Strich auf der Kurfürstenstraße in Berlin: Kapituliert das Bezirksamt Mitte nun endgültig?

Berlin - Drogenabhängige und völlig verarmte junge Frauen, brutale Zuhälter und Freier, die diese Mischung aus Elend, Gewalt und Sex scheinbar anziehend finden. Seit Jahren versucht die Politik, die menschenunwürdigen Zustände am Kurfürstenstrich zu verbessern. Doch die Situation wird immer schlimmer. Das Bezirksamt Mitte scheint nun endgültig zu kapitulieren.

Grundsätzlich sei Prostitution legal, heißt es hier. Doch der gekaufte Sex findet in der Kurfürstenstraße mittlerweile fast ausschließlich in Hauseingängen oder dunklen Straßenecken statt – und das wiederum sei illegal. Dagegen machen könne man aber dennoch nichts, so die Meinung im Bezirksamt. Wörtlich heißt es hier: „Illegal ist der Sex in der Öffentlichkeit. Den zu ahnden, ist aber für Polizei und Ordnungsamt kaum möglich und auch kaum zumutbar.“ Weshalb das erfahrenen Kriminalitätsbekämpfern wie unseren Berliner Streifenpolizisten nicht zumutbar ist – unklar.

Auch innerhalb der Behörde sorgt diese Einschätzung des Bezirksamts Mitte für Stirnrunzeln. „Wenn die Politik den Willen und wir genügend Personal hätten, könnten wir da ganz bestimmt durchgreifen und zumindest ein wenig für Ordnung sorgen“, sagt ein Beamter. Und weiter: „Leider fehlt uns beides.“ 

Prostituiertenschutzgesetz sollte Besserung auf der Kurfürstenstraße bringen

Eine Besserung der katastrophalen Zustände sollte auch das umstrittene Prostituiertenschutzgesetz bringen. Es sieht unter anderem vor, dass sich die Prostitutierten offiziell anmelden müssen. Damit, so die Hoffnung, könne man die Frauen aus den Fängen ihrer Zuhälter befreien.

Allerdings, sagen Ermittler, habe das Gesetz „auch dazu geführt, dass nicht registrierte Prostituierte ihre Dienste nur noch im Verborgenen anbieten“ würden und damit quasi völlig schutzlos sind. Auch nach Ansicht der Beratungsstelle Hydra, die sich seit fast 40 Jahren für die Rechte von Prostituierten einsetzt, habe das neue Schutzgesetz „Sexarbeitende anfälliger für Gewalt bei der Ausübung der sexuellen Dienstleistung“ gemacht. Zudem sei durch die vom Gesetz vorgeschriebene Pflichtberatung „das Interesse an einem Kontakt mit der Fachberatungsstelle Hydra“ gesunken. Die Frauen fühlten sich „mit Informationen überschüttet und mit zu vielen Akteuren konfrontiert“. Viele würden einfach nicht mehr kommen.