Köln - Wann sind Mütter und Väter am zufriedensten? Die Antwort liegt auf der Hand: Wenn sie es schaffen, Jobs, Kinder und Haushalt gleichberechtigt untereinander aufzuteilen. Das predigen Politik, Experten und viele Eltern selbst doch andauernd. Doch stimmt es deshalb auch?

Nein, sagt der Arbeitssoziologe Martin Schröder. Die Zahlen des aktuellen Sozio-ökonomischen Panels belegten das genaue Gegenteil: Väter sind am zufriedensten, wenn sie Vollzeit oder sogar länger arbeiten.

Ihre Lebenszufriedenheit steige sogar mit höherer Arbeitszeit noch an. „Väter sind am zufriedensten, wenn sie 50 Stunden pro Woche arbeiten. Also richtig lange“, sagte Schröder in einem Interview mit Zeit Online. Und das gelte auch anders herum: „Für Väter gibt es kaum etwas, das einen so negativen Einfluss auf die Zufriedenheit hat wie weniger zu arbeiten“. Wie viel ihre Partnerinnen arbeiteten, spiele für ihre Zufriedenheit dagegen keine Rolle.

Lebenszufriedenheit von Müttern nicht abhängig von der Arbeitszeit 

Überraschend ist: Auch die Mütter seien zufriedener, wenn die Väter länger arbeiteten. Wie viel Zeit die Frauen selbst bei der Arbeit verbrächten, habe dagegen keinen Einfluss auf ihre Zufriedenheit. „Im Grunde ist es fast egal, wie viel Mütter arbeiten. Ihre Lebenszufriedenheit ist unabhängig von der Arbeitszeit recht hoch.“ Das gelte sogar in Haushalten, in denen Frauen mehr verdienen als die Männer.

Aber bedeutet das im Umkehrschluss, Väter sind lieber bei der Arbeit als bei ihren Kindern? Und das so oft angestrebte moderne Rollenmodell, bei dem die Partner sich Arbeit und Kinderbetreuung gleichberechtigt aufteilen, macht gar nicht glücklich?

Auswertungen stützen das traditionelle Rollenmodell

Die Zahlen würden das zumindest ausdrücken, sagt Schröder. Am zufriedensten seien beide Partner, wenn der Vater 80 Prozent und die Mutter 20 Prozent der Arbeitszeit abdecke. Dieses Ergebnis stütze also das traditionelle Rollenmodell, das stereotype Muster betone und bei dem der Vater sich hauptsächlich dem Beruf und die Mutter der Kindererziehung widmet.

Väter scheinen sich in der traditionellen Rolle als Familienernährer immer noch am wohlsten zu fühlen, sagte Soziologe Schröder Zeit Online. Das liege sicher auch daran, dass in Deutschland dieses Modell noch immer weit verbreitet und in den Köpfen der Menschen verankert sei. „Vielleicht ist es einfacher, so zu leben wie alle. Dann muss man sich nicht gegenüber Bekannten, Freunden, Eltern erklären.“

Es gibt auch Väter, die Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen

Man müsse aber auch immer sehen, dass es sich hier um Durchschnittswerte handele. Es gäbe viele Väter, die eine gleichberechtigte Aufgabenverteilung anstreben und mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollten.

Für seine These hat Martin Schröder die Zahlen und Daten des Sozio-ökonomischen Panels ausgewertet, für das zwischen 1984 und 2015 über 57.000 Menschen zwischen 18 und 65 mehrfach befragt worden sind. (iwo)