Stromausfall in Berlin-Mitte: Ein Rattenfall bei Vattenfall

Mitten im Herzen Berlins ist am Montag und Dienstag innerhalb von 20 Stunden gleich zweimal der Strom ausgefallen. Wie kurz gemeldet, waren am Montagabend 381 Haushalte und 112 Gewerbeanschlüsse für etwa eine Stunde betroffen. Zu Letzteren gehörte auch der Berliner Verlag, in dem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier erscheinen. Die Frühausgabe der „Berliner“ konnte am Montag nur in einer Notausgabe produziert werden. Das Netz wird von der Stromnetz Berlin GmbH betrieben, die zu Vattenfall gehört.

Während sich die Redakteure am Dienstagmittag noch über den Ausfall des Redaktionssystems, der Fahrstühle sowie der Wasserversorgung im Haus unterhielten, flackerte gegen 12.26 Uhr erneut das Licht und erlosch, ebenso im Anrainerquartier an der Karl-Liebknecht- und Memhardstraße.

Auslöser des Stromausfalls am Montag war laut Stromnetz Berlin zunächst ein Kurzschluss in einer Netzstation an der Memhardstraße. Verursacher: eine Ratte, die entweder ein Kabel abisolierte oder zwischen die stromführenden Bauteile geriet. Diese verschmorten. Folge: Es fiel ein sogenannter Vollring des Netzes aus, eine Kette von insgesamt zwölf Netzstationen abgehend vom Umspannwerk Koppenplatz in Mitte. Die Organisation des Stromnetzes in Ringen sorgt üblicherweise dafür, dass eine ausgefallene Netzstation per Umleitung über den intakten Ringteil schnell wieder mit Strom versorgt werden kann. Das erfolgt in dem Teil des Netzes, der bereits auf Fernsteuerung umgebaut ist, per Mausklick aus der Zentrale der Stromnetz Berlin GmbH. Das Umspannwerk Koppenplatz ist eigentlich komplett fernsteuerbar, aber am Montagabend konnten Techniker erst vor Ort per Hand eine Umschaltung vornehmen. Vermutlich als Folge der Unterbrechung kam es zu dem neuerlichen Blackout am Dienstagmittag. Laut Vattenfall war Ursache ein Kabelfehler in einem Mittelspannungskabel (10 000 Volt). Bereits im März dieses Jahres war es im Bereich desselben Umspannwerks durch einen Kabelfehler zu einem Ausfall gekommen. Einen Teil seines Mittelspannungsnetzes stuft Vattenfall als „stark gealtert“ oder „kritisch“ ein, deshalb werden 250 Kilometer Kabel bis 2023 sukzessive erneuert – nach Plan vor einem Ausfall.

Der scheidende Stromnetzchef Helmar Rendez entschuldigte sich bei den betroffenen Kunden. Rendez verweist darauf, dass Stromausfälle im Berliner Netz immer seltener werden. 2013 lagen die Ausfallzeiten im Schnitt bei 13,13 Minuten pro Jahr und Kunde, 2014 bei 9,78 Minuten. Das liegt unter dem Bundesdurchschnitt - statistisch. In der Realität hinterlässt ein zweifacher Ausfall innerhalb 20 Stunden aber keinen guten Eindruck.

Die Sache kommt Vattenfall derzeit sehr ungelegen. Man hat sich zum einen um die Konzession für den Weiterbetrieb des Stromnetzes beworben und führt die lange Erfahrung und Zuverlässigkeit des Unternehmens beim Betrieb des Netzes ins Feld. Außerdem will der Mutterkonzern Vattenfall „industrieller Partner“ des Senats bei der Stromversorgung werden, dazu laufen derzeit Gespräche. Vattenfall will sich an der Entwicklung der „Smart City Berlin“ beteiligen und baut an einem intelligenten Netz, das den volatilen Strom aus Wind und Sonne im Umland und aus Blockheizkraftwerken in Berlin sicher verteilen kann. Stromausfälle in der Stadtmitte oder der in Schöneberg, bei dem Günther Jauchs Talkshow im Gasometer live das Licht ausging, sind Störfälle für diese Pläne.