Nach der Sondersitzung des BER-Aufsichtsrats am Mittwochabend hat sich die Führungskrise der Flughafengesellschaft weiter verschärft. Nach Informationen der Berliner Zeitung drohte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) damit, sein Aufsichtsratsmandat niederzulegen, falls das Gremium nicht den Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld abberuft und einen Nachfolger bestellt. Dennoch sperrten sich die vier Brandenburger Vertreter gegen eine solche Lösung – auch, weil es aus ihrer Sicht keine überzeugende Regelung für eine Nachfolge gibt. Die Sitzung wurde in der Nacht zu Donnerstag unterbrochen und soll am Montag fortgesetzt werden.

Druck auf Brandenburg

Der Bund hatte das Krisentreffen am Montag beantragt. Den Anlass lieferte Mühlenfeld:  Er hatte in der vorigen Woche  kurzfristig den  BER-Technikchef Jörg Marks abberufen, darüber aber den Aufsichtsrat erst in letzter Minute informiert. Berlin und der Bund sehen darin nicht nur einen Affront gegen die Kontrolleure. Sie befürchten auch, dass mit Marks wichtiges Wissen über die Schwierigkeiten am BER verloren geht. Mit dem gleichen Argument hält Brandenburg jedoch an Mühlenfeld fest.

Die Sitzung verlief nach Schilderungen Beteiligter turbulent. Schon zu Beginn gab es eine Abstimmung über die Entlassung Mühlenfelds. Von den 20 Aufsichtsräten stimmten 16 dafür – die vier Vertreter Berlins, die zwei des Bundes und alle zehn Arbeitnehmervertreter. Die Brandenburger Aufsichtsräte seien daraufhin massiv unter Druck gesetzt worden, hieß es. Sie wiederum kritisierten Berlin und den Bund dafür, dass sie zwar um jeden Preis Mühlenfeld absägen wollten, aber keinen tragfähigen Plan für die Nachfolge hätten.

Der einzige diskussionsreife Vorschlag am Mittwochabend sah vor, dass Technikchef Marks aus seinem Zwangsurlaub zurückgeholt wird und Berlins Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup (SPD) kommissarisch die Flughafen-Geschäftsführung übernimmt. Für die Brandenburger Seite ist Lütke Daldrup aber offenbar nicht zustimmungsfähig. Auch ihm wird vorgeworfen, seine Kommunikation mit anderen Projektbeteiligten weise Schwächen auf. Zudem müsste Marks dann weiter mit der Finanz-Vorständin Heike Fölster zusammenarbeiten, die zusammen mit Mühlenfeld seinen Rausschmiss initiiert hatte.

„Er hat Kreide gefressen“

Wie es hieß, erklärten die Brandenburger Aufsichtsräte schließlich, Lütke Daldrup könne ohne ihre Stimmen mit einer Zweidrittelmehrheit gewählt werden – sie würden ein solches Votum akzeptieren. Das lehnten die anderen Aufsichtsräte aber ab – sie forderten von den Brandenburgern, sich nicht aus der Verantwortung zu stehlen. Freilich wurde auch Karsten Mühlenfeld vor zwei Jahren nicht einstimmig gewählt.

Bundes-Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU), der bislang als möglicher Mühlenfeld-Nachfolger galt, erklärte in der Sitzung, er stehe nicht zur Verfügung. Bomba begründete dies damit, er sei schon zu lange Aufsichtsratsmitglied und könne darum nicht unbelastet in die Geschäftsführung wechseln.

Mühlenfeld wurde in der Sitzung am Mittwoch angehört. Wie es hieß, entschuldigte er sich für sein Verhalten – auch dafür, dass er den Konflikt noch weiter verschärfte, indem er nach dem Eklat mit dem Aufsichtsrat sein Vorgehen in einem Interview verteidigte und seinerseits die Gesellschafter angriff. Überzeugen konnte er mit seinem Auftritt aber nicht. „Er hat Kreide gefressen“, sagten mehrere Sitzungsteilnehmer.

Entscheidung am Montag

In Senatskreisen geht man davon aus, dass es bei der Fortsetzung der Aufsichtsratssitzung am Montag zum Showdown kommen wird. „Es wird eine Entscheidung geben“, hieß es. Falls nicht, könnte der Aufsichtsrat entweder den vierköpfigen Vermittlungsausschuss mit Müller an der Spitze einberufen – oder die Gesellschafter beraumen eine Versammlung an, die Mühlenfeld absetzen dürfte.

Ein möglicher Nachfolger muss nun extern gefunden werden. Ob das rasch gelingt, ist jedoch unsicher. Unklar ist auch, ob der von Karsten Mühlenfeld bestellte neue Technikchef Christoph Bretschneider im Personaltableau der Flughafengesellschaft eine Rolle spielt. Gegen ihn gibt es Vorbehalte bei Gesellschaftern wie Arbeitnehmern. Berichte lassen befürchten, dass Bretschneider kein einfacher Partner ist – und dass es auch mit ihm Kommunikationsprobleme geben könnte. „Er ist hart im Umgang“, sagte ein früherer Kollege. „Seine Meinung zählt – die der anderen weniger.“