Berlin - Auf einem Pfeiler der einstigen Eisenbahnbrücke zwischen dem märkischen Neurüdnitz und dem polnischen Siekierki nistet eine Uhu-Familie. Und nun gibt es einen Streit darüber, ob sie auf der deutschen oder auf der polnischen Seite lebt. Es wurde sogar die deutsch-polnische Grenzkommission eingeschaltet, um zu klären, ob der Uhu Deutscher oder Pole ist. Denn das hat weitreichende Konsequenzen.

Denn der Uhu hat den Start eines bereits preisgekrönten Tourismusprojekts verhindert: der Draisinenbahn über die längste Brücke der Oder. Das Landesumweltamt hatte dem Betreiber, der zehn Millionen Euro investieren will, kurz vor dem Start am vorigen Wochenende die Fahrten untersagt. Zumindest bis Anfang Juli, bis die Jungtiere flügge sind. Denn die noch flugunfähigen Küken der streng geschützten Vogelart, die sich auf einem deutschem Pfeiler befänden, sollten nicht vor den Besuchern verschreckt ins Wasser hüpfen und ertrinken. Die langgeplanten Feierlichkeiten zur ersten Fahrt wurden abgesagt.

Karsten Birkholz, der Direktor des Amtes Barnim-Oderbruch, legte gegen den Bescheid aus Potsdam Widerspruch ein. „Denn der Vogel sitzt eindeutig auf polnischem Gebiet, und zwar 50 Meter von der Grenze entfernt“, sagt er. Damit sei das deutsche Landesamt nicht zuständig. Außerdem habe sich der Vogel schon längst an den Menschen gewöhnt. Seit Jahren schon gibt es Bauarbeiten an der Brücke, fahren ab und zu Draisinen über die Oder. Schweißarbeiten wurden durchgeführt – nur fünf Meter vom Nest entfernt. „Die Leute hier warten, dass die Brücke endlich wieder offen ist“, sagt Birkholz. Sie war mehr als 60 Jahre dicht. Die nächste Oderquerung liegt 40 Kilometer weit entfernt, und die nahe Fähre bei Güstebieser Lose fährt nicht wegen des Hochwassers.

Nun hat auch das Umweltamt einräumen müssen, dass die Uhu-Familie wirklich 30 Meter weit auf polnischem Territorium nistet. Doch das ändert nichts. Maßgeblich sei, heißt es in der Antwort auf den Widerspruch, dass die Störung des Uhus von deutscher Seite aus erfolgen könne. Nun wird das Touristentaxi voraussichtlich erst im nächsten Jahr über die Oder rollen. „Still und ohne Eröffnungsfeier“, so Amtsdirektor Birkholz. Er möchte nicht noch einmal so viele Gäste aus Polen und Deutschland ausladen müssen.