erhalten. „Das ist oft nicht so“, sagt Landgraf. Der Verband der Gartenfreund hat bereits angekündigt, dass er ab jetzt auf der Bereitstellung von Ersatzflächen bestehen werde.

Schon als Kind hat Landgraf im Bauerngarten seiner Großeltern erfahren, „was man alles mit der Erde machen kann“. Seit 1980 gärtnert er in Mahlow auf eigener Parzelle. Hier sind seine zwei Söhne großgeworden. Zur Infrastruktur einer Stadt gehörten Grünflächen, vor allem auch gepflegte Kleingärten sagt er. Messungen hätten gezeigt, dass es an heißen Sommerabenden in Kleingärten um vier bis sechs Grad kühler sei als in umliegenden Wohngebieten. Gärten seien für eine Stadt, die immer mehr zubetoniert würde, lebenswichtig.