Berlin - Es riecht nach Metall. Funken stieben. Um allerlei Kunstwerke und Schrottskulpturen  stehen Zäune herum. Eigentlich sieht es an diesem kalten Montagmorgen so aus wie immer auf dem Freigelände des Tacheles – dort, wo sich seit Jahren Metallkünstler in baufälligen Hütten und Wohnwagen gegen eine Räumung wehren. Doch diesmal sind es keine Künstler, die schweißen, sägen und flexen. Es sind stattlich bezahlte Handwerker. An diesem Morgen ist  hinter dem Kunsthaus an der Oranienburger Straße geräumt worden. Weil der Räumungstitel offenbar nicht genau genug formuliert war, wurde aber nur ein kleiner Teil zwangsgeräumt. Dabei blieb es, wie die anwesende Polizei berichtete, friedlich.

Trotz des nur kleinen, diesmal geräumten Areals zeigt sich  Rechtsanwalt Holger Schwemer zuversichtlich, dass das Freigelände bis Ende Januar frei ist. Schwemer ist der vom Gericht eingesetzte Zwangsvollstrecker für die Räumung. Am 31. Januar ist beim Amtsgericht Mitte ein Termin für die Zwangsversteigerung angesetzt. Beobachter gehen davon aus, dass mögliche Investoren auf eine Räumung warten, ehe sie ihr Angebot abgeben.

Doch bis dahin leisten die Künstler, die seit Jahren keinen Mietvertrag haben, hinhaltenden Widerstand. Nach Angaben von Schwemer haben sich die Nutzer des Geländes darauf spezialisiert, immer neue Name von vermeintlichen Besitzern zu nennen. Dann muss jeweils neu festgestellt werden, dass dieser kein rechtmäßiger Besitzer ist und vertrieben wird. Kaum ist der eine weg, ist wieder ein neuer da. „Der Staat – das heißt in diesem Fall die Gerichte und deren Vollzieher – werden hier an der Nase herumgeführt.“

Ein ähnliches Prozedere ist später auch für das Gebäude selbst zu erwarten, so dass sich ein Verkauf des gesamten Geländes möglicherweise noch länger hinziehen könnte. Dort betreibt immer noch eine Gruppe von Künstlern Ateliers und Werkstätten.

Während die HSH Nordbank als Eigentümerin des Tacheles einen Verkauf anstrebt, favorisieren die Künstler eine öffentlich-rechtliche Stiftung. Nach Willen des Senats soll das Tacheles ein Kunsthaus bleiben. Daran müsse sich auch ein Investor halten.