Sechs Jahre muss ein Berliner Islamist ins Gefängnis, der sich in Syrien der Terrormiliz Dschunud al-Scham angeschlossen hat und anschließend nach Berlin zurückgekehrt ist. Das Kammergericht sprach den 36-jährigen Fatih K. am Mittwoch der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland schuldig.

Wie der Vorsitzende Richter Josef Hoch erklärte, war Fatih K. im Juni 2013 mit seiner Frau und den damals sechs Kindern nach Syrien gereist, obwohl er Deutschland nicht hätte verlassen dürfen. In Syrien schloss er sich der Terrormiliz Dschunud al-Scham an. Die radikal-islamistische Gruppe kämpft gegen Ungläubige und will in Syrien einen Gottesstaat errichten, in dem allein die Scharia gilt.

Fatih K. sei am Sturmgewehr ausgebildet worden, so Hoch. „Er wollte sich an Kämpfen gegen die syrische Armee beteiligen.“ In Syrien sei Fatih K. auch einem alten Bekannten begegnet: Dem mit Haftbefehl gesuchten Denis Cuspert, der bis 2010 als Rapper Deso Dogg Musik machte und sich dann radikalisiert hatte. Cuspert ist mittlerweile bei der brutalsten Terrormiliz: dem IS.

Lächeln bei der Urteilsverkündung

Im September 2013 kehrte Fatih K. nach Berlin zurück und wurde festgenommen. Im Gepäck hatte er zahlreiche Videos und Fotos von den Schlachtfeldern in Syrien. K., Sohn syrisch-türkischer Eltern, hatte laut Hoch in seiner Jugend viele Freiheiten genießen dürfen. Der Angeklagte habe Breakdance geliebt und Marihuana genommen.

Radikalisiert wurde er offenbar durch seine deutsche Ehefrau Melanie, die zum Islam konvertiert ist. Beide leben in Kreuzberg. Melanie K. hatte ihren Ehemann 2004 dazu gedrängt, sich ein religiöses Theaterstück über das Leben des Propheten anzuschauen. Fatih K. seien die religiösen Pflichten danach zunehmend wichtiger geworden, sagte Hoch. 2011 sei der Angeklagte wegen Unterstützung der Terrorgruppe „Deutsche Taliban Mujahedin“ 2011 zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. „Er ist intensiv in der islamistischen Szene in Berlin verwurzelt“, sagte Hoch.

Fatih K. nahm das Urteil lächelnd entgegen. Der Vater von inzwischen sieben Kindern winkte auch seiner Ehefrau Melanie zu, die mit einer Burka verschleiert erschienen war. (dpa)