Studie zu Schulkosten: Für ein Schulkind zahlen Eltern in Berlin rein statistisch gesehen 22.400 Euro

Von dem Geld könnte man ein neues Auto kaufen oder eine mehrmonatige Weltreise unternehmen: Es geht um fast 22.400 Euro. So viel geben Eltern in Berlin angeblich durchschnittlich für das komplette Schulleben ihres Kindes aus.

Die Summe hat das Preisvergleichsportal Idealo ermittelt. Ganz schön viel Geld – dabei gelten viele Berliner Familien doch als arm. „Familien, die auf Sozialtransfers angewiesen sind, haben wir nicht berücksichtigt“, sagt Idealo-Sprecherin Elina Vorobjeva, sondern nur Familien, die das Schulleben ihrer Kinder allein aus eigener Tasche bezahlen müssen. Berlin liegt nach dieser exklusiv zu nennenden Vorgehensweise oberhalb des Bundesdurchschnitts und belegt im Vergleich aller Bundesländer den sechsten Platz.

Der Hort ist das teuerste

Am teuersten für die Eltern ist laut Studie ein Schulbesuch in Niedersachsen, gefolgt von den beiden Stadtstaaten Hamburg und Bremen. Am günstigsten soll es in den Ostländern sein: Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen und – mit 14.896 Euro – ganz besonders günstig in Mecklenburg-Vorpommern. Das liegt vor allem daran, dass die Hortkosten in den ostdeutschen Flächenländern vergleichsweise günstig sind. Die Berechnung geht übrigens von Schülern aus, die zwölf Jahre die Schule besuchen, also das Abitur am Gymnasium machen.

In Berlin machen die Hortkosten fast die Hälfte der Gesamtkosten aus – mit durchschnittlich 10.000 Euro pro Schulleben. Das ist allerdings sehr pauschal, denn sie werden einkommensabhängig gestaffelt erhoben. „Wir haben den Bruttodurchschnittsverdienst der Berliner genommen“, sagt Sprecherin Vorobjeva. „Ohne Sozialfälle.“ Die Hortkosten wollte SPD-Fraktionschef Raed Saleh aber schon vor Jahren abschaffen. Er plädiert dafür, den Hort ähnlich wie die Kita gebührenfrei zu machen. Doch daraus wurde nichts.

Auch kräftig zu Buche schlagen in Berlin die Kosten für den Öffentlichen Nahverkehr und für Schulbücher. Das Schülerticket, mit dem viele Oberschüler täglich per U-und S-Bahn, Tram und Bus zur Schule kommen, kostet 29,50 Euro pro Monat. Die Grünen hatten zuletzt gefordert, Schülern das Ticket kostenlos zukommen zu lassen, um Familien zu entlasten.

Viele Kosten sind einkommensabhängig

Dem steht das SPD-Vorhaben gegenüber, lieber wieder alle Schulbücher kostenlos zur Verfügung zu stellen. Denn die Lernmittelfreiheit war 2003 aus Spargründen abgeschafft worden. Seither müssen Eltern pro Schuljahr bis zu 100 Euro dazuzahlen. Ausgenommen sind Eltern, die auf Sozialtransfers angewiesen sind. In Berlin ist das jedes dritte Elternpaar. Für zwei Drittel der Eltern aber ist dadurch die Belastung deutlich größer als in jenen Bundesländern, die Schulbücher kostenlos zur Verfügung stellen – wie beispielsweise Baden-Württemberg, Bayern, Bremen oder Sachsen. Immerhin plant der rot-rot-grüne Senat in Berlin ab dem nächsten Schuljahr die Lernmittelfreiheit an den Grundschulen wieder einzuführen. Ob dies auch an Gymnasien und Sekundarschulen wieder geschehen wird, haben SPD und Grünen bislang noch nicht restlos geklärt.

Ein weiterer großer Posten sind die zahlreichen Klassenfahrten, für die es keine festgelegte Obergrenze gibt. Gerade für Geringverdiener, die keine Sozialtransfers erhalten, wird dies oft teuer. Wer noch ärmer ist, bekommt immerhin Geld: Sind Eltern auf Sozialtransfers angewiesen und verfügen über den Berlin-Pass, bekommen sie nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz die Kosten für Klassenfahrt komplett erstattet.

In diesem Zusammenhang hatte vor einiger Zeit die NewYork-Reise eines Kreuzberger Gymnasiums für Aufregung gesorgt. Da fast alle Eltern Sozialtransfers bezogen, kostete USA-Reise den Steuerzahler knapp 40.000 Euro. In der Berliner Bildungsverwaltung verweist man darauf, dass viele Kosten einkommensabhängig sind und Kinder aus armen Familien oft nichts oder viel weniger bezahlen müssen. „Dies berücksichtigt das Internetportal bei der Aufstellung der Kosten nicht“, sagt Sprecherin Beate Stoffers.

Einschulung wird mehr gefeiert

Manche Kosten scheinen auf den ersten Blick ziemlich hoch gegriffen: Für den ersten Ranzen werden 160 Euro veranschlagt. Für die Einschulungsfeiern – die gefühlt tatsächlich immer opulenter geraten – werden für Ostdeutschland samt Berlin 300 Euro angesetzt.

Im Westen, wo diese Tradition noch weniger ausgeprägt ist, mit 200 Euro. Allerdings werden bestimmte Kosten auch nicht mitgerechnet: Kosten für Nachhilfe, für den Abi-Ball oder für den Schreibtisch zu Hause tauchen überhaupt nicht auf. Es ist also alles relativ.