Streit um Bestattung von Erich Priebke: Hennigsdorf will kein NS-Verbrecher-Grab

Hennigsdorf/Rom - Die Stadt Hennigsdorf nordwestlich von Berlin sieht keine Grundlage für eine Beisetzung des NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke in dessen brandenburgischer Geburtsstadt. Eine Sprecherin verwies am Montag auf die Friedhofsordnung der Kommune. Danach haben nur Einwohner der Stadt ein Recht auf eine Bestattung in Hennigsdorf oder Menschen mit unbekanntem Wohnsitz, die in der Stadt nordöstlich von Berlin sterben. Die Friedhofsordnung von Priebkes Geburtsort Hennigsdorf lasse nur wenig Raum für Ausnahmefälle.

Die jüdische Gemeinde in Rom hatte eine Beisetzung Priebkes in Hennigsdorf angeregt, weil der Widerstand in Italien gegen eine Trauerfeier sowie eine Beisetzung Priebkes im eigenen Land wächst. Zuvor hatte bereits Argentinien eine Beisetzung in Priebkes langjährigem Wohnort Bariloche abgelehnt. Priebke war am vergangenen Freitag im Alter von 100 Jahren in Rom gestorben. Das Polizeipräsidium der italienischen Hauptstadt untersagte am Montag aus Gründen der Sicherheit und Ordnung jede öffentliche Begräbnisfeier mit dem Transport des Sarges sowie Kundgebungen für Priebke.

Der NS-Verbrecher war 1944 an Erschießungen von 335 Zivilisten in der Nähe von Rom beteiligt. Das war eines der schwersten Nazi-Massaker während des Zweiten Weltkriegs in Italien. Nach seiner Kriegsgefangenschaft floh Priebke mit einem falschen Pass nach Argentinien. Er wurde 1995 an Italien ausgeliefert. Dort stand er seit seiner Verurteilung unter Hausarrest. (dpa)