Zur Entwicklung der Mieten und der Preise für Eigentumswohnungen in Berlin gibt es mittlerweile so viele Berichte, dass es schwer ist, den Überblick zu behalten. Kein Wunder, gibt es doch genügend zahlungskräftige Abnehmer für solche Informationen.
Ganz anders sieht es mit Informationen über die Zahl der Zwangsräumungen von Wohnungen aus. Vollständige Informationen dazu gibt es bis heute nicht. Dass dies so ist, ist ein schweres Versäumnis der Politik. Denn das ganze Ausmaß der sozialen Probleme wird dadurch nicht bekannt. Es ist ein Verdienst des Instituts für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität, dass es mit einer Studie zu Zwangsräumungen in Berlin versucht, notwendige Informationen zu dem Thema zu liefern.

Die Politik hat keine Antwort

Fast 10.000 Räumungsklagen jährlich machen deutlich, dass es sich um ein relevantes soziales Problem handelt, auf das die Politik bisher keine Antwort hat. Zwar wirkt die Sprache der Verfasser der Studie bisweilen klassenkämpferisch, etwa wenn „nicht kleine Reformen, sondern ein grundlegender Systemwechsel der Wohnungspolitik“ gefordert wird. Doch die Wissenschaftler führen zugleich nüchtern vor Augen, dass das vorhandene System von staatlichen Hilfen nicht ausreicht, um Menschen vor dem Verlust der Wohnung zu schützen. Das ist – neben dem Hinweis auf die völlig unzureichende Datenbasis – die eigentliche Stärke dieser Arbeit.
Ein Großteil der Zwangsräumungen beruht darauf, dass Mieter Zahlungsrückstände haben. In etwa jedem zweiten Fall übernehmen die Ämter die Schulden und können so eine Zwangsräumung verhindern. Das ist sicher klüger als später hohe Kosten für Obdachlosigkeit zu haben. Das Hilfesystem sollte deswegen weiter gestärkt werden. Um möglichst die andere Hälfte an Räumungen zu verhindern.