Eine Geburt im Auto, im heimischen Flur oder im Krankenhaus-Eingang. Immer wieder gibt es Berichte über rasante Geburten, die so nicht geplant waren. Auch in Hamburg hat eine 23-jährige ihren Sohn jüngst innerhalb von zehn Minuten zur Welt gebracht. Sie hatte noch die Feuerwehr angerufen und sich per Telefon durch die Geburt führen lassen. Als der Rettungswagen eintraf, kam der kleine Junge schon. Kann so etwas häufiger vorkommen? Und wie gefährlich kann sie für Mutter und Kind werden?

Dr. Michael Abou-Dakn, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im St. Joseph-Krankenhaus in Berlin-Tempelhof, beruhigt: „Es ist erstaunlich, wie unproblematisch diese schnellen Geburten oft verlaufen.“ Es könne natürlich vorkommen, dass das Kind durch einen Wehensturm Schwierigkeiten bekomme oder dass die Herztöne abfielen. „Das ist aber nur selten der Fall.“ Überhaupt kämen solch schnelle Geburten nicht oft vor, sagt er.

Nichts deutet im Vorfeld auf eine Sturzgeburt hin

Offizielle Zahlen gibt es nicht. Tückisch sei nur, dass es keine medizinischen Indikatoren gibt, die im Vorfeld sicher andeuten könnten, dass das Baby sehr schnell kommen wird. Die Frauen werden also überrascht von einer solchen Geburt. Hebamme Heike Schürmann kennt das aus ihrem Alltag als Beleghebamme im St. Vinzenz-Hospital in Coesfeld.  Sie hat schon des Öfteren Frauen entbunden, bei denen zwischen der ersten Wehe und der Geburt weniger als drei Stunden lagen. „Erst dann sprechen wir von einer überstürzten Geburt“, erklärt sie.

Von einer Sturzgeburt kann in diesem Fall übrigens nicht gesprochen werden. Der Fachbegriff der Sturzgeburt beinhaltet das tatsächliche „Rausfallen“ des Kindes aus der Mutter und ist durch den Sturz oftmals mit einem Nabelschnurabriss oder Frakturen beim Kind verbunden. „Solche Fälle gibt es aber tatsächlich nur sehr, sehr selten“, sagt Schürmann.

Geburten lassen sich nicht planen

Die Hebamme betont, dass sich Geburten nicht planen lassen. Überstürzte Geburten, so heißt es, kämen häufiger bei Frauen vor, die schon einmal entbunden hätten – oder  bei Frühchen. Aber Schürmann hat im Kreißsaal auch schon schnelle Geburten bei Erstgebärenden und normalgewichtigen Kindern erlebt. Die Frauen, so berichtet sie, seien dann oft überrumpelt vom raschen Verlauf.

„Wie bei einem Notkaiserschnitt fühlen sich einige Frauen dann um ihre Geburt betrogen“, sagt sie. Es mache durchaus Sinn, dass Frauen normalerweise mehrere Stunden bis zur Geburt bräuchten. „So haben sie mehr Zeit, zu verstehen, dass sie jetzt wirklich Mutter werden.“ Dann sei eben auch mehr Zeit für die Vorfreude aufs Kind.