Als ich neulich nach Hause kam, stand mein Mann in der Küche und sagte als Erstes nicht „Hallo“ oder „Darf ich dir einen Tee machen, nach dem langen Arbeitstag, Schatz“, sondern: „Brot is‘ alle.“

Ich hörte sofort einen Vorwurf heraus. War es meine Schuld, dass wir zum Abendbrot offenbar kein Brot hatten? Hätte ich welches kaufen sollen? Mein Gehirn ratterte. Das war offenbar das Mental Load, übersetzt geistige Belastung, von dem jetzt viele reden, besonders Frauen. 

Die To-Do-Listen im Kopf

Es ist bekannt, dass Frauen zwei Drittel der Hausarbeit und Kindererziehung erledigen. Bei dem Begriff Mental Load geht es noch mal um was anderes, um die Kraft, die es kostet, an alles zu denken.

Ich muss gestehen, dass mich schon der Begriff Mental Load unter Stress setzt und ich automatisch anfange, To-Do-Listen im Kopf durchzuackern: neue Windeln für die Kita mitbringen, Winterstiefel für den Großen besorgen, Einladungen zum Kindergeburtstag rausschicken, Ferienwohnung bezahlen, Kindersachen sortieren.

Was ist eigentlich mit dem Handyvertrag, der bald ausläuft? Und müsste ich nicht mal wieder was bei Instagram posten? Vor einigen Woche habe ich mich dort angemeldet und seitdem denke ich dauernd drüber nach, welches Foto ich von mir posten kann, um meine 53 Follower an meinem Leben teilhaben zu lassen. Noch mehr Load! Noch mehr Stress! Mein Struggle!

Es sind nicht nur Mütter, die unter Mental Load leiden

Wie die sogenannte Care-Arbeit aufgeteilt wird, das wird regelmäßig gemessen. Frauen leisten täglich eine Stunde und 27 Minuten mehr. An dem Unterschied hat sich über Jahrzehnte kaum was geändert.

Bei der Mental Load ist das etwas schwieriger. Wie soll man Gefühle messen? Es sind nicht nur Mütter, die unter Mental Load leiden, sondern auch Frauen ohne Kinder. Vielleicht liegt es daran, dass Frauen generell gern alles optimieren wollen. Vielleicht denken sie sogar, es ist ihre Aufgabe, ihre Pflicht, Haushalt, Kinder und Partner zu organisieren und ständig zu verbessern. Weil ihre Mütter das so gemacht hat. Und ihre Großmütter.

Ob man ein Kind bekommt oder nicht, ist angeblich eine der wichtigsten Fragen im Leben einer Frau. Das stimmt nicht, die wichtigste Frage besteht darin zu entscheiden, mit wem man das Kind bekommt. Bekommt man es mit einem Mann, mit dem man sich die Hausarbeit teilt? Oder will man lieber einen, der immer im Büro sitzt, viel Geld verdient und einem zu Hause die Kontrolle überlässt? Dann darf man sich auch nicht beschweren, wenn er nie die Wäsche macht.

Die Organisation von Haushalt und Familie

Mein Mann und ich wollten uns die Arbeit mit Haushalt und Kind fifty-fifty aufteilen, wie es sich für moderne Paare gehört. Wir haben das für einen Moment geschafft, als unser Sohn in die Kita kam und wir beide Teilzeit arbeiteten. Aber inzwischen, mit zwei Kindern und lauter Krankheiten, ist es eher so 60:40. Er erledigt zu Hause 60 Prozent, ich mache den Rest. Wobei er wohl sagen würde: Er macht achtzig und ich zwanzig Prozent.

Er ist sehr ordentlich, organisiert und findet, dass ich zu selten aufräume. Während ich das Nicht-Aufräumen als eine Art Meditation des Chaos empfinde. Da ist mein Selbstoptimierungs-Gen offenbar ausgeschaltet. Ich leide hingegen unter dem Druck, alles ewig im Voraus planen zu müssen, während er am liebsten spontan entscheidet.

Während ich über all das nachdenke, hat mein Mann eine Tiefkühlpizza in den Ofen geschoben. „Brot kaufe ich morgen“ sagt er.