Die neuen Rahmenlehrpläne für Berlin und Brandenburg werden erst ein Jahr später wirksam als bisher geplant. „Sie sollen nun zum Schuljahr 2017/18 gelten“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Die Lehrkräfte bräuchten noch Zeit. Scheeres reagiert damit auf heftige Kritik von Lehrern, CDU, GEW und Homosexuellenverbänden.

Die neuen Lehrpläne sollen für 28 Unterrichtsfächer von der 1. bis zur 10. Jahrgangsstufe gelten. Sie entscheiden darüber, was und wie Schüler in den kommenden zehn Jahren lernen. Besonders kritisiert worden war, dass Geschichte in der 7. und 8. Klasse künftig nicht mehr chronologisch, sondern epochenübergreifend nach Themen wie Armut oder Migration unterrichtet werden soll. Historisches Basiswissen gehe so verloren, warnten Kritiker.

Hier lenkt Scheeres nun ein: Gerne wolle sie den Kompromissvorschlag des Lichtenberger Geschichtslehrers Robert Rauh übernehmen. Der hatte vorgeschlagen, dass man sich jeweils im ersten Halbjahr chronologisch bestimmte Epochen wie Mittelalter oder Aufklärung erschließe. Im zweiten Halbjahr könnten dann verschiedene Themengebiete epochenübergreifend behandelt werden.

Sexualkunde breiter verankern

Auch bei der Sexualerziehung, in Geografie, bei der Leistungsbewertung und der Integration Lernbehinderter müssten die Arbeitsgruppen im Landesinstitut Schule und Medien (Lisum) noch intensiver beraten, kündigte Scheeres an. Das gelte auch für das neue Fach Gesellschaftswissenschaften in den Klassen 5 und 6 sowie für die Naturwissenschaften, die künftig auch in Brandenburg in diesen Klassenstufen fächerübergreifend zu unterrichten sind. Sexualkunde soll breiter verankert werden.

Das Merkblatt, das die sexuelle Selbstbestimmung betont, bleibe gültig. Indirekt kritisierte Scheeres das Lisum: Unklarheiten bei Niveaustufen in Gymnasien hätten zu Verunsicherungen gesorgt. Lisum-Chef Götz Bieber sagte zu, künftig mehr Kanäle zu nutzen, um Lehrer zur Beteiligung einzuladen.

Die CDU zeigte sich zufrieden, dass Scheeres und Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) einlenken. Sie will aber mehr Verbindlichkeit in den Lehrplänen, klare Kriterien zur Leistungsbewertung, einen eigenen Rahmenlehrplan für Grundschulen und lehnt das Sammelfach Gesellschaftswissenschaften ab. Im Winter wollen Berlin und Brandenburg eine Übereinkunft unterzeichnen.