Berlin - Die Planung war so schön. Ein Band des Bundes sollte das Parlaments- und Regierungsviertel im Spreebogen von Ost nach West durchziehen. Das Kanzleramt und die Bürogebäude des Bundestags sollten sich in diesem Band aneinanderreihen. Mittendrin war ein Ort für die Bürger geplant – Bundesforum genannt.

#image1

Mit der Idee vom Band des Bundes gewannen die Berliner Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank 1993 den Wettbewerb zur Gestaltung des Parlaments- und Regierungsviertels. Zwar wurden mit dem Kanzleramt, dem Paul-Löbe-Haus und dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Bundestags die Gebäude für Parlament und Regierung gebaut – das Bundesforum, der Platz für die Bürger, blieb jedoch bislang eine Vision. Weil es keine konkreten Nutzungsideen und kein Geld für die Gestaltung des Areals gab.

#bigimage2

Jetzt gäbe es eine Idee. So könnte auf dem Areal das Besucher- und Informationszentrum (BIZ) des Bundestags errichtet werden – doch der Ältestenrat des Parlaments, der sich mit Angelegenheiten des Bundestags beschäftigt, hat sich für einen anderen Standort entschieden. Das BIZ soll, wie berichtet, südlich der Scheidemannstraße am Rande des Tiergartens entstehen. Das Bauministerium soll einen Architektenwettbewerb vorbereiten, um den passenden Entwurf zu finden.

#bigimage3

Widerstand von Seiten des Senats muss der Bundestag nicht befürchten. Berlin beharrt nicht darauf, dass das Band des Bundes mit Hilfe des BIZ vollendet wird. „Grundsätzlich ist die Schließung des Bandes des Bundes zu begrüßen, jedoch sollte es dann ein Gesamtkonzept geben, das die Schließung des Bandes des Bundes ermöglicht“, sagte am Freitag die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Daniela Augenstein.

Die Positionierung von Einzelgebäuden könnte diesem Anspruch widersprechen, gab sie zu bedenken. Ob der Platz zwischen Kanzleramt und Löbe-Haus geeignet wäre, um das Besucher- und Informationszentrum des Bundestags aufzunehmen, mochte sie nicht beantworten. „Es gibt keinen konkreten Vorschlag für ein BIZ an diesem Ort“, sagte sie.

#bigimage4

„Nur anhand eines konkreten Bebauungsvorschlages könnte eine Aussage dazu getroffen werden.“ Die Größe des Besucher- und Informationszentrums sei jedoch auch nicht ausreichend, um die Fläche des Forums auszufüllen.

Aus der Sicht von Architekt Axel Schultes ist das BIZ nicht das einzige Gebäude, das zum Bundesforum passt. Denkbar wäre, dass dort auch die Ausstellung des Bundestags zur Geschichte des Parlamentarismus gezeigt wird, sagte er der Berliner Zeitung. Zurzeit ist die Ausstellung im Deutschen Dom zu sehen.

#bigimage5

Der Bundestag will mit dem Bau des BIZ die Kontrollen der Besucher in provisorischen Containern vor dem Reichstagsgebäude beenden. Die Besucher sollen künftig im BIZ kontrolliert werden und dann, wahrscheinlich durch einen Tunnel, bis vor das Westportal des Reichstagsgebäudes laufen. Vor der Standortentscheidung für das BIZ hatte das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung mehrere Varianten untersucht. Der Bau eines unterirdischen Gebäudes auf dem Platz der Republik wurde verworfen, weil er mit 172 Millionen Euro als zu teuer eingestuft wurde.

#bigimage6

Ein Neubau zwischen Löbe-Haus und Kanzleramt, also auf dem Bundesforum, wäre mit 117 Millionen Euro am günstigsten gewesen. Die Abgeordneten entschieden sich jedoch dagegen, weil die Besucher dann durch zwei Sicherheitsschleusen hätten gehen müssen. Durch die erste beim Betreten des BIZ, durch die zweite beim Betreten des Reichstagsgebäudes. Denn das steht etwa 200 Meter entfernt. Der Bau des BIZ südlich der Scheidemannstraße soll samt Tunnel 150 Millionen Euro kosten.