Berlin - Das neue Tourismuskonzept des Bezirks Pankow sorgt für Aufregung. Das 239-seitige Papier enthält einige drastische Vorschläge für den künftigen Umgang mit Parks und Grünanlagen. Im Kampf gegen Überfüllung und Übernutzung könnte bald ein Eintrittsgeld für den Mauerpark erhoben werden.

Ein anderer Vorschlag ist ein Verbot von Partys und Festen im Grünen. Erarbeitet wurde das "Tourismuskonzept Pankow 2018+" von der BTE Tourismus- und Regionalberatung. Die Experten befassen sich darin unter anderem mit der Frage, wie viele Stadturlauber und Feriengäste der Bezirk verträgt.

"Tourismusinduzierte Konflikte"

Positiv hervorgehoben wird, dass eine starke Auslastung von Kultur- und Gastronomie-Einrichtungen dazu führt, dass sie nicht pleite gehen - und so auch für die Einheimischen erhalten bleiben. Es gebe allerdings auch "tourismusinduzierte Konflikte". 

Zur Bekämpfung von "lokalen Overcrowding-Effekten" (Überfüllungseffekten) raten die Experten auf Seite 64 des Papiers, über Einlassbeschränkungen für Parks nachzudenken. Konkret genannt wird der beliebte Mauerpark.

Es sei überlegenswert, Eintrittsgelder im Rahmen eines "Teilerstattungssystems" zu erheben. Das heißt, ein Teil des eingenommenen Geldes wird in die Grünpflege gesteckt, für den anderen Teil des Geldes bekommen Besucher einen Rabattgutschein, etwa für den lokalen Einzelhandel. 

Wie realistisch sind die Vorschläge?

Eintritt für den Mauerpark, Verbot von Park-Partys: Wie realistisch ist es, dass die Vorschläge der BTE Tourismus- und Regionalberatung tatsächlich umgesetzt werden? 

"Das vorliegende Tourismuskonzept ist eine Handlungsempfehlung an den Bezirk", betont Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) auf Anfrage. "Keine der darin vorgeschlagenen Maßnahmen hat einen Beschlusscharakter." Vor allem das Thema Eintritt in Parks sei "auf absehbare Zeit keines, mit dem wir uns ernsthaft auseinandersetzen werden". 

Öffentliche Parks seien Gemeingut, betont Bürgermeister Benn. Ihre Nutzung dürfe nicht vom Geldbeutel abhängen. Sauberkeit und Pflege müssten auf anderen Wegen gewährleistet werden. Man darf gespannt sein, wie andere Bezirkspolitiker die Expertenvorschläge einschätzen.