Berlin - Nun steht fest, wie der Neubau aussehen wird, den Suhrkamp auf der Freifläche am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte errichten wird. Vielleicht legt sich jetzt der Ärger, den die bisher geheim gehaltenen Baupläne des Verlages bei den Anwohnern hervorgerufen hatten.

Nachbarn waren entrüstet, denn sie wussten nicht, was da gebaut wird. Erst wurde ein Imbiss abgerissen, dann das Gelände eingezäunt, später fielen Bäume. So etwas lassen sich moderne Großstädter nicht gefallen. Sie wollen mitreden, sich als Bürger beteiligen. Sie ärgern sich, dass schon wieder eine grüne, freie Fläche verschwindet. Nachbarn starteten eine Online-Petition – mit bösen Worten gegen das Bauvorhaben. Die Berliner Zeitung hatte darüber berichtet.

Grünfläche wird Bauland

Überraschend veröffentlicht Suhrkamp jetzt erste Entwürfe des neuen Verlagshauses. Am Montag erhielt der Verlag die Baugenehmigung, noch in diesem Monat beginnen die Bauarbeiten.

Drei Gebäude gehören zu dem Neubau-Projekt. Genau an dieser Stelle befand sich jahrelang eine öffentliche, wenn auch ungepflegte Grünanlage, die Berlin entwidmet und als Bauland an einen Investor verkauft hat. Früher war fast der gesamte Platz mit Wohnhäusern bebaut, bis Bomben die Gebäude im Krieg zerstörten. Suhrkamp betont, jetzt würden nur noch auf einem Drittel der Fläche Häuser stehen.

Nach Süden gerichtet entsteht ein öffentlicher Platz mit Bäumchen, abgeschirmt vom siebengeschossigen Bürogebäude des Verlages entlang der viel befahrenen Torstraße. Ein massiver Sichtbetonkörper ist an der Stirnseite zu sehen, links und rechts davon befinden sich die Büros der Mitarbeiter auf 3000 Quadratmetern, bodentief sind die Fenster. Viel Glas wird verwendet, das schafft Transparenz und Offenheit, betonen die Architekten. Im Erdgeschoss wird ein Café eröffnen mit einer Süd-Terrasse. Im anschließenden zweigeschossigen Verbindungsbau sind Läden und eine Galerie geplant. Eine öffentliche Passage stellt eine Verbindung her zur Torstraße und zu den Haltestellen der Straßenbahn.

Sogar einen Späti haben die Architekten dort eingeplant. Er wird gute Geschäfte machen, denn viele Touristen besuchen die Torstraße, mehrere Hotels und Hostel gibt es rund um den Rosa-Luxemburg-Platz. Volksbühne und Kino Babylon sind nebenan.

Komplettiert wird der Gebäudekomplex durch ein sechsgeschossiges Wohnhaus. Über die Mietpreise ist noch nichts bekannt. Alle Dächer sind begrünt, auf dem Verlags- und dem Wohnhaus werden Dachterrassen errichtet.

Seit 2010 in Berlin

Die Planung der Gebäude hat das Büro des Architekten Roger Bundschuh übernommen. Der Architekt hat auch das gegenüberliegende schwarze Gebäude am Rosa-Luxemburg-Platz entworfen, Bundschuhs Büro liegt in der Nähe, gegenüber der Volksbühne.

Bis 2019 soll der neue Komplex fertig sein. Dann ziehen etwa 140 Mitarbeiter vom bisherigen, lediglich als Übergangslösung gedachten Verlagssitz in der Pappelallee in Prenzlauer Berg in den Neubau. Im Jahr 2010 war der Verlag von Frankfurt am Main nach Berlin gezogen.

Die Grünen in Mitte haben auf die Proteste der Anwohner reagiert. Sie bitten das Bezirksamt, Suhrkamp zu einer öffentlichen Veranstaltung mit Anwohnern einzuladen. „Die Leute sollen wissen, was gebaut wird“, sagt der Grünen-Verordnete Frank Bertermann.

Eine erste Reaktion zu den Plänen kommt von Anwohner Markus B., der die Online-Petition gegen den Neubau initiiert hat. Ganz nett und interessant sei der Entwurf geworden, sagt er.