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Die Botschaft der venezolanischen Regierung ist deutlich: Sie will den 35 Tonnen schweren Kueka-Stein, der aus dem Nationalpark Canaima stammt und zu einem Kunstprojekt im Großen Tiergarten gehört, unter allen Umständen zurück. Der Stein sei 1998/99 illegal außer Landes geschafft worden, er sei für den Stamm der Pemón-Indianer heilig, sagt Raúl Grioni, Präsident des Instituts für Kulturerbe in Venezuela. Nach einer Unesco-Tagung in Russland ist Grioni nach Berlin gekommen, um hier Gespräche zu führen und Medien die venezolanische Version zu dem umstrittenen Stein darzulegen.

Grioni wiederholt die bekannten Legenden: Dass ein Liebespaar, das vor langer Zeit nicht heiraten durfte, geflohen sei und später von Gott versteinert wurde. Die Pemón würden diese Steine als Großvater und Großmutter verehren. Eben diesen Großmutter-Stein habe der deutsche Künstler Wolfgang von Schwarzenfeld für sein Global Stone-Kunstprojekt nach Berlin gebracht, so Grioni. Und es sei nicht richtig, dass die Rückforderung des Steins eine Idee von Präsident Hugo Chávez war. Vielmehr hätten die „indigenen Völker, die über Jahrhunderte vergessen waren, ein neues Selbstwertgefühl und treten für ihre Kultur ein“.

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Dass es offizielle Dokumente wie Ausfuhrgenehmigung und eine Schenkungsurkunde gibt, weiß Grioni. Der Beamte habe damals aber nicht die Vollmacht gehabt, die Dokumente zu unterzeichnen. Die venezolanische Staatsanwaltschaft stuft jetzt den Fall wegen „Schmuggel in schwerwiegendem Fall“ als Verbrechen ein. Doch die Schenkungsurkunde ist von der Nationalparkverwaltung stellvertretend für das Umweltministerium sowie der deutschen Botschaft unterzeichnet. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigt: „Es war eine rechtmäßige Schenkung mit allen Papieren.“

Grioni war am Sonnabend bei Wolfgang von Schwarzenfeld und hat auf ihn eingeredet, den Stein freizugeben. Das erzählt er den Journalisten aber nicht. Auch nichts von dem Angebot, dass der Künstler sich unter Militärschutz von einem Hubschrauber aus einen neuen Stein aussuchen könne. Grioni weiß: Seine Regierung hat rechtlich keinen Anspruch auf den Kueka.

„Es war auf beiden Seiten ein sehr emotionales Gespräch“, sagt der 79-jährige von Schwarzenfeld. Er sehe ein, dass der Stein inzwischen für einige Pemón bedeutsam ist, obwohl die Geschichten um ihn erlogen seien. Von Schwarzenfeld nennt Global Stone ein weltumspannendes Friedensprojekt. Er holt von jedem Kontinent einen Fels, um ihn im Tiergarten abzulegen.

Bruno Illius vom Lateinamerika-Institut der Freien Universität beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit den Pemón. Durch Untersuchungen und Gespräche mit Pemón hat er die Behauptung widerlegt, dass der Kueka etwas mit der Mythologie der Indianer zu tun hat. Es seien keine versteinerten Vorfahren, sagt er. Zudem belegen Steinanalysen, dass es sich anders als behauptet nicht um einen Jaspis, sondern um einen Quarzsandstein handelt.

Von Schwarzenfeld verschließt sich nicht mehr dem Rücktransport des Kueka nach Venezuela. „Für die Pemón würde ich den Stein zurückgeben. Aber dass Chávez das für seinen Wahlkampf nutzt, das stört mich.“ Der Gedanke, noch einmal Steine in Amerika zu suchen, zu bearbeiten, nach Deutschland zu bringen, „das macht mir Angst“, sagt er.

Das Angebot aus Venezuela hat er abgelehnt. Er will aber versuchen, einen neuen Stein in den USA oder in Kanada zu finden. Finanzieren müsste die Reise für ihn und seine Familie dann die venezolanische Regierung. „Das muss aber schnell gehen. Ich weiß nicht, wie viel Zeit mir noch bleibt.“