Streit um Fluglärm: Nur noch zwei Startrouten ab Schönefeld

Wildau - Weniger Fluglärm für mindestens 80.000 Menschen - ein neuer Vorschlag könnte jetzt die Diskussion um die Flugrouten am künftigen Hauptstadtflughafen BER kräftig beleben. Die Idee der Bürgerinitiative „Gegenlärm“ aus Wildau (Dahme-Spreewald) sieht vor, nach der Eröffnung des BER in Schönefeld immer nur von einer Bahn zu starten und auf der anderen zu landen - jeweils abhängig von der Windrichtung. „Wir schlagen keine neuen Flugrouten vor, sondern ein neues Flughafen-Betriebskonzept“, sagte Kai Krüger, der Vorsitzende der Bürgerinitiative, am Freitag.

Ziel sei es, die „großflächige Verlärmung“ von Anrainergemeinden zu verhindern. Das Konzept soll am 14. November Thema der Fluglärmkommission werden.
Der Verein orientiert sich an Europas größtem Flughafen in London-Heathrow, wo mit einem ähnlichen System jedes Jahr mehr als 450.000 Starts und Landungen absolviert werden. Für Schönefeld sind 360.000 Flugbewegungen genehmigt. „Unser Konzept lässt das zu“, versicherte Krüger. Nur in „absoluten Spitzenstunden“ könnte es eng werden. „Wenn dann kurzzeitig von beiden Bahnen gestartet werden müsste, ist das zu verkraften.“
Nach seinen Angaben gehören zu der Arbeitsgruppe, die das „Berlin/Brandenburg-Modell“ entwickelte, auch Fluglotsen und Piloten. Die Experten hätten sich dabei streng an den Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses von 2004 gehalten. „Es bleibt beim unabhängigen Parallelbetrieb“, sagte Krüger.

Flughafengesellschaft wenig begeistert

„Gegenlärm“ geht - je nach Windrichtung - nur von zwei unterschiedlichen Abflugrouten aus, die von der Fluglärmkommission schon früher empfohlen wurden. Sie führen über vergleichsweise dünn besiedeltes Gebiet, glaubt Krüger. Bei Westwind, der in Schönefeld statistisch an zwei von drei Tagen herrscht, sollen die Flugzeuge nur von der Südbahn starten und danach Richtung Westen abbiegen. „Dadurch wäre der gesamte Bereich von Blankenfelde-Mahlow und Lichtenrade bis Teltow und Ludwigsfelde entlastet“, sagte Krüger. Für Landungen wäre die Nordbahn frei. Von 17.750 statt 98.400 Lärmbetroffenen sprach Krüger. Bei Ostwind würden die Starts von der Nordbahn, die Landungen auf der Südbahn erfolgen. 11.300 Betroffene statt 30.500 lautet hier die Vergleichszahl.
Doppelbelastungen durch An- und Abflüge sollen ausgeschlossen sein. Auch Berlin wäre kaum noch betroffen. Allerdings räumte Krüger ein: Der größte Teil der bisher Betroffenen würde zwar vom Lärm weitgehend befreit, ein kleiner Teil bekäme aber durch die Flugkorridore deutlich mehr Lärm ab als jetzt geplant. Und in Gosen und Neu Zittau etwa dürfte es auch einige tausend Neubetroffene geben.

Das ist allerdings nicht die größte Hürde. Denn die Flughafengesellschaft lehnt die Idee grundsätzlich ab. „Das ist kein zielführender Vorschlag“, sagte Sprecher Ralf Kunkel. Doch den Zuspruch von mindestens acht Bürgermeistern der Region hat der Verein bereits gewonnen. „Der Vorschlag ist geeignet, den gordischen Knoten der Fluglärmdiskussion zu zerschlagen“, sagte Wildaus Bürgermeister Uwe Malich (Linke). Und sein Amtskollege aus Königs Wusterhausen, Lutz Franzke (SPD), kündigte an, den Vorschlag in den Leitantrag für den bevorstehenden SPD-Landesparteitag aufnehmen zu lassen.