Bernd Backhaus (42, Leiter der Suppenküche) und die Köche Klaus Peetz (50) und Rosi Skuppin (58) sind für die Armen und Obdachlosen da.
Foto: Sabine Gudath

Berlin-PankowBernd Backhaus ist seit 2014 der Leiter der Suppenküche im Franziskanerkloster Pankow. An sechs Tagen in der Woche ist ein lichter Glasbau im idyllischen Innenhof des Klosters an der viel befahrenen Wollankstraße Zufluchtsort für Menschen in der Grauzone zwischen Obdachlosigkeit und bürgerlicher Existenz. Mit warmem Essen, Hygienestation, Kleiderkammer und Sozialberatung. Normalerweise, denn auch die Suppenküche hat natürlich in der Corona-Krise mit Problemen zu kämpfen.

Herr Backhaus, wie geht es Ihnen?

Hier war gerade ein Polizeieinsatz. Eine Frau, die in der Nachbarschaft wohnt und uns seit einigen Monaten zu ihrem Wohnzimmer erkoren hat, ist ausfallend geworden, hat andere Gäste und die ehrenamtlichen Helfer beschimpft und ist handgreiflich geworden. Ich hab sie mehrmals aufgefordert, den Sicherheitsabstand einzuhalten, aber irgendwann kann ich dann auch nichts mehr tun und muss die Polizei rufen und zumindest ein vorübergehendes Hausverbot erteilen. Mir tut das so leid. Gerade diese Gäste haben oft niemanden außer uns und sind mit dieser neuen Situation heillos überfordert.

Ist die Suppenküche noch geöffnet?

Wir haben einen Notbetrieb.

Was heißt das konkret?

Der große Saal, die Kleiderkammer und die Hygienestation sind geschlossen. Suppe können wir auch nicht mehr anbieten. Jeden Tag rufen hier Kitas und Restaurants an und bieten uns Lebensmittel an, die sie nicht brauchen. Aber wir können aus hygienischen Gründen nichts mehr annehmen. Ansonsten geben wir Stullen und Tee an unserer Bude im Hof aus. Der Tee wird nicht mehr in Tassen, sondern in Pappbechern ausgegeben, damit die Leute wirklich gleich wieder vom Hof gehen.

Denn hinsetzen dürfen sie sich ja nicht mehr ...

Wir haben alle Tische und Sitzbänke weggeräumt, jetzt wurde zusätzlich der Innenhof abgesperrt, damit niemand mehr zum Verweilen eingeladen ist. Außerdem haben wir überall auf dem Boden Markierungen mit Klebeband angebracht, damit die Leute den Zwei-Meter-Abstand einhalten. Trotzdem müssen wir die Gäste immer wieder ermahnen: Halten Sie Abstand!

Was ist mit dem gemeinsamen Gebet vor dem Essen? Im Kloster finden ja normalerweise auch Gottesdienste statt.

Die Gottesdienste finden hier im Kloster nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Im Hof wird jetzt das Mittagsgebet gesprochen, das sonst auch im Saal zum „Anbeten“ gesprochen wird.

Haben die Gäste Verständnis?

Die Verunsicherung ist natürlich groß. Unsere Gäste sehen das Einkaufsverhalten der Leute im Rewe gegenüber, der Parkplatz grenzt direkt an das Kloster. Das sind ja vor allem sozial Schwache, die zu uns kommen und wenn die jetzt sehen, wie die bessergestellten Leute mit einem ganzen SUV voller Lebensmittel und Klopapier davonfahren, machen sich manche natürlich Sorgen, ob am Ende genug für die übrig bleibt, die sich keine Großeinkäufe leisten können.

Und wie machen Sie das hier mit den Toiletten?

Wir lassen die Gäste einzeln zur Toilette gehen, damit der Sicherheitsabstand gewahrt bleibt.

Desinfizieren Sie danach?

Regelmäßig, aber nicht nach jedem Gast. Das können wir nicht leisten. Es ist ja mittlerweile auch erwiesen, dass das Virus normalerweise nicht so lange auf Flächen überlebt, wie anfangs unter Laborbedingungen getestet wurde. Anderenfalls wären wohl auch die meisten unserer wohnungslosen Gäste längst infiziert. Und gerade die sind ja diejenigen mit oft schwachem Immunsystem und diversen Vorerkrankungen.

Unsereins desinfiziert sich alle paar Minuten die Hände ...

Manche unserer Gäste können sich nicht einmal regelmäßig waschen. Wenn ich was sagen darf: Seien Sie solidarisch! Schauen Sie auf die Leute um sich herum, tragen sie die Idee der Suppenküche ins Private. Achten Sie aufeinander. Und passen Sie auf sich auf!