Berlin - Die sechs großen Anbieter von Schulessen in Berlin haben den Senat dazu aufgerufen, mehr Geld für eine gesunde Schulverpflegung bereitzustellen. Ansonsten würden sie weitere Ausschreibungen boykottieren und sich neue Geschäftsfelder wie die Seniorenverpflegung suchen. „Es lohnt sich für uns nicht mehr, sich an Ausschreibungen zu beteiligen, wenn das Schulessen maximal 2,10 Euro kosten darf“, sagte Rolf Hoppe, Chef des neu gegründeten Verbandes der Berliner und Brandenburger Schulcaterer.

Deshalb hätten sich die sechs Schulcaterer, die nach eigenen Angaben 95 Prozent des Berliner Marktes beherrschen, nicht an der jüngsten Ausschreibung in Friedrichshain-Kreuzberg beteiligt. Dort stehen nach Angaben aus dem Bezirk derzeit drei Grundschulen und zwei Sonderschulen nun komplett ohne Essensanbieter dar.

Nach Informationen der Berliner Zeitung haben sich für das Essen von über 7 000 Grundschülern in Friedrichshain-Kreuzberg nur zwei kleine Caterer überhaupt beworben: Thomas Warnhoff, der offenbar wider Erwarten nun 14 Schulen bedienen soll, und ein gemeinnütziger Verein namens „Schildkröte“, der weitere sechs Schulen beliefern soll. Hoppe, selbst Chef des Essensanbieters Luna, gab sich betont skeptisch, „Ich persönlich glaube nicht, dass kleine Anbieter das stemmen können.“ Die großen Anbieter störte an der Kreuzberger Ausschreibung auch, dass sie Geschirrspülmittel und Wasserverbrauch an Schulen finanzieren sollen.

Überhaupt wollen sie nicht hinnehmen, dass die Bezirke als Schulträger die Kostenobergrenzen gleich zu Beginn einer Ausschreibung festlegen. „Das hat dann nichts mehr mit Marktwirtschaft zu tun“, sagte Heiko Höfer vom Berliner Marktführer Sodexo. Vorwürfe von Kreuzberger Bezirkspolitikern, ein „Erpresserverband“ zu sein, wiesen die Vertreter der großen Schulcaterer weit von sich.

Schulessen kostet wohl bald mehr

Tatsächlich aber ist der Zeitpunkt gerade günstig, um mehr Geld für das Schulessen zu fordern. Denn die Senatsbildungsverwaltung hat bei einer renommierten Hamburger Ernährungswissenschaftlerin eine Studie in Auftrag gegeben, um zu berechnen, was ein gesundes Schulessen kostet, das den Qualitätskriterien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entspricht. Die Studie soll spätestens im Herbst vorliegen. Einzelne Branchenvertreter rechneten damit, dass dabei mit Sicherheit eine Summe von über drei Euro herauskommen dürfte. In Hamburg kostet das Schulessen nach dortigen Angaben 3,50 Euro pro Portion.

Wie aber schaffen es die Berliner Anbieter, bei den hauptstädtischen Essenskosten von durchschnittlich 2 Euro überhaupt noch genießbares Essen aufzutischen? „Das gelingt nur durch Mischkalkulationen“, sagt Rolf Hoppe. Wer eine Putenbratwurst – das Stück für 40 Cent, sagt er – anbietet, müsse an diesem Tag gleichzeitig ein betont preiswertes Essen offerieren, damit es sich überhaupt noch rechnet. Also etwa Nudeln mit Lachssoße ohne Lachs, Milchreis oder etwa Kartoffeleintopf. Hier kommen dann auch die Reste zum Einsatz. Kritiker bemängeln, dass insbesondere frische Rohkost zu selten gereicht wird.

Er sei „enttäuscht“ vom Verhalten der großen Caterer, sagte Peter Beckers (SPD), Schulstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Denn der Bezirk habe für sein Angebot extra noch einmal gut 10 Cent draufgelegt. Er will jetzt einzelne, kleinere Caterer gezielt ansprechen, damit doch noch alle Schulen versorgt werden können. Der Stadtrat sprach sich dafür aus, dass künftig der Ausschreibungspreis einheitlich auf Landesebene festgelegt wird und die Auswahl der Essensanbieter „nach harten Qualitätsindikatoren“ erfolgt. Das Land solle Qualitätskontrollen in Auftrag geben, die dann durch ein externes Institut durchgeführt werden könnten.

Es sieht also so aus, als müsste das Schulessen in Berlin demnächst mehr kosten.