Hat ein Berliner Busfahrer der BVG eine Rollstuhlfahrerin so ruppig behandelt, dass sie mit ihrem Rollstuhl stürzte und ihr dann nicht geholfen?

Diese Frage konnte auch in einem Prozess vor dem Amtsgericht Tiergarten am Montag nicht geklärt werden. Alle Prozessbeteiligten hätten sich auf eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Auflage geeinigt, erklärte die Richterin im Prozess um fahrlässige Körperverletzung, Unfallflucht sowie unterlassene Hilfeleistung. Der Busfahrer muss 1700 Euro zahlen, davon 500 Euro an die Rollstuhlfahrerin.

Ermittlungen sind „unglücklich gelaufen“

Der 55-jährige Fahrer hatte zuvor vor Gericht die Vorwürfe zurückgewiesen. Ihm war vorgeworfen worden, die 29-Jährige im Mai 2017 derart „hastig und ungestüm“ über die Rampe geschoben zu haben, dass sie stürzte. Er sei abgefahren, ohne sich um die auf dem Gehweg liegende Frau zu kümmern.

Die Ermittlungen seien „unglücklich gelaufen“, sagte die Richterin. Unbeteiligte Zeugen seien nicht festgestellt und Überwachungsvideos aus dem Bus nicht sichergestellt worden. Deshalb habe man sich auf eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Auflage geeinigt.

"Er ließ mich liegen und fuhr weiter"

Die 29-Jährige hatte vor Gericht erklärt, der Angeklagte habe sie beim Aussteigen „ruckartig“ über die Rampe geschoben. „Ich kippte zur Seite und fiel auf den Hinterkopf.“ Aus ihrer Sicht muss der Busfahrer den Sturz bemerkt haben. „Aber er ließ mich liegen und fuhr weiter.“ Passanten hätten ihr geholfen und Rettungskräfte alarmiert. An alle Details des Unfalls könne sie sich allerdings nicht erinnern.

Der Busfahrer im öffentlichen Nahverkehr hatte mehrfach erklärt, es habe „einen derartigen Vorfall nicht gegeben“. Er sei seit 18 Jahren in dem Beruf tätig. „Wir lassen doch keine hilflose Person liegen.“ (dpa)