Berlin - Die Sexualerziehung an Schulen verliert durch die neuen Rahmenlehrpläne ihren bisherigen Stellenwert. „Die neuen Lehrpläne sind ein deutlicher Rückschritt“, sagte GEW-Vorstandsmitglied Nuri Kiefer, der auch der AG Schwule Lehrer angehört. Die fächerübergreifende Richtlinie für die Sexualerziehung an Schulen, festgehalten in der AV 27 von 2001, sei quasi außer Kraft gesetzt. Ein „bildungspolitisches Rollback“ nannte es der Lesben- und Schwulenverband.

Aus dem Sachkundeunterricht für die Klassen 1 bis 4 seien Inhalte zur sexuellen Orientierung verbannt, in den Fachplänen für Biologie und Naturwissenschaften werde Sexualität nur noch als biologistisch und naturalisiert dargestellt. Im Fach Geschichte sei das Thema „Geschlechteridentitäten“ nur ein Wahl-Thema. „Offenbar will man den Begriff Sexualität vermeiden“, sagte Kiefer.

Lehrer nicht überfordern

Dies sei jüngst bei einer Anhörung auch von einer führenden Mitarbeiterin der Bildungsverwaltung gesagt worden – damit will man offenbar aufgeregte Debatten um die künftige Sexualerziehung vermeiden. Dabei sei doch weitere Aufklärung über sexuelle Vielfalt nötig, sagte Kiefer. „Noch immer ist das Wort schwul das häufigste Schimpfwort auf den Schulhöfen.“ Auch sei die Selbstmordrate unter homosexuellen Jugendlichen besonders hoch.

Die GEW warnte in ihrer Stellungnahme zu den neuen Lehrplänen zudem davor, die Lehrer nicht zu überfordern. Besonders das neue Niveaustufenmodell, das vier oder fünf verschiedenen Niveaustufen in einer Klasse vorsehe, werfe Probleme auf. So sei ungeklärt, ob solch eine Leistungsspannbreite mit dem bisherigen Notensystem überhaupt bewertet werden kann.

Und ob die küntige Bewertung rechtssicher sei, falls Eltern dagegen klagen, sagte die GEW-Vorsitzende Sigrid Baumgardt. Die GEW-Schulleitervereinigung forderte angesichts dieser Zusatzbelastung einen permanenten zweiten Pädagogen für jede Lerngruppe. Kritisch sieht die Gewerkschaft auch, dass das Ziel der Mehrsprachigkeit nicht konsequent umgesetzt werde. Schüler, die Arabisch oder Türkisch sprechen, werden nicht berücksichtigt.

Für das Fach Wirtschaft-Arbeit- Technik, die frühere Arbeitslehre, fordern Fachlehrer, dass dort auch Inhalte wie betriebliche Mitbestimmung und Gewerkschaften im Lehrplan vorkommen. Die GEW teilt die Kritik daran, dass Geschichte in Klasse 7 und 8 nicht mehr chronologisch unterrichtet werden soll.