Berlin - Im Mai 2008 war die Knobelsdorffstraße wegen der Sanierung der Spandauer-Damm-Brücke gesperrt worden. Wer in den Kiez wollte, musste durch den Horstweg fahren. Zwar sind die Bauarbeiten längst beendet, aber die Knobelsdorffstraße ist immer noch dicht. Die rot-grüne Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung hatte 2010 beschlossen, die Sperrung beizubehalten – ein Geschenk an die eigene Klientel im Klausenerplatz-Kiez.

Der, 1963 zum Sanierungsgebiet erklärt und in den 80er-Jahren Hochburg der Hausbesetzerszene, gehört zum Alternativmilieu im Berliner Westen. Dort gibt es ein von SPD und Grünen dominiertes Kiezbündnis, einen Verein, der sich für Verkehrsberuhigung und Klimaschutz einsetzt und den Bereich zum „Ökokiez 2020“ entwickeln will. Dafür gab und gibt es Unterstützung aus dem Bezirksamt.

Doch in Kürze soll die Knobelsdorffstraße wieder geöffnet werden. Zwei Anwohner des Horstweges haben vor dem Verwaltungsgericht geklagt. Und obwohl das Gericht noch nicht entschieden hat, will das Bezirksamt nun auf Anraten seiner Juristen die Sperrung wieder aufheben. Denn eine solche Maßnahme darf nur die zuständige Straßenverkehrsbehörde beim Senat anordnen – nach einer Verkehrszählung. Eine Zählung im Jahr 2006 hatte keine übermäßige Belastung der Knobelsdorffstraße ergeben.

Unterschriftslisten für die Sperrung

Die Leute vom Horstweg, wo man etwas häufiger CDU wählt, sehen sich im Nachteil. Denn das ehemalige Sanierungsgebiet reicht nur bis zur Knobelsdorffstraße. „Um uns geht es nie“, sagt eine Anwohnerin. Es gebe noch nicht mal verkehrsberuhigende Maßnahmen. wie in allen Straßen rund um den Klausenerplatz, sondern nur Tempo 30. Ihren Namen will sie nicht nennen. Keiner aus der Straße will wegen befürchteter Anfeindungen namentlich genannt werden.

Ab 6 Uhr würde sie vom Lärm der Müll- und Lieferfahrzeuge geweckt, sagt eine andere Frau. „Ich freue mich, dass das nicht mehr so viele sein werden, wenn die Knobelsdorffstraße wieder offen ist.“ Auch Gewerbetreibende können dem etwas abgewinnen: Bei einer Umfrage hatte die Hälfte der Händler und Gastwirte im Kiez für die Öffnung votiert.

Im Lottoladen in der Nehringstraße liegen Unterschriftenlisten gegen die Aufhebung der Sperrung aus, am Kiez-Büro hängen Plakate „Knobelsdorff bleibt zu“. In der BVV gab es zahlreiche Bürgeranfragen. „Wir werden weiter für die Sperrung mobil machen“, sagt Henning Voget, ein Alteingesessener. Er befürchtet, dass die Knobelsdorffstraße künftig als direkte Zufahrt von und zur A 100 genutzt wird. .

Der zuständige Stadtrat Marc Schulte (SPD) kündigt die Aufhebung der Sperrung für März an. Vorher werde es eine Verkehrszählung geben, hinterher auch. „Dann werden wir sehen, ob sich der Durchgangsverkehr wirklich so stark entwickelt wie befürchtet.“ Schulte sagt, es solle ein Gesamtkonzept für die Verkehrsberuhigung im Kiez erarbeitet werden. Im Horstweg sollte schon nach dem BVV-Beschluss von 2010 etwas passieren – geschehen ist nichts.

Info-Veranstaltung: Montag, 19 Uhr, Mensa der Nehring-Grundschule.