Berlin - Schüler lernen an den vor fünf Jahren eingerichteten Berliner Gemeinschaftsschulen in vielen Fächern überraschend erfolgreich. Vor allem beim Lesen und in der deutschen Rechtschreibung erreichten die hauptstädtischen Neuntklässler in einem Vergleich mit Hamburger Schülern deutlich bessere Ergebnisse.

Das ergab eine wissenschaftliche Studie der Universität Hamburg und der Ramboll Management Consulting im Auftrag des Berliner Senats. Die Forscher hatten die Schüler von 14 Berliner Gemeinschaftsschulen über zwei Jahre lang mit ähnlichen Schülergruppen verglichen, die in Hamburg das gegliederte Schulsystem mit Haupt-, Realschule und Gymnasium besucht hatten.

An den Berliner Gemeinschaftsschulen lernen die Schüler von der ersten bis mindestens zur zehnten Klasse in leistungsheterogenen Gruppen gemeinsam. Dabei, so fanden die Forscher heraus, hat sich gerade an der Gemeinschaftsschule im Fach Deutsch die Zahl der besonders leistungsfähigen Schüler von der 7. bis zur 9. Jahrgangsstufe noch deutlich erhöht.

„Beim Leseverständnis wurden deutlich höhere Lernerfolge erzielt als in Hamburg“, sagte Ulrich Vieluf vom Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung. Bemerkenswert sei auch, dass sämtliche Schüler unabhängig von ihrer sozialen Herkunft solche Lernerfolge erreicht hätten.

Naturwissenschaften sollen in Berlin wichtiger werden

In den Kompetenzbereichen Englisch und Mathematik erzielten die Berliner Gemeinschaftsschüler fast annähernd so gute Lernerfolge, allerdings hatten die Hamburger gerade im Englischen bereits zu Beginn der Jahrgangsstufe 7 deutlich mehr Fähigkeiten.

Besonders schlecht schnitten die Berliner allerdings bei den Naturwissenschaften ab, hier lernten die Hamburger Schüler wesentlich besser und waren auch in der Spitzengruppe besonders stark. „Der Stellenwert der Naturwissenschaften muss in Berlin stärker betont werden“, sagte Vieluf.

Die Forscher stellten fest, dass 75 Prozent der Lehrer an Gemeinschaftsschulen Materialien und Methoden verwenden, um Schülern ein selbstständiges Lernen in der Gruppe zu ermöglichen. Dazu gehören Selbsteinschätzungsbögen oder Lehrer-Eltern-Schüler-Gespräche. Schulen mit einer fest etablierten Schulleitung und miteinander kooperierenden Lehrern hätten die größten Erfolge, so Vieluf.

Die Linke, Initiator des Schulmodells, feierte die Studie. Von individueller Förderung profitierten eben auch leistungsstärkere Schüler, sagte Bildungspolitiker Sebastian Schlüsselburg. CDU-Bildungspolitikerin Hildegard Bentele bezeichnete die Ergebnisse der Studie als begrenzt.

Sie interessiere vielmehr der Vergleich mit anderen Berliner Schultypen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) kündigte an, das Gemeinschaftsschul-Projekt fortzusetzen. Es gebe weiter zusätzliche Mittel für Personal und Fortbildung, aber nicht mehr für bauliche Veränderungen.