Die Pläne des Senats für die zukünftige Nutzung des Flughafengeländes in Tegel stoßen in Reinickendorf auf heftige Kritik. Das geplante Kurt-Schumacher-Quartier mit bis zu 5 000 Wohnungen – es wäre eines der größten Neubaugebiete der Stadt – wird von der CDU-Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung als überdimensioniert abgelehnt. Hier bestehe die Gefahr, dass eine „Betonsiedlung entsteht, in der künftige soziale Konflikte bereits programmiert sind“, sagte Baustadtrat Martin Lambert (CDU) am Mittwoch in der BVV. Die vorgesehene Geschossflächenzahl von 2,0 bis 2,5 lasse eine sehr dichte Bebauung zu und sei mehr als doppelt so hoch wie die des Märkischen Viertels. Die Erfahrungen, die man dort gemacht habe, müssten abschrecken, so Lambert. Durch die geplante Straßenführung würde die Siedlung auch von den umliegenden Gebieten abgeschnitten, denn die Meteorstraße würde vierspurig ausgebaut und die Scharnweberstraße sei ohnehin stark frequentiert. „Es droht ein Satellit ohne Anbindung“, warnte Lambert.

Seiner Meinung nach lässt sich der Wohnungsbau in der jetzt beabsichtigten Form nur schwer mit den Plänen für den Technologiepark Urban Tech Republic auf dem heutigen Flughafengelände vereinbaren. Interessenkonflikte zwischen Gewerbe und Anwohnern seien absehbar. Nach der Schließung des Flughafens sollen bis zu 800 Unternehmen mit 15 000 Beschäftigten auf dem Areal Platz finden. Die Beuth-Hochschule soll dorthin umziehen, Start-ups und Ausgründungen der Hochschule sollen folgen.

Insgesamt würden die jetzigen Pläne von dem 2013 beschlossenen Masterplan des Senats erheblich abweichen, so Lambert. Die beabsichtigten Änderungen des Flächennutzungsplans seien abzulehnen. Er forderte die Bürger auf, sich an der Debatte zu beteiligen. Die Pläne liegen noch bis Mitte März öffentlich aus.

Sportplätze erhalten

Die CDU verabschiedete mit ihrer Mehrheit in der BVV einen Beschluss, wonach der Bezirk die geplante Änderung des Flächennutzungsplans ablehnt. SPD und Grüne bewerteten die Senatspläne deutlich anders. Nur in einem Punkt stimmten sie mit der Union: Die Sportplätze am Uranusweg dürften nicht, wie nun vorgesehen, verlegt werden. Sie müssten weiter den Kindern, Jugendlichen und Vereinen im Kiez zur Verfügung stehen.

Ansonsten begrüße seine Fraktion die Senatspläne, sagte Ulf Wilhelm von der SPD. Hochhäuser seien nicht automatisch schlecht. Der Bezirk könne vom Wachstum der Stadt profitieren. Die geplanten Änderungen des Flächennutzungsplans könnten eine Chance sein, die derzeitige soziale Situation in den Gebieten am Flughafen zu verbessern.

Torsten Hauschild (Grüne) sagte, seine Fraktion sei nicht gegen Wohnungsbau, auch nicht gegen Hochhäuser. Er mahnte aber, „der Wohnungsbau darf nicht zum Selbstzweck werden“. Die angestrebte Zahl von 5 000 Wohnungen dürfe nicht das wesentliche Kriterium für die Bebauung sein. Vielmehr müsse es in der Debatte um ein tragfähiges Konzept gehen, wie in dem neuen Viertel eine gute soziale Mischung erreicht werden könnte – durch Wohnungen für Studenten, Gutverdiener und sozial schwache Mieter gleichermaßen.

Laut Baustadtrat Lambert hat der Bezirk schon die Voraussetzungen für den Bau mehrerer Tausend Wohnungen geschaffen. So werden am S-Bahnhof Tegel, auf der Humboldt-Insel und an der Neptunstraße Wohnungen gebaut. Für die Cité Foch, das frühere Bahngelände Hermsdorf, die ehemalige Bezirksgärtnerei und die Cité Pasteur laufen Gespräche und Planungen.