Wohnen in der Kirche: In der Kreuzbergstraße 47 sind in einem leerstehenden Kirchengebäude aus den 1960er-Jahren Wohnungen errichtet worden. Verantwortlich für die Umgestaltung zeichnet das Architekturbüro Siegl und Albert.
Foto: Schnepp Renou

BerlinOb Mietwohnungen, Eigentumswohnungen, Bürohäuser oder Firmenzentralen: Beim Tag der Architektur am 27. und 28. Juni haben die Berliner wieder die Möglichkeit, sich neue Bauprojekte in der Hauptstadt aus der Nähe anzusehen. Mitglieder der Berliner Architektenkammer laden am Sonnabend und Sonntag trotz Corona-Krise zu Besichtigungen ihrer Bauten ein. Eine gute Gelegenheit, um mit den Architekten bei Führungen durch ihre Häuser ins Gespräch zu kommen. Unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen, versteht sich.

Am Sonnabend und Sonntag können rund 70 Projekte und offene Büros in ganz Berlin besichtigt werden.  Wichtigstes Thema dabei ist das Wohnen, auf das mehr als ein Drittel der Besichtigungen entfallen. Zu sehen sind dabei neben eher klassischen Quartieren wie in der Lion-Feuchtwanger-Straße in Marzahn-Hellersdorf, wo 334 Wohnungen für die landeseigene Gesobau entstanden, auch Wohnungen in einer ehemaligen Kirche in Kreuzberg. Führungen gibt es ferner über die Baustelle für das Up! am Ostbahnhof, wo sich besichtigen lässt, wie aus einem ehemaligen Kaufhaus, dem Kaufhof, ein modernes Bürogebäude wird. Eine Wandlung, die in Anbetracht der angekündigten Schließungen der Karstadt-Kaufhof-Häuser vielen anderen Gebäuden bevorstehen könnte. Vorgestellt werden beim Tag der Architektur außerdem Kultur- und Bildungsprojekte wie die neue Kinderwelt des Jüdischen Museums Anoha, die Ausstellung „Von Casablanca nach Karlshorst“ im Deutsch-Russischen Museum und die Freianlagen des Campus Rütli in Neukölln. Fester Bestandteil des Tags der Architektur ist ferner, dass Architekturbüros zum offenen Büro einladen.

Wegen der Corona-Krise finden Führungen nur in kleineren Gruppen statt. Wer an einer Besichtigung teilnehmen will, muss sich vorher bei den Architekturbüros anmelden. Einige Führungen, etwa in der umgebauten Kirche, sind leider bereits ausgebucht. Auf dieser Seite haben wir aber fünf Projekte aufgelistet, für die es bis Redaktionsschluss noch freie Plätze gab. Eine Übersicht über Programm und Anmeldeadressen findet sich über die Internetseite der Architektenkammer unter www.ak-berlin.de

Neues Wohnen in der Gartenstadt Falkenberg

Neues Wohnen in der Gartenstadt Falkenberg. Das Ensemble bildet den Eingang zum Weltkulturerbe der Tuschkastensiedlung.
Foto: Werner Huthmacher

In Nachbarschaft zur Tuschkastensiedlung von Bruno Taut, eingetragen als Unesco-Weltkulturerbe, ist nach Plänen der Architektin Anne Lampen ein Ensemble mit 18 Wohnungen entstanden. Bauherr: Die Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892. Das Gebäudeensemble bildet den Eingang zur Tuschkastensiedlung. Die Bebauung orientiert sich am Zuschnitt der Taut’schen Häuserzeilen und nimmt den Gartenstadtgedanken auf. Die Gebäude sind so angeordnet, dass sie die Bewohner vor Straßenlärm schützen. Die Fassaden sind zu den lauten Straßen geschlossen, zum Gartenhof aber geöffnet. Neben den stark farbigen Taut’schen Häusern nehmen sich die Neubauten in dunklem Grau mit kleinen roten Akzenten zurück. Adresse: Am Falkenberg 115, 12524 Berlin (Treptow-Köpenick). Führungen: Sonnabend jeweils um 14 und 16 Uhr. Anmeldung: Tel. 616 51 66. E-Mail: office@anne-lampen.de

Wohnhaus in Köpenick

Wohnhaus in Köpenick. Die 53 barrierefreien Wohnungen werden durch eine Eis-Energiespeicherheizung mit Wärme versorgt.
Foto: Werner Huthmacher

Nach Plänen des Architekturbüros Sommer + Sommer ist in Köpenick ein fünfgeschossiges Mehrfamilienhaus mit zwei Läden und Tiefgarage entstanden. Das Haus liegt zwischen den Ensemblebereichen der Fabrikantenvilla Friedrich Wilhelm Oettings von 1871 und des Realgymnasiums von Hugo Kinzer aus dem Jahr 1909. Entstanden sind 53 barrierefreie Mietwohnungen: 21 davon mit drei, 23 mit zwei und elf mit einem Zimmer. Die Gesamtmietfläche beträgt 3650 Quadratmeter. Durch den trapezförmigen Grundriss konnten geschützte alte Eichen erhalten bleiben. Fassaden und Freiflächen sind aus selbsttragenden Stahlbetonfertigteilen mit Blattornamenten konstruiert. Eine Eis-Energiespeicherheizung versorgt das Gebäude klimaneutral mit Wärme. Als Gästewohnung dient eine futuristische Wohnzelle von 1972. Adresse: Lindenstraße 2-4, 12555 Berlin (Treptow-Köpenick). Führungen: Sonnabend um jeweils 13 und 15 Uhr. Anmeldung: Tel. 88 62 55 00, E-Mail: info@sommersommer.de

Gleis Park Berlin

Gleis Park Berlin: Auf der Teilfläche eines Parkhauses entstanden Wohnungen mit Blick auf den Gleisdreieckpark.
Foto: Adrian Schulz

Wohnungen statt Parkhäuser – diese grundsätzlich gute Idee wurde in dem Projekt am Gleisdreieck in Kreuzberg Realität. Wo einst im Zusammenhang mit dem Bau der Daimler-City am Potsdamer Platz ein Parkhaus entstand, wurden jetzt nach Plänen des Architekturbüros KSP Jürgen Engel Wohnungen gebaut. Allerdings nur auf der westlichen Teilfläche des Parkhauses. Der Neubau, der sich in vier Einzelbauten gliedert, wird durch Lichthöfe vom erhalten gebliebenen Teil des Parkhauses abgerückt. Die begrünten Höfe zwischen Bestand und Neubau ermöglichen es, die angrenzenden Räume natürlich zu belichten und zu belüften. Die Wohnungen orientieren sich nach Westen zum Park. Geschwungene Balkone sollen der Wohnbebauung Dynamik verleihen. Adresse. Schöneberger Ufer 5a, 10785 Berlin (Friedrichshain-Kreuzberg). Führungen: Sonnabend um 11 und 14 Uhr. Anmeldung unter: berlin@ksp-architekten.de

Anoha – Die Kinderwelt des Jüdischen Museums Berlin

Anoha – Die Kinderwelt des Jüdischen Museums: Im Zentrum steht eine riesige Arche aus Holz.
Foto: Yves Sucksdorff

In der ehemaligen Blumengroßmarkthalle vis-à-vis dem Hauptgebäude des Jüdischen Museums erwartet seit Mai 2020 auf 2700 Quadratmetern ein neuer Ort zum Entdecken, Erforschen und Spielen Besucher zwischen drei und zehn Jahren. Anoha nimmt die Erzählung der Arche Noah aus der Tora als Startpunkt für eine Reise in die Zukunft. Im Zentrum des Kindermuseums stehen über 150 verschiedene Tiere, eine riesige Arche aus Holz – und die Kinder selbst. Das Museum und seine Angebote folgen einem Ansatz, der die Bedeutung der Förderung und Bildung im Vorschulalter betont. Das Kindermuseum soll mitten in der Stadt ein attraktives Angebot für Familien mit kleinen Kindern schaffen. Adresse: Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, 10969 Berlin Friedrichshain-Kreuzberg. Führungen: Sonnabend um 11 und 13 Uhr. Anmeldung bitte an: visit@jmberlin.de

Spreeturm Berlin

Spreeturm:  Am Postbahnhof am Ostbahnhof ragt der neue Büro-Tower 70 Meter in die Höhe. 
Foto: Mir AS

Zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke entwickelt sich ein neues Stadtviertel. Der Spreeturm, der nach Plänen des Architekturbüros Eike Becker entstand, gehört mit 20 Etagen und einer Höhe von 70 Metern dazu. Je nach Perspektive zeigt die netzartige Fassade unterschiedliche Facetten. Nachts verwandeln integrierte Lichtstreifen das Bürohochhaus in einen Leuchtturm. Blickfang ist das herzförmige Entree. Durch den quadratischen Grundriss lassen sich flexibel Büros unterschiedlicher Größe realisieren. Adresse: Am Postbahnhof 17, 10243 Berlin (Friedrichshain-Kreuzberg). Führungen: Sonnabend um 13 und 15 Uhr. Anmeldung: Telefon 259 37 40. E-Mail: kontakt@eb-a.de