Berlin - Da werden sich viele Berliner und Berlin-Touristen wundern: Wer sich im Taxi vom neuen Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in die Stadt chauffieren lässt, muss dafür viel mehr zahlen als für die Hinfahrt. Denn für Touren, die in Schönefeld beginnen, werden alle Taxifahrer den höheren Tarif des Landkreises Dahme-Spreewald (LDS) berechnen müssen. Darauf hat sich der Senat dem Vernehmen nach mit der Lübbener Kreisverwaltung verständigt.

„Sie hat das Sagen, weil Schönefeld nun einmal nicht in Berlin, sondern im Kreisgebiet liegt“, sagte der neue Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). Die Berliner Taxibranche lehnt die Regelung ab. Doch die lautstarken Proteste „interessieren die Lübbener relativ wenig. Damit kommen wir nicht weiter“, mahnte der Staatssekretär.

Er sagte, dass der Senat mit dem Kreis eine „vernünftige Lösung“ ausgearbeitet habe. Die geplante Vereinbarung werde „für beide Seiten tragfähig“ sein. Sie soll Montag vorgestellt werden. Der Senat werde sich weiterhin für die Berliner Taxibranche einsetzen, sagte Gaebler. „Vielleicht kriegen wir ja mittelfristig einen gemeinsamen Tarif hin.“

Taxibranche meint es ernst

Doch so kann Gaebler die drei Berliner Verbände nicht beruhigen. „Wir sind sauer. So kann der Senat nicht mit uns umgehen“, sagte Uwe Gawehn, der Erste Vorsitzende der Innung des Berliner Taxigewerbes. „Darum werden wir am Mittwoch über Kampfmaßnahmen beraten.“

Gawehn schlug vor, in der übernächsten Woche mit einer Demo zu beginnen, bei der mehr als 100 Taxen zur Württembergischen Straße nach Wilmersdorf fahren – dort residiert der neue Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Michael Müller (SPD). „Als nächstes könnte ich mir vorstellen, dass wir mit noch mehr Taxen zum Roten Rathaus fahren. Dann würde Mitte lahmgelegt.“

Die Taxibranche meint es ernst. Sie befürchtet nicht nur Streit mit Fahrgästen, die sich darüber ärgern, dass sie für die Taxifahrt vom BER einen höheren Preis zahlen sollen als für die Hinfahrt. Detlev Freutel, Vorsitzender des Taxi Verbands Berlin Brandenburg, erwartet zudem Betrügereien: „Schwarze Schafe“ werden auch Touren innerhalb Berlins nach dem höheren LDS-Tarif abrechnen. „Die Kunden werden kaum erkennen können, nach welchem der Tarif die Uhr gerade läuft.“

Der Landkreis-Tarif sieht anders als der Berliner nicht nur Zuschläge für die Nächte sowie Sonn- und Feiertage vor, sondern für längere Touren auch höhere Kilometerpreise. Das Warten vor Ampeln und im Stau kostet ebenfalls Geld: 40 Cent pro Minute – in Berlin ist bis zu eine Minute kostenlos. „Vom neuen Flughafenterminal zur Urania in der City West würde eine Taxifahrt nach dem Berliner Tarif ungefähr 38 Euro kosten – nach dem LDS-Tarif wären es je nach Tag und Zeit drei bis sechs Euro mehr“, kalkulierte Freutel.

Beleidigungen in Tegel

Freutel forderte, am BER zwei Taxistände einzurichten: den einen für Fahrten nach Berlin nach dem Berliner Tarif, den anderen für alle übrigen Fahrten. „Das wäre am einfachsten – und für die Fahrgäste gut nachvollziehbar“, sagte er. Außerdem gäbe es bei einer solchen Trennung keine Konflikte – wie in Tegel.

Gawehn: „Dort sind am Flughafen nun Taxis aus LDS aufgetaucht, die Fahrgäste aufnehmen.“ Das ist nach der jetzigen Vereinbarung mit dem Landkreis zwar zulässig, trotzdem gebe es immer wieder Ärger mit den Berlinern, „bis hin zu Beleidigungen“. Nun seien die ersten Beschwerden von Fahrgästen eingetroffen, die in einem LDS-Taxi teure Umwege gefahren sind. „Viele Berliner sind nach LDS ausgewichen, um dort Fahrer zu werden, weil sie hier den Personenbeförderungsschein nicht geschafft haben“, so Gawehn. „Der Taxistreit hat längst begonnen – und er wird bald eskalieren.“