Wo einst das Kulturhaus Tacheles mit seinem morbidem Charme Besucher anlockte, entsteht ein neues Stadtquartier mit Büros, Läden, Restaurants und Wohnungen – auch eine neue kulturelle Nutzung ist geplant. Am Donnerstag wurde die Grundsteinlegung gefeiert.

2023 soll das neue Stadtquartier auf dem Areal fertig werden

Nach Plänen des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron werden auf dem rund 25.000 Quadratmeter großen Areal zwischen Oranienburger Straße und Friedrichstraße zehn Gebäude errichtet, davon sieben Wohn- und drei Bürohäuser. Das denkmalgeschützte alte Tachelesgebäude bleibt erhalten und soll kulturell genutzt werden. Wie, ist noch offen.

Die Bauarbeiten für das Projekt sind bereits in vollem Gange. Bis 2023 soll alles fertig werden, sagt Sebastian Klatt, Geschäftsführer des Projektentwicklers pwr development. Sie ist eine Tochter des europaweit agierenden Investment-Managers Aermont Capital, der das Tacheles-Areal im Juni 2014 mit dem Immobilienfonds Perella Weinberg Real Estate Fund II erworben hat. Zur Höhe der Investitionssumme macht Klatt keine Angaben. Nur so viel: „Wie bewegen uns im hohen dreistelligen Millionenbereich.“

Keine der 275 Wohnungen ist Teil des sozialen Wohnungsbaus 

Im Inneren des Quartiers entstehen Höfe, Wege und Plätze. Einer erhält den Namen Bernsteinplatz. Benannt nach dem deutsch-jüdischen Schriftsteller Aaron Bernstein (1812-1884). Von der Friedrichstraße bis zur Oranienburger Straße ist eine öffentliche Passage geplant. Gesäumt von Läden, Cafés und Restaurants. Ein solcher Durchgang ist nicht neu. Schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts verlief an gleicher Stelle eine Einkaufspassage. Das Konzept ging aber nicht auf, auch ein Kaufhaus hielt sich nicht. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Haus zwangsversteigert.

Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) lobt die städtebauliche Einbindung des neuen Viertels, bedauert aber, dass es keine Sozialwohnungen gibt. Grund: Das neue Stadtquartier entsteht auf Basis eines alten Bebauungsplans, indem von den Bauherren noch kein Anteil an Sozialwohnungen gefordert wurde. Auf dem Areal entstehen nun 275 Wohnungen, die ausschließlich als Eigentumswohnungen vermarktet werden. „Sicher nicht im Niedrigpreissegment“, sagt Klatt.