Mehr als eine Milliarde Euro würde die Sanierung des Flughafens Tegel kosten, falls er weiterbetrieben wird – so schätzt Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Während die Kritik bei großen Bauprojekten sonst lautet, dass Kosten schöngerechnet werden, warf die Opposition im Abgeordnetenhaus Lütke Daldrup in dieser Woche vor, seine Kalkulation sei zu hoch gegriffen. FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja sprach sogar von „populistischer Stimmungsmache“.

Der Berliner Zeitung liegen nun detaillierte Zahlen vor, mit welchen Kosten die Flughafengesellschaft rechnet, sofern Tegel als Flughafen weitergenutzt wird. Am 24. September stimmen die Berliner in einem Volksentscheid darüber ab, ob der Senat ein solches Vorhaben prüfen soll.

Die Sanierung der Gebäude würde laut der Aufstellung nach heutigen Preisen rund 560 Millionen Euro kosten. Größte Einzelmaßnahme wäre die Renovierung der Terminals A und B mit fast 280 Millionen Euro. Wie Lütke Daldrup bei einer Begehung des Flughafens am Dienstag sagte, müssten beide Gebäude bis auf den Rohbau entkernt werden.

Das sei nach mehr als 40-jähriger Nutzung ein übliches Vorgehen. Doch auch viele Nebengebäude müssten für zweistellige Millionenbeträge instand gesetzt werden – insgesamt besteht der Flughafen aus fast 40 einzelnen Gebäuden. So schätzt die Flughafengesellschaft (FBB) den Sanierungsbedarf der Energiezentrale auf fast 30 Millionen Euro. Marode ist auch der Verwaltungsbau: Kosten 23,6 Millionen Euro.

Aufwendige Arbeiten wären ebenso an den Betriebsflächen nötig, die rund 120 Hektar umfassen. Beide Start- und Landebahnen müssten grundsaniert werden: 167 Millionen Euro. Das Rollfeld bräuchte einen neuen Belag und neue Leittechnik für 147 Millionen Euro.
Und schließlich müssten zahllose Leitungen auf dem Gelände erneuert werden.

Seit Jahren fließt das Regenwasser schlecht vom Rollfeld ab. Neue Rohre würden fast 80 Millionen Euro kosten. Die IT-Infrastruktur ist veraltet und müsste laut FBB für 56 Millionen Euro erneuert werden. 22 Millionen Euro würden neue Stromleitungen kosten. Erst kürzlich havarierte ein wichtiges Kabel, die Reparatur dauert bis August.

Grund für den enormen Sanierungsbedarf ist, dass seit der Jahrtausendwende kaum in Tegel investiert wurde – schließlich sollte der BER ursprünglich ja schon 2007 eröffnen. Fünf bis zehn Millionen Euro pro Jahr flossen seither in die Instandhaltung des Flughafens. Nach Angaben von Lütke Daldrup hätte es der zehnfache Betrag sein müssen, wenn man Tegel weiterbetreiben wollte. Auch die Finanzverwaltung hatte kürzlich in einer Stellungnahme darauf verwiesen, dass in Tegel über Jahre deutlich weniger investiert worden sei als an vergleichbaren Flughäfen. So seien 2016 am Düsseldorfer Flughafen 43 Millionen Euro investiert worden, in Hamburg 96 Millionen Euro.

Höhere Ausgaben und ein Parallelbetrieb mit dem BER würden Tegel nach Einschätzung des Senats auch unwirtschaftlich machen. Die Befürworter der Tegel-Offenhaltung verweisen dagegen darauf, dass die Passagierzahlen in Berlin deutlich steigen. Die Fluggesellschaft Ryanair, die sich für Tegel einsetzt, kalkuliert gar mit 90 Millionen Passagieren im Jahr 2050 – das wäre eine Verdreifachung der heutigen Zahlen. Am Ende geht es also immer die Frage, womit man rechnet.