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Viele Anwohner des künftigen Großflughafen BER hoffen auf mehr Schallschutz. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg ihnen vor wenigen Tagen Anspruch auf jenen Schutz zugesprochen hat, der bei der Genehmigung des Flughafens im Planfeststellungsverfahren galt, ist jetzt das Potsdamer Infrastrukturministerium am Zug. Dort hatte der BER nämlich beantragt, die Planung nachträglich zu ändern und einen minderwertigeren Schallschutz zum Standard zu machen.

Die Anwohner ringen seit Jahren um angemessenen Lärmschutz für ihre Häuser und Wohnungen. Erst etwa 13.000 Haushalte, knapp die Hälfte derjenigen, die in den offiziellen Lärmkarten als Anspruchsberechtigte verzeichnet sind, haben bislang Schallschutz erhalten. Und diese Einbauten seien zudem häufig rechtswidrig, kritisieren Bürgerinitiativen und Kommunalpolitiker.

Kleingerechneter Lärmschutz

„Der Lärmschutz wird kleingerechnet, die Anwohner werden betrogen“, sagt Christine Dorn vom Bürgerbündnis Südost. So seien in vielen Häusern Küchen als zu klein, Zimmer als zu niedrig für Lärmschutzmaßnahmen sowie Wintergärten als gar nicht schutzwürdig eingeschätzt worden. Das Bauamt im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick sei von der Flughafengesellschaft angefragt worden, ob für bestimmte Häuser überhaupt eine Baugenehmigung vorlag – für Schwarzbauten muss nicht gezahlt werden.

Was die Anwohner aber noch mehr aufregt als solche „kleinkarierten  Einsparversuchen“, ist die Tatsache, dass die Flughafengesellschaft den Lärmschutz nicht nach geltendem Recht berechnet: nämlich nach dem gültigen Planfeststellungsbeschluss von 2004, der Gesetzescharakter hat. In dem vielseitigen Werk ist an 25 Stellen vorgegeben, dass der Lärm tagsüber in geschlossenen Innenräumen den Pegel von 55 Dezibel nicht überschreiten darf. Laut BER-Berechnung kann der 55-Dezibel-Pegel allerdings sechsmal überschritten werden. Der BER hatte Mitte April einen Antrag auf Planungsänderung beim zuständigen Ministerium in Potsdam gestellt, um die Interpretation feststellen zu lassen.