Berlin - „Assad ist ein Bild“, sagt Ali Kaaf, „das Bild von einem weltläufigen Arzt, der englisch spricht und eine schöne Frau hat, die gerne französische Antiquitäten kauft. Die Welt nimmt ihn nicht als Diktator war. Das war die beste Idee, die Assad hatte.“ Kaaf, 39, steht vor einer Papierarbeit in der „Forum Factory“. Die Arbeit ist schwarz und weiß, sieht aus wie ein Kopf und hat Brandlöcher. Es ist seine Arbeit, Pigmente in brennendem Papier, mit denen er versucht auszudrücken, was er in seiner Heimat erlebt hat.

Die Ausstellung „KunstStoff Syrien“ ist erst seit wenigen Tagen in der Besselstraße in Kreuzberg zu sehen. Am Sonnabend endet sie auch schon wieder, aber jeden Tag kommen seitdem Exil-Syrer her, setzen sich vor die Galerie, trinken Kaffee und warten darauf, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. An diesem Tag sitzt eine kleine Gruppe im Gras in der Sonne, die Männer haben die Hemden ausgezogen, ihre Mobiltelefone klingeln regelmäßig.

„Mit unserer Kunst wollen wir nach Berlin transportieren, was in Syrien nicht nur gerade, sondern seit 40 Jahren Unterdrückung passiert“, sagt Kaaf, der in Berlin Kunst studiert hat. „Dieses Regime muss weg, so schnell wie möglich. Diese Ausstellung ist ein Schrei für das syrische Volk.“

Das Gefühl, verstanden zu werden

„Im Fernsehen sieht man Menschen, die sich gegenseitig umbringen“, sagt der Fotograf Jaber al-Azmeh, „wir wollen das Menschliche zeigen, das Gefühl.“ Al-Azmeh, ein schmaler Mann in heller Leinenkleidung, lebt seit sieben Monaten in Katar.

„Ich war nicht mutig genug, um zu kämpfen.“ Jetzt fühlt er sich schuldig, dass er die, die bleiben, im Stich gelassen hat. Ein guter Freund wurde auf einer Demonstration festgenommen, im Gefängnis gefoltert und wieder freigelassen. „Dann haben sie ihm aufgelauert und ihn fast tot geschlagen. Wir haben ihn blutend und bewusstlos auf der Straße gefunden“, sagt al-Ahzmeh. Ein Foto des Freundes ist Teil der Serie „Wunden“, deren Bilder auf Vorfällen in Syrien basieren.

Es sei wichtig, dass er die Bilder in Berlin zeigen und darüber reden kann, sagt er. Er hat das Gefühl, hier vielleicht verstanden zu werden. „Die Stadt wirkt nicht so ordentlich, nicht so organisiert. Berlin ist Damaskus, wo ich alles zurückgelassen habe, viel ähnlicher als Doha, wo ich jetzt lebe. Es tut gut, hier zu sein.“

Fares al-Bahra lebt seit 2005 in Berlin. Er ist Psychiater und forscht an der Charité über religiöse Wahnvorstellungen. Sein Geld verdient er als Sozialarbeiter, in seiner Freizeit schreibt er Songs und die ganze Zeit wartet er darauf, dass das Regime fällt. „Ich muss zurück nach Damaskus“, sagt al-Bahra. „Ich sitze hier und unterstütze die Revolution, aber direkt beteiligt bin ich nicht. Daheim werden Männer misshandelt und Frauen vergewaltigt, die Menschen sind traumatisiert. Die Gesellschaft ist kaputt. Es muss wieder ein Alltag in Syrien aufgebaut werden, den gibt es fast nicht mehr.“

Als al-Bahra in Damaskus war, gab es einen zivilen Alltag. Seltsam aussehende Patienten kamen zu ihm, die glaubten Befehle von Propheten zu erhalten. Er befragte sie nach ihren Wahnbildern, die auf Motiven aus dem Islam beruhen, der Religion, die die Mehrheit akzeptiert. Er versuchte so zu verstehen, wie kollektiven Mustern in der Kultur von Einzelnen ganz andere Bedeutungen zugeordnet werden.

„Ich habe mich lange mit der Kultur unserer Gesellschaft beschäftigt“, sagt al-Bahra, „das würde jetzt anders werden. Da sind Patienten, die Hilfe brauchen. Ich werde sie in ihrer Situation annehmen und versuchen, sie nicht nach westlichen Theorien wahrzunehmen. Ich werde versuchen, ihre kulturellen Erfahrungen nicht als reinen Unsinn und fremd zu betrachten.“

Am Mittwoch war Fares al-Bahra in der syrischen Botschaft in der Rauchstraße in Tiergarten. Er musste seinen Pass verlängern. „Es war seltsam“, sagt er, „ganz leer. Nur im Hof standen drei Polizisten. Der syrische Botschafter ist weg und die Angestellte hat meine Papiere bearbeitet, als wäre alles völlig normal. Wie früher.“ Er habe sich selbst wie früher gefühlt. „Die Angst war wieder da. Wie bei den Demonstrationen vor der Botschaft, als wir uns alle gegenseitig misstraut haben. Ich fühlte mich plötzlich bereiter, wieder zu gehorchen.“

„Assad hat die Revolution kommen sehen“, sagt al-Bahra, „aufhalten kann er sie nicht.“