Mohamed Moussalli Serjie und seine Frau Ahed Hamatich haben am Montag bei Frank Henkel Post abgegeben. In einem offenen Brief haben sich die beiden und zwei weitere syrische Familien an diesem Tag an den Innensenator gewendet, um gegen eine Berliner Besonderheit im Visumverfahren zu protestieren: Weil sie kein ausreichendes Einkommen vorweisen können, dürfen ihre Familienangehörigen aus Syrien nicht zu ihnen nach Berlin kommen.

Vor der Tür der Innenverwaltung warteten sie am Montag auf einen Verwaltungsvertreter, dem sie das Schreiben übergeben wollten. Ahed Hamatich sagt, dass einer ihrer Brüder in Syrien ermordet worden sei. Er hat kleine Kinder. Ein anderer Bruder sei nach einer Schussverletzung behindert. Ein weiterer werde bedroht. Ahed Hamatich würde die Männer und ihre Familien gern in Berlin in Sicherheit bringen.

Die festgelegten Summen sind für die Familie zu hoch

Nach den Buchstaben des Gesetzes wäre das möglich: Die Senatsverwaltung für Inneres hat im September entschieden, dass in Berlin lebende Familienangehörige syrische Flüchtlinge aufnehmen dürfen. Sie müssen bei der Ausländerbehörde ein Visum beantragen und eine Verpflichtungserklärung abgeben, in der sie zusichern, die Angehörigen zu versorgen.

Das ist an ein ausreichendes Einkommen geknüpft. Für Ledige ist ein Nettogehalt von 2140 Euro Voraussetzung, für Verheiratete 2970 Euro, mit einem Kind sind es 3348 Euro. Je nach Anzahl der aufzunehmenden Personen erhöht sich die Summe weiter. Fast 3000 Euro haben Ahed Hamatich und ihr Mann monatlich zur Verfügung. Für den Familiennachzug ist das zu wenig. Die Ausländerbehörde hat den Antrag abgelehnt.

Mohamed Moussalli Serjie ist 1971 aus Allepo nach Deutschland gekommen. Seit 1979 ist er deutscher Staatsbürger. 40 Jahre lang hat Serjie in Deutschland gearbeitet. Seine Rente ist trotz der vielen Jahre, in denen er Rentenbeiträge gezahlt hat, klein. „Die Regelung funktioniert nicht. Es kann doch nicht sein, dass jemand, der 40 Jahre hier gearbeitet hat, von seiner Rente niemanden nachholen kann“, sagt Canan Bayram, die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen. Sie fordert eine humanitäre Lösung. Die Länderregelungen sollen in den kommenden Tagen Thema bei der Innenministerkonferenz werden.