Klaus Vogel kämpft seit Jahren für seine Rehabilitierung. Die Prozessakten füllen viele Ordner. Jetzt gab ihm das Gericht in wichtigen Punkten Recht.
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Die tragische Geschichte des Oberkommissars Klaus Vogel nimmt ihren Lauf, als er am frühen Morgen des 26. Mai 2012 im Landeskriminalamt in Tempelhof sein Büro aufschließt. Er fährt den Computer hoch und schickt sich E-Mails mit Datenanhängen nach Hause. Dann löscht er viele Mails.

Das macht ihn verdächtig. Es macht ihn zur Hauptperson in einem republikweiten Skandal um einen Geheimnisverrat der Polizei an den Rockerclub Hells Angels, um ein Strafverfahren gegen einen Journalisten und eine Polizeirazzia in einem großen Zeitungsverlag. Der Polizist wird auch zu einer Hauptperson im Verfahren um die Besetzung der freiwerdenden Stelle des Generalstaatsanwalts.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der Polizeioberkommissar - wir haben seinen richtigen Namen in Klaus Vogel geändert, weil er um sein Leben fürchtet - im Mai 2012 eine lange geplante Razzia gegen die Hells Angels verraten hat. Deshalb sitzt der Mann jetzt bei vollen Bezügen zu Hause. Seit fast fünf Jahren. Doch das Berliner Kammergericht gab ihm nun Recht - und kritisiert mit harschen Worten die schlampigen und einseitigen Ermittlungen.

Klaus Vogel, heute 52 Jahre alt, wurde verdächtig, weil er einen für Beamte untypischen Arbeitseifer zeigte. Bis zu seiner Suspendierung im Berliner Rockerdezernat verfolgte er kriminelle Mitglieder von Motorradclubs wie den Bandidos oder Hells Angels. Kollegen beschreiben ihn als arbeitswütig. Er war im operativen Dienst in Zivil auf der Straße, und auch in seiner Freizeit, manchmal spätabends und nachts, im Büro. "Klaus würde einem Rocker lieber einmal mehr auf die Fresse hauen, als denen einen Polizeieinsatz verraten", sagt ein Beamter. Sein früherer Chef erinnert sich in einer Vernehmung: "Der Mann hat seinen Beruf gelebt. Er war ein 24-Stunden-Polizist."

Ein paar Monate, bevor für ihn das Unglück begann, wurde ihm vom LKA-Chef sogar eine Urkunde überreicht, für "herausragende persönliche Leistungen" - unterschrieben von Polizei-Vizepräsidentin Margarete Koppers. Vogel konnte auch nach Feierabend nicht abschalten und forderte des Öfteren in seiner Freizeit Verstärkung an, um Kriminelle festzunehmen: am Geldautomaten einen Serienbetrüger, dem 50 Taten zulasten älterer Menschen nachgewiesen wurden, an der Tankstelle einen Marihuana-Verkäufer. "Kein anderer hat so viele Festnahmen wie ich außerhalb des Dienstes", sagt Vogel, während er auf seiner Dachterrasse in Wilmersdorf sitzt und in die Sonne blinzelt. Vogel ist ein großer untersetzter Mann mit kurzgeschorenen Haaren, der es drauf hat, sich lautstark mit Hells Angels anzulegen. "Ich lege den Schalter um, dann bin ich im Dienst." Er wirkt nicht gerade bescheiden.

Ende Mai 2012: Mehr als ein Jahr hat es gedauert, bis die Senatsinnenverwaltung endlich eine Verbotsverfügung gegen eine Berliner Ortsgruppe der Hells Angels, das "Charter Berlin City", um dessen berüchtigten Anführer Kadir P. gestellt hat. Tausende Blätter mit den Ergebnissen verdeckter Observationen, Zeugenbefragungen und Abhörprotokollen füllen die Ermittlungsakten um Kadir P. und dessen kriminelle Bande. Am 30. Mai soll die Verbotsverfügung den Verantwortlichen des Rockervereins zugestellt werden, verbunden mit einer Großrazzia, bei der die Beamten das Vermögen der Rocker beschlagnahmen wollen. SEK genannte Spezialeinsatzkommandos aus den nördlichen Bundesländern, darunter Niedersachsen, sind zur Verstärkung angefordert. Die Polizei agiert still. Anfangs sind nur etwa 20 leitende Beamte eingeweiht.

Doch der Kreis der Mitwisser bei der Polizei wird durch aus Berlin versendete Fernschreiben an andere SEK-Dienststellen immer größer. Auch in der Senatsinnenverwaltung und bei der Justiz wissen immer mehr davon. Die Rocker erfahren von der geplanten Aktion. Einen Tag vorher löst sich das Charter Berlin City selbst auf. Die Höllenengel bringen ihre Harleys in Sicherheit, räumen ihre Vereinskonten leer und haben sogar die Ruhe, ihr Schild am Clubhaus abzuschrauben. Am Vortag der Razzia berichtet Spiegel Online unter der Überschrift "Berliner Rockergangs tricksen Polizei aus", dass die Hells Angels vom bevorstehenden Polizeieinsatz Wind bekommen hätten.

Der Fall macht bundesweit Schlagzeilen. Die Hauptstadt-Polizei steht dumm da.

Ausgerechnet der hartnäckigste Ermittler soll mit den Rockern paktiert haben?

Nach dem verpatzten Einsatz beginnt die LKA-Dienststelle zur Verfolgung von Beamtendelikten nach dem Verräter zu suchen. Im August überraschen die Ermittler Klaus Vogel in seinem Büro. Sie beschlagnahmen seine Computer und Telefone und durchsuchen seine Wohnung in Charlottenburg. Er wird beschuldigt, die Razzia an die Rocker und auch an die Medien verraten zu haben. Vogel wird vom Dienst suspendiert.

Erst viel später erfährt er, wie die internen Ermittler auf ihn gekommen sind: Es sind die E-Mails mit den großen Anhängen, die er sich nach Hause geschickt hat. Außerdem hat ein Rocker behauptet, dass er der Verräter sei. Der Hells Angel hatte die Information nur vom Hörensagen. Dieser unzuverlässige Tipp genügt den Ermittlern.

Nach seiner Suspendierung kürzte die Behörde Klaus Vogel die Bezüge. Doch das Verwaltungs- und das Oberverwaltungsgericht sehen schon damals wegen der dünnen Beweislage gegen ihn keinen Grund dafür. Also bekommt Vogel auf Steuerzahlerkosten seine vollen Bezüge.

Doch sein Ruf ist ruiniert. Seine engen Kollegen können sich zwar beim besten Willen nicht vorstellen, dass ausgerechnet der Erzfeind der Kriminellen auf Rädern mit diesen paktiert haben soll. Doch im entfernteren Kollegenkreis ist Vogel als Verräter abgestempelt. Der sei schon nicht ganz sauber, ist sich ein leitender Beamter auch heute noch sicher. "Mir ging es schlecht, ich war verzweifelt und wusste nicht ein noch aus", sagt Vogel. "Du reißt dir jahrelang den Arsch auf, und dann wird so ein Vorwurf erhoben." Klaus, wer dich kennt, weiß, dass diese Vorwürfe Schwachsinn sind, sagt man ihm. Es hilft nicht. Irgendwann raten ihm Freunde, zum Arzt zu gehen. Er schläft nicht mehr und ist nervös. Vogel begibt sich in psychologische Behandlung.

Im Februar 2015 klagt die Staatsanwaltschaft Klaus Vogel an. 35 Vorwürfe enthält die Anklageschrift. Die meisten Punkte betreffen das angeblich unbefugte Abrufen personenbezogener Daten. Sie werden lediglich vor dem Amtsgericht verhandelt. Klaus Vogel und sein Anwalt gehen damit gelassen um: Zur Arbeit eines operativ arbeitenden Polizisten gehöre das regelmäßige Abfragen personenbezogener Daten, argumentieren sie. Zu Vogels Aufgaben gehörte es, nachts im Milieu unterwegs zu sein. Er war offizieller Ansprechpartner für Luden, Türsteher und Rocker. Es gibt auch keine Vorschrift, die es verbietet, in seiner Freizeit personenbezogene Daten abzufragen.

Es sind die Anklagepunkte Geheimnisverrat und Betrug, wegen derer er zu Hause sitzt und die ihn krank gemacht haben. Erst jetzt sind diese Punkte vom Tisch.

Im Februar dieses Jahres beschließt das Berliner Landgericht, sie nicht zur Verhandlung zuzulassen. Für den zuständigen Staatsanwalt ist eine Nichtzulassung eine schlimmere Niederlage als einen Prozess zu verlieren. Den Verrat der Razzia an die Medien und den Verrat an die Rocker kann er laut Gericht nicht belegen. Er legt bei der nächsthöheren Instanz, dem Kammergericht, Beschwerde ein. Am 30. März bestätigt das Kammergericht die Beschlüsse des Landgerichts. Sie sind also rechtskräftig.

Dass Klaus Vogel in der Nacht zum 26. Mai 2012 trotz einer Krankschreibung sein Büro aufsuchte und seine dienstlichen Mails abrief, reicht weder dem Land- noch dem Kammergericht als Beweis. Das Abrufen der Mails erkläre sich mit der Bitte seines Chefs, Vogel möge sich seine dienstlichen Vorgänge anschauen, um so eine Weiterbearbeitung durch die ihn vertretenden Kollegen zu ermöglichen. Den Umstand, dass er Mails löschte, erklärt das Kammergericht mit dem begrenzten Speicherplatz, den die Berliner IT-Verwaltung zur Verfügung gestellt hat. Dass Mails zu löschen sind, sei auch in der Justiz bekannt und stelle in keiner Weise ein verdächtiges, konspiratives Verhalten dar, das den Tatverdacht tragen könne.

Im Grunde stolperte Klaus Vogel nach Angaben von Kollegen darüber, dass er besonders fleißig gearbeitet und besonders engagiert gegen die Rocker ermittelt habe.

Eines Tages stehen die Rocker vor seinem Haus. "Wir finden dich überall", sagen sie

Was den angeblichen Verrat der Razzia an die Rocker betrifft, muss die Staatsanwaltschaft massive Kritik der Richter einstecken. Die bemängeln, dass das maßgebliche Beweismittel für den Tatvorwurf ein Zeuge vom Hörensagen sei. Dessen Erkenntnisquellen seien nur weitere Zeugen vom Hörensagen. Ein Mann, der die Information an den "Zeugen" gab, ist der Chef des verbotenen Charters, Kadir P., der derzeit wegen eines mutmaßlichen Auftragsmordes vor Gericht steht. Die Ermittlungen hätten auch kein Tatmotiv des Angeklagten ergeben, so das Gericht. "Demgegenüber ergäbe sich ein Motiv für die Streuung oder Unterstützung eines falschen Tatverdachtes durch die Rocker - aus Motiven der Rache oder der Ausschaltung für weitere Ermittlungen".

Im März 2013, als Klaus Vogel längst suspendiert ist, trifft er vor seinem Wohnhaus in Charlottenburg plötzlich auf Rockerchef Kadir P., der in Begleitung von drei Vereinsbrüdern ist. "Oh, Sie wohnen hier?", fragt der Rocker. "Sie können es mir ruhig sagen, ich verrate es auch niemandem." Vogel versucht, sich herauszureden. Aber natürlich hatte Kadir P. sofort geschaltet: "Der wusste, dass ich einer seiner unerbittlichsten Gegner bin." Vogel meldet den Vorfall. Fortan hält ein paar Wochen lang regelmäßig eine Polizeistreife vor seinem Haus.

Im Sommer 2013 ruft das LKA Klaus Vogel an. Man habe Erkenntnisse von einer Vertrauensperson und aus der Telefonüberwachung, dass die Rocker gegen einen LKA-Beamten einen Mord planten. Drei Beamte kämen in Frage, darunter er. "Andererseits bin ich angeklagt, denen eine Razzia verraten zu haben. Wie passt das zusammen?", wundert sich Vogel.

Er nimmt sich eine neue Wohnung. Aber man kennt ihn auch hier. Als eines Tages ein paar Männer an ihm vorbei gehen, dreht sich einer um: "Du bist doch Vogel? Du siehst ja: Wir finden dich überall!"

Der eifrige Ermittler, der Beamtendelikte verfolgt, hat sich derweil festgelegt - ohne entlastende Hinweise zu prüfen, wie es das Gesetz vorschreibt und schon in der Ausbildung gelehrt wird. Dabei geht aus polizeiinternen Dokumenten hervor, dass die internen Ermittler schon kurz nach dem verpatzten Einsatz einen Hinweis bekamen, dass der Verräter bei der Polizei Niedersachsen zu suchen sei - möglicherweise beim dortigen SEK.

Den Tipp bekommt die Berliner Polizei schon neunzehn Tage nach der Razzia. Doch sie ignoriert ihn. In einem Vermerk der Berliner Spezialeinheiten an die Dienststelle, die Geheimnisverrat und Beamtendelikte verfolgt, wird Bezug auf einen Informanten genommen, der offensichtlich aus dem Rockermilieu stammt. Er wird als glaubwürdig eingestuft, seine Geheimhaltung und Identität durch die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigt. Der Informant, heißt es in dem Schreiben, habe mitgeteilt, dass ein Beamter beim SEK in Niedersachsen eine besondere Rolle spiele. Dieser könne den Straftätern "relative Gewissheit" verschaffen, wann Einsätze bevorstünden. "Im Zusammenhang mit der Umsetzung der Verbotsverfügung gegen das Charter Berlin City sollen die Hells Angels ab dem Eingang einer Kräfteanforderung aus Berlin in Niedersachsen über den bevorstehenden Einsatz informiert gewesen sein", heißt es in Beamtendeutsch.

Die Hells Angels, die in Hannover noch ihre Deutschlandzentrale haben, sitzen demnach direkt an der Quelle und haben diese Infos offenbar nach Berlin weitergegeben. Diesem Verdacht wird aber nicht weiter nachgegangen - aus welchem Grund auch immer. Das fragt sich auch das Kammergericht: Aus den Ermittlungsakten lasse sich nicht entnehmen, ob dem Hinweis einer V-Person nachgegangen worden sei, "dass die Hells Angels über die Kräfteanforderung der Berliner an die niedersächsische Polizei informiert waren".

Die Rocker wissen, dass sie abgehört werden - und streuen gezielt seinen Namen

Das Kammergericht verweist auch darauf, dass es "eine Vielzahl anderer Informationsträger" gegeben habe. Und es verabreicht den Polizeiermittlern und dem zuständigen Staatsanwalt eine weitere Ohrfeige: "Zu möglichen anderen Informationsquellen als dem Angeklagten ist nicht nachweislich ermittelt worden." Einem Hinweis eines Mitglieds der Hells Angels, dass Sekretärinnen der Berliner Polizei als Quelle der Information genannt habe, sei nicht nachgegangen worden. Der Zeuge sei auch nicht vernommen worden.

Dabei wissen die Berliner Ermittler, dass es bei kriminellen Rockern und anderen Banden der organisierten Kriminalität gängig ist, besonders eifrige Polizisten gezielt zu diskreditieren. Wie aus einem vertraulichen Schreiben des LKA hervorgeht, berichtete ein als zuverlässig eingestufter V-Mann aus dem Rockermilieu den Ermittlern der LKA-Spezialeinheiten Folgendes: Hells Angels würden bei Telefonaten und Gesprächen in der Szene die Namen besonders engagierter Polizisten bewusst so fallen lassen, dass der Eindruck entstehe, die Beamten würden Bestechungsgeld annehmen oder illegale Szenekontakte unterhalten. Durch möglicherweise abgehörte Telefonate oder durch Gespräche, die durch Informanten der Polizei mitgehört werden, sollen diese Informationen an die Strafverfolgungsbehörden herangetragen werden. So solle behördenintern ermittelt "und den Beamten die Lust an einer Verfolgung des Hells Angels MC genommen werden", heißt es. Der V-Mann nannte auch drei Namen von Ermittlern, die immer wieder im Gespräch seien. Einer von ihnen ist Klaus Vogel.

Ein weiterer Anklagepunkt, der Klaus Vogel die Karriere kostete und den das Kammergericht ebenfalls abgeschmettert hat, lautet auf Betrug: Im Jahr 2011 erholte sich der Beamte, der sich auf einer UN-Mission in Sudan einen Bänderriss zugezogen hatte, von einer Fußoperation. Obwohl er wieder in der Lage gewesen sei, seiner Tätigkeit als Polizist nachzugehen, habe er seinen Dienstherren darüber nicht informiert, um die Fortzahlung seiner Bezüge zu erreichen, heißt es in der Anklage.

Der krankgeschriebene Polizist begleitete seinerzeit Michael Behrendt, Chefreporter der Berliner Morgenpost, die zu der Zeit zum Axel-Springer-Verlag gehörte, zu einer gefährlichen Recherchereise in die Niederlande. Behrendt recherchierte über die Machenschaften eines Kinderhändlerringes, in dessen Umfeld es schon mehrere Morde gab. Der Verlag engagierte für die Reise zwei Personenschützer und Klaus Vogel, der mit dem Journalisten befreundet war. Vogel sollte die Trefforte des Journalisten im Vorfeld inspizieren nach verdächtigen Gestalten. Dafür bekam er Honorar.

Auf die entsprechende Rechnung stoßen die internen Ermittler, als sie seine Wohnung wegen der Rockerrazzia durchsuchen. Die Staatsanwaltschaft glaubt an eine Vergnügungsreise. Und sie durchsucht die Redaktionsräume der Berliner Morgenpost. Fünf bewaffnete Polizisten und ein Staatsanwalt durchsuchen auch Behrendts Haus, während dessen Frau und seine kleinen Kinder da sind. Die Ermittler erhoffen sich dabei auch Hinweise auf die Rockerrazzia. Sie finden - nichts. Im Jahr 2015 erklärt das Bundesverfassungsgericht die Durchsuchung der Redaktionsräume und der Wohnung des Redakteurs für grundrechtswidrig.

Einen Betrug sehen weder das Land- noch das Kammergericht, das die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Nichtzulassung zur Verhandlung zurückweist. Klaus Vogel habe sich in der Rekonvaleszenzphase befunden und sei wieder belastbar gewesen. Ein Arzt habe seine Reisefähigkeit attestiert. Die Richter werfen der Staatsanwaltschaft "Mutmaßungen zu Lasten des Beschuldigten" vor. Sie habe es bewusst unterlassen, sachverständigen medizinischen Rat einzuholen. Was bleibt, sind vier Tage ungenehmigter Nebentätigkeit. Das kann disziplinarrechtlich geahndet werden. Mehr nicht.

Ob er je zur Polizei zurück kann, wird sein Arzt entscheiden

Nicht nur der Ermittler der Dienststelle für Beamtendelikte und der Staatsanwalt haben sich festgelegt, wer der Verräter ist. Angeblich auch Polizei-Vizepräsidentin Margarete Koppers. Vor 90 SEK-Beamten soll sie im Frühjahr 2014 sinngemäß gesagt haben: Man dachte immer, die Abflüsse an die Presse kämen aus dem SEK. Aber jetzt habe man den Richtigen. Koppers bestreitet eine solche Aussage.

Die Vizepräsidentin hat sich um den Posten der Generalstaatsanwältin beworben, der in diesem Jahr frei wird. Doch das könnte für sie jetzt schwierig sein. Denn Klaus Vogel hat sie wegen ihrer angeblichen Bemerkung vor den SEK-Beamten bereits im April 2014 wegen übler Nachrede angezeigt. Das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft ruhte, bis gerichtlich über den Geheimnisverrat entschieden wurde. Jetzt läuft das Verfahren gegen Koppers wieder an. Und so lange gegen die Kandidatin Ermittlungen laufen, kann sie nicht Generalstaatsanwältin werden.

Die Staatsanwalt will sich zu der ganzen Sache nicht äußern. Die Sache sei zu heikel, sagt Sprecher Martin Steltner.

Klaus Vogel will, wenn alles vorbei ist, die fehlenden Dienstbezüge einklagen. Und das Geld, das ihm entgangen ist, als er 2012 zur Beförderung zum Polizeihauptkommissar anstand. Er wird Schmerzensgeld wegen Rufschädigung einfordern. Und er will sehen, welches rechtliche Nachspiel das alles für den Staatsanwalt und den Beamten von der Dienststelle für Beamtendelikte hat. Denn Verfolgung Unschuldiger ist eine Straftat.

Vogel sitzt neben dem Grill auf seiner Dachterrasse. Die Sonne scheint. Doch in seinem Inneren ist es düster. Die Mordabsichten der Rocker beschäftigen ihn. Seine Psyche sei kaputt, sagt er. Ob er jemals zur Polizei zurück kann, wird sein Arzt entscheiden.