Fünf Polizisten der Sonderkommission Mohamed haben in den vergangenen Tagen mehrere tausend Stunden Videoaufnahmen ausgewertet und dabei Zehntausende Menschen betrachtet. Am Montagnachmittag gab es dann den entscheidenden Treffer.

Der mutmaßliche Entführer des vier Jahre alten Flüchtlingsjungen Mohamed war auf einer Sequenz zu sehen. Am Dienstag veröffentlichten die Ermittler die Videoaufzeichnungen und baten erneut um Mithilfe bei der Suche nach dem gefilmten Mann. Außerdem wurden 20.000 Euro Belohnung ausgesetzt. Je 5000 Euro stammen von zwei Privatpersonen, 10.000 Euro von der Staatsanwaltschaft. Das Geld wird für Hinweise gezahlt, die zur Aufklärung der Entführung führen.

Der zwischen 35 und 50 Jahre alte Mann soll am 1. Oktober dieses Jahres vom Gelände des Aufnahmelagers für Flüchtlinge an der Turmstraße in Moabit den vier Jahre alten Mohamed entführt und anschließend verschleppt haben.

Die jetzt veröffentlichten Fotos stammen aus einem Video, das von einer Überwachungskamera gefilmt wurde. Sie hängt am Eingang des Lokals Stromeck an der Kreuzung Stromstraße/Ecke Bugenhagenstraße in Moabit. An der Eingangstür des in der Gegend angesagten Dartlokals wird darauf verwiesen, dass der Eingang videoüberwacht wird und die Aufnahmen gespeichert werden.

Kamera hängt seit einem Jahr

Bei ihren Ermittlungen waren die Fahnder auf das Lokal gestoßen. Dessen Besitzer hatte die Technik zum Schutz vor Einbrechern vor einem Jahr installiert. „Seitdem hat sie sich bewährt“, sagte der Mann am Dienstag. Ein Einbrecher sei bereits gefasst worden, so der Wirt. Als Polizisten um die Aufnahmen vom 1. Oktober bat, übergab er sie der Polizei.

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Im Landesakriminalamt wurden die Bilder ausgewertet. Die Kamera liefere extrem scharfe Bilder, erklärte der Wirt. Das fanden auch die Ermittler. Die Fotos zeigen den mutmaßlichen Entführer gegen 13.30 Uhr in der Stromstraße. Kurz danach betrat er das Lageso-Gelände in der Turmstraße. Zu dieser Zeit war der Flüchtlingsjunge bereits eineinhalb Stunden verschwunden.

Ein bereits veröffentlichtes Video vom Eingang des Lageso-Hauptgebäudes zeigt den Mann mit dem Jungen an der Hand um 14.40 Uhr. Er verlässt das Areal und läuft zum U-Bahnhof Turmstraße. Dort verschwand er mit dem Kind.

Ehrenamtliche Helfer hatten berichtet, dass sie den Mann mehrmals auf dem Gelände der zentralen Aufnahmestelle gesehen hatten. Auffällig sei eine Plastiktüte, die er bei sich trug. Die Helfer gingen davon aus, dass es sich bei dem Mann mit dem Bart und der Brille um einen Flüchtling handelt. Auch am Dienstag baten Polizisten erneut um Mithilfe bei der Identifizierung des mutmaßlichen Entführers.

Neue Plakate verteilt

Rund um das Lageso wurden nun erneut Plakate geklebt und Anwohner in der Stromstraße befragt. Ob es den Ermittlern genutzt hat, ist bisher nicht bekannt. Inzwischen hat die Polizei offenbar Hinweise darauf, dass sich der mutmaßliche Entführer bereits im Juni und Juli auf dem Gelände an der Turmstraße aufgehalten hat. Intern schließen Polizisten nicht mehr aus, dass das Kind Opfer eines Verbrechens geworden ist.

Die Mutter des Jungen aus Bosnien-Herzegowina wohnt seit 2013 in Reinickendorf. Sie war im Lageso, weil sie ihre Duldung verlängern musste. Gegen 12 Uhr hatte sie ihren Jungen aus den Augen verloren. Seitdem fahndet die Polizei nach dem Kind.