Berlin - Lustgarten – schon der Name verspricht, dass man sich dort amüsieren und Spaß haben kann. Und tatsächlich toben junge Männer am Freitag zwischen den Wasserfontänen hin und her, um sich von der Hitze abzukühlen und andere Besucher zu bespritzen. Da erscheint es schon ziemlich abwegig, an Weihnachten zu denken, gar an Lebkuchenherzen und Glühwein, an Kunsthandwerker. Joseph Nieke tut es trotzdem.

Nieke ist der Betreiber des Historischen Weihnachtsmarktes – schon seit 1992. Und weil der klassische Standort am Opernpalais wegen U-Bahnbau, Staatsoper-Sanierung und anderen Bauvorhaben in diesem Jahr nicht mehr zur Verfügung steht, will er seinen Weihnachtsmarkt vorübergehend im Lustgarten oder auf dem Bebelplatz veranstalten. 230 Buden will er unter den Lindenbäumen im Lustgarten aufstellen und auch den Gehweg bis zum Berliner Dom nutzen. Nieke hat sich damit nicht nur Freunde gemacht und jetzt erneut eine Debatte entfacht: Wo darf in der historischen Mitte gefeiert werden?

Geschützte Grünanlage

Jedenfalls nicht im Lustgarten. Die Botschaft von Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) ist eindeutig: „Der Lustgarten ist eine geschützte Grünanlage. Die Bäume an der Spree haben ein relativ niedriges Blattwerk.“ Schon im Dezember 2012 hatte Nieke die Anträge für Lustgarten und Bebelplatz gestellt, der Bezirk hat sie abgelehnt. Spallek stützt sich auf das Urteil der Denkmalschützer. Und die verstehen beim Thema Lustgarten keinen Spaß. Wie das Landesdenkmalamt begründet, befinde sich der Lustgarten in einem Denkmalensembles mit Museen und Berliner Dom und damit „gleichzeitig in der Pufferzone Weltkulturerbe Museumsinsel Berlin“. Mehrtägige Veranstaltungen dürften dort nicht stattfinden.

Das hat sich das Bezirksparlament anders gewünscht. SPD, CDU und Grüne hatten schon 2012 das Bezirksamt aufgefordert, den Lustgarten nicht nur für den Weihnachtsmarkt, sondern auch für das Gauklerfest im Sommer als Ausweichstandort vorzusehen. Schließlich würden in der Nähe des Weltkulturerbes andere Veranstaltungen wie der Kunstmarkt und die Strandbar Mitte, im Lustgarten das Festival of Lights erlaubt. Die Ablehnungsgründe halte man für vorgeschoben, heißt es jetzt. Deshalb sollte die Nutzung im Lustgarten für zwei oder drei Jahre ermöglicht werden. Das Gauklerfest kann im August noch einmal rings um den Schinkelplatz stattfinden. Ab Jahresende soll aber auch dort gebaut werden.

Klage vor dem Verwaltungsgericht

Spallek schließt nicht nur den Lustgarten, sondern auch den Bebelplatz aus – wegen des unterirdischen Denkmals zur Erinnerung an die Bücherverbrennung. Nur hochwertige Veranstaltungen – zum Beispiel „Staatsoper für alle“ am vergangenen Wochenende – werden genehmigt. Eine Debatte wie zum Zelt der Fashion Week will der Bezirk vermeiden. Erst nach schwierigen Verhandlungen war es gelungen, das Zelt auf die Straße des 17. Juni zu verlegen. Alternativ hat der Bezirk Nieke andere Flächen angeboten: den Dorothea-Schlegel-Platz am Bahnhof Friedrichstraße, den Washingtonplatz am Hauptbahnhof und das Kulturforum. „Es liegt allein am Veranstalter, ob er Flächen nimmt, die zur Verfügung stehen“, so Spallek.

Die Plätze entsprechen Niekes Vorstellungen nicht. „Sie haben keinen Bezug zum Opernpalais.“ Der Schlegelplatz sei zu klein, am Kulturforum gebe es keine Laufkundschaft und auf dem Washingtonplatz könne man keine Atmosphäre erzeugen. Nieke hofft trotzdem auf ein gutes Ende. „Eine Fanmeile wird innerhalb einer Woche auf die Beine gestellt. Es wäre für Berlin eine Schande, wenn so ein renommierter Weihnachtsmarkt nicht mehr stattfindet.“ Weil der Bezirk auf seinen Widerspruch vom April nicht reagiert hat, klagt Nieke seit dieser Woche vor dem Verwaltungsgericht.