Berlin - Mehr Beschäftigte als bisher sollen ab diesem Mittwoch wegen der Corona-Krise zu Hause arbeiten. Mit neuen Vorgaben werden Arbeitgeber verpflichtet, ihren Mitarbeitern in bestimmten Fällen das Arbeiten im Homeoffice anzubieten. Der Berliner Senat kündigt dazu Kontrollen zum Beispiel in Großraumbüros an.

Auf seiner Sitzung am Dienstag hat die Berliner Landesregierung noch keinen entsprechenden Beschluss zur Homeoffice-Pflicht gefasst, wie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) nach der Sitzung sagte. Stattdessen sollen die Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales und das Landesamt für Arbeitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi) zunächst beobachten, welche Folgen die neue Verordnung aus dem Bundesarbeitsministerium hat.

Nach Angaben der Arbeitsverwaltung wird das Landesamt pro Woche bis zu 80 Berliner Betriebe kontrollieren. Die Arbeitsverwaltung will sich dabei sich zunächst auf Unternehmen mit Großraumbüros, Callcenter, Versicherungen, Architekturbüros sowie den Verwaltungsbereich von Unternehmenszentralen konzentrieren.

Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales sagte, es werde eine Hotline zum Homeoffice geben. Unternehmen und Beschäftigte sollen unter 030-9025-45250 bei der Arbeitsschutzbehörde Informationen erhalten oder Fragen stellen können. Das ist auch per E-Mail möglich an die Adresse: home-office-fragen@lagetsi.berlin.de.

„Wir werden in zwei Wochen eine Auswertung der Arbeitsverwaltung bekommen, ob die Vorgaben, die vom Bund initiiert worden sind, auch tatsächlich umgesetzt werden“, sagte Kalayci. „Wenn wir in zwei Wochen dann feststellen, dass die Umsetzung nicht gut funktioniert, wird es Vorschläge geben, wie wir landesseitig noch einmal nachschärfen.“

Für Jan Eder, den Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), suche der Senat dagegen an der falschen Stelle, wenn er nur auf die Unternehmen ziele. „Wir empfehlen, mit den Schwerpunktkontrollen in den Senats- und Bezirksverwaltungen zu beginnen, um zu überprüfen, ob die Standards, die von den Unternehmen erwartet werden auch auf Behördenseite umgesetzt werden“, sagte Eder am Mittwoch. Natürlich sei Risikominimierung wichtig für die Pandemiebekämpfung. Aber jetzt eine Drohkulisse gegenüber den Unternehmen aufzubauen, sei „verfehlt und fern jeder unternehmerischen Realität in vielen Betrieben“. Stattdessen habe man in den vergangenen Wochen nachlesen können, wo die dramatischsten Hotspots bei den Neuansteckungen lagen, nämlich in Altenheimen und Kliniken. "Anstatt also mit dem Finger auf die Unternehmen zu zeigen, wäre die Politik gut beraten, dort anzusetzen und, wo nötig, Kapazitäten aufzustocken“, so Eder.

Bei aller Kritik aus der Wirtschaft, die Homeoffice-Pflicht ist beschlossen. „Wer kann, arbeitet zu Hause“, das sei das Ziel der neu in Kraft tretenden Bundes-Verordnung, sagte Katja Mast, Vizechefin der SPD-Fraktion im Bundestag. „Nachdem wir unsere privaten Begegnungen bereits massiv heruntergefahren haben, geht es jetzt um berufliche Kontakte.“ Gerade Bürojobs sollten von zu Hause aus erledigt werden, forderte Mast. Zugleich sei sie zuversichtlich, „dass es harte Kontrollen gar nicht braucht“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Vieles regelt sich durch vorbildliches Verhalten und gemeinsam nacheinander Schauen. Das gilt im Berufs- wie Privatleben gleichermaßen.“

Laut Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) muss der Arbeitgeber auf Verlangen der Behörden Gründe darlegen, weshalb Homeoffice nicht möglich sei. Im „allergrößten Notfall“ seien auch Bußgelder von theoretisch 30.000 Euro möglich. (mit dpa)