Eltern zahlen seit drei Jahren deutlich mehr für das Essen an den Grundschulen. Dafür sollten die dargebotenen Speisen besser, vielfältiger und gesünder werden. Vieles hat sich zum Besseren entwickelt, doch gibt es noch arge Probleme. Einige Essenanbieter sparen vor allem an den vegetarischen Gerichten.

Das ist das Ergebnis der zweiten Studie zur Qualität des schulischen Mittagessens, die die Lebensmittelchemikerin Bettina Cämmerer von der Technischen Universität am Montag vorstellte. „Keines der Unternehmen erreicht die Mindestvorgaben“, heißt es etwa zum Anteil von Vollkornprodukten. Ein Essenanbieter konnte sogar gar kein Vollkornprodukt im vegetarischen Angebot vorweisen.

Essen soll vornehmlich vegetarisch sein

Oft werden Suppen oder Eintöpfe serviert, die vor allem viel Wasser enthalten, berichtete Cämmerer. Als besonders problematisch gelten die vorgefertigten Gemüse-Burger oder ähnliche Speisen, die viele ungesunde Fettsäuren oder gar gehärtete Transfettsäuren enthalten. Diese schädigen die Gefäße. Generell sollen die Schüler vor Diabetes oder späteren Herzkrankheiten geschützt werden.

Dass die vegetarischen Gerichte nun schlecht dastehen, ist misslich: Denn die Schulspeisung orientiert sich an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Dort ist festgelegt, dass das Schulessen vornehmlich aus vegetarischen Angeboten zu bestehen hat – nur achtmal in vier Wochen soll es Fleisch geben. So steht es auch in den Ausschreibungen.

Zu wenig Calcium und Eisen

Nahezu skandalös erscheint es, dass die vegetarischen Gerichte in deutlich kleineren Portionen ausgegeben werden als Mischgerichte mit Fleisch oder Fisch. Nicht selten lassen die Anbieter bei den vegetarischen Gerichten einfach das Fleisch weg. Das rechnet sich dann für die Caterer, die pro Portion 3,25 Euro erhalten. Das vegetarische Angebot ist auch besonders häufig versalzen, übertraf bei einer Stichprobe mit gemessenen 3,8 Gramm pro Portion den empfohlenen Wert um das Zehnfache.

Auffällig sind ebenso die relativ niedrigen Calcium- und Eisenwerte, obwohl diese Stoffe für Heranwachsende wichtig sind. Keiner der untersuchten Caterer kredenzt genug Hauptgerichte, die auf Milchprodukten basieren. Immerhin bieten einige zum Nachtisch als Ausgleich Joghurt oder Quark an.

Vitamine verflüchtigen sich

Die Forscher empfehlen dennoch, dass zu jeder Speise Gemüse oder ein Salatbüffet angeboten werden. Der Bio-Anteil liegt inzwischen beim Schulessen bei über 40 Prozent. Ein grundsätzliches Problem bleibt, dass Speisen oft zu lange warmgehalten werden. „Dann verflüchtigt sich das Vitamin C“, sagt Petra Hottenroth von der Kontrollstelle Schulessen, die gemeinsam mit zwei Kolleginnen ihre Arbeit zu Jahresbeginn aufgenommen hat.

Kurios: Die Stichproben für die Studien sind bereits im Jahr 2016 bei vier Essensanbietern gemacht worden – im Auftrag der Bildungsverwaltung und bezahlt von der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz. Die Ergebnisse liegen bereits seit April vor, sind aber erst jetzt veröffentlicht worden.

Verbesserung seit 2013

Rolf Hoppe vom Caterer-Verband sagte am Montag, man werde sich weiter um noch mehr Qualität bemühen. Wer sich als Caterer nicht an die Regeln halte, müsse konsequent bestraft werden.

„Ab diesem August sind ja per Ausschreibung neue Verträge vergeben worden“, sagte Sabine Schulz-Greve von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung, die in dieser Woche einige Veranstaltungen zu dem Thema organisiert hat. „Wir gehen davon aus, dass die Anbieter inzwischen noch mehr Qualität bieten.

Erstmals hatten Lebensmittelchemiker im Jahr 2013 das Schulessen untersucht und damals noch viel heftigere Kritik geübt.