Berlin - Kitschige chinesische Säulen neben schrägen Totenköpfen, Poster, auf denen gebeten wird, man möge sich die Location doch bitte „sauber gucken“ und maulige Kellner, die Bestellungen für die servierten Burger nur auf Englisch entgegennehmen: Das White Trash ist ein Fast Food Restaurant der besonderen Art. Viele loben es als schräge Mischung aus Kunst und Krach, als Soziallabor mit Punkrock-Soundtrack.

Doch egal wie man es beurteilt: Das White Trash gilt als Berliner Institution, die seit rund 16 Jahren an unterschiedlichen Orten in der Stadt, immer in schrägem Ambiente, Gäste aus dem In- und Ausland anlockt. Doch an diesem Freitag wurde das Ende des White Trash besiegelt: Die Gläubigerversammlung entschied, dass die Party-Location am Flutgraben in Treptow, die im April Insolvenz anmelden musste, neue Eigentümer bekommt. Und die verfolgen ein anderes Konzept.

Mehr als 3000 Unterstützer für den Erhalt

„Drei Viertel der im Gericht vertretenen etwa 70 Gläubiger haben sich für die Investorengruppe um den Festsaal Kreuzberg entschieden“, teilte der Insolvenzverwalter Udo Feser am Nachmittag mit. Voraussichtlich am Montag soll der Kaufvertrag unterzeichnet werden, die Höhe der Summe bleibt geheim.

Schon einmal, vor drei Wochen, war diese Übernahme verkündet worden. Die Macher vom Festsaal Kreuzberg und der Kalkscheune in Mitte hatten dafür gemeinsam mit dem Team vom Astra, Lido und BiNuu eine Gesellschaft gegründet. Ihre Gruppe habe zum Stichtag das beste Konzept vorgelegt und den höchsten Kaufpreis geboten, hieß es.

Was folgte, war eine Schlammschlacht innerhalb der Berliner Partyszene, wie es sie bislang noch nicht gegeben hat. Denn noch eine weitere Gruppe wollte das White Trash übernehmen. Hinter diesen Investoren steckten der Radiosender FluxFM, der Konzertveranstalter Trinity – und der White-Trash-Gründer Walter „Wally“ Potts. Der wollte offensichtlich retten, was schließlich nicht mehr zu retten war. Hanebüchene Anschuldigungen wurden verbreitet, die Rede war von Gier und Verdrängung durch Kollegen – ein Tabu in der Szene; es ging um Kaufsummen, die nach dem Ende der Gebotsfrist plötzlich bekanntwurden und darum, dass das White-Trash-Personal wohl entlassen werde. Eine Onlinepetition, die sich für den Erhalt des White Trash einsetzte, hatte bis zum Freitag mehr als 3000 Unterstützer.

Neuer Name, neues Konzept

„Es wurden viele Lügen verbreitet, auch solche unter der Gürtellinie“, sagte Björn von Swieykowski am Freitag. Der 43-Jährige hatte 13 Jahre den Festsaal Kreuzberg nahe dem Kottbusser Tor betrieben, bis dieser 2013 abbrannte. Seither suchten die Konzert- und Partymacher nach einer neuen Location. Diese hat man am Flutgraben gefunden, in der Nachbarschaft ähnliche Einrichtungen wie dem Club der Visionäre, dem Freischwimmer oder der Arena. Swieykowski sagte, natürlich werde das White-Trash-Personal komplett übernommen und die Eventlocation weitergeführt Das sei Bedingung gewesen, und daran werde man sich halten.

Allerdings bekommt der Partyort, der in einem alten Autohaus eingerichtet wurde, ein neues Konzept – und einen neuen Namen. „Es macht keinen Sinn, den Namen White Trash zu behalten, wenn der Erfinder nicht mehr dabei ist“, so Swieykowski. Im Restaurant soll künftig kein amerikanisches Fast Food mehr serviert werden, sondern es werde international gekocht. Im Konzertsaal, der wieder Festsaal Kreuzberg heißen wird, soll im Januar der neue Betrieb beginnen. Und sich am Konzept des alten Festsaals orientieren, also wird es neben Livemusik auch Modenschauen und politische Debatten geben.

Walter „Wally“ Potts will sich nicht äußern

Rund 20.000 Euro, so schätzen die neuen Macher, werden sie investieren. Bei laufendem Betrieb sollen unvollständige Umbauten beendet und Restaurant und Saal schallisoliert werden.

Walter „Wally“ Potts wollte sich am Freitag nicht äußern. Er hat alles verloren. 1990 war er aus den USA nach Berlin gekommen, mit 50 Dollar und einem Hund. Er kochte für Hausbesetzer und fand dann immer wieder abgerockte Orte für sein Lokal und ein wachsendes Publikum. Das Haus Schwarzenberg, ein leerstehendes Asiarestaurant, einen alten Pub. Doch überall hatten Hauseigentümer etwas anderes vor. Am Flutgraben wollte er durchstarten. Das tun dort jetzt andere.