Neue Wohnungen am Standort eines ehemaligen Obdachlosenasyls, die Nachverdichtung eines Innenstadtquartiers und die kulturelle Nutzung eines alten Stadtbads – das sind drei von rund 80 Projekten in Berlin, die beim diesjährigen Tag der Architektur am Sonnabend und am Sonntag (25. und 26. Juni) zu besichtigen sind.

Am letzten Juni-Wochenende findet bundesweit und jährlich der Tag der Architektur statt, um die Öffentlichkeit mit der Baukultur vertraut zu machen. Auch Berliner und Besucher der Stadt haben dabei die Möglichkeit, mit Architekten über ihre fertiggestellten Projekte in der Bundeshauptstadt ins Gespräch zu kommen. Zugleich öffnen mehr als 30 Architekturbüros in der Stadt ihre Türen, um Auskunft über ihre Arbeiten zu geben.

Nach Angaben der Architektenkammer werden allein in Berlin mehr als 160 Führungen angeboten. Im Rahmen des neuen Formats „Revisited“ werden Projekte präsentiert, die schon einmal am Tag der Architektur teilgenommen haben. Dabei richtet sich der Blick auf die ursprüngliche Planung und die heutige Nutzung.

Ausgewählt wurden die Berliner Projekte von einem unabhängigen Beirat. Der Verfasser dieses Textes gehört dem Gremium an. Der Eintritt für alle Veranstaltungen ist frei. Das gilt allerdings nicht für den Zugang zum Jüdischen Garten, der sich in den Gärten der Welt befindet. Wer dort reinwill, muss ein Ticket lösen. Wir präsentieren hier eine Auswahl der Vorhaben, für die laut Architektenkammer keine Voranmeldung nötig ist.

Das gesamte Programm für Berlin ist im Internet zu finden unter: www.ak-berlin.de/tda-programm

Quartier Wir

Andrea Kroth
Das Quartier Wir in Pankow.

Im Quartier Wir an der Wittlicher Straße und am Brodenbacher Weg in Pankow sind nach Plänen des Architekturbüros Deimel Oelschläger fünf Häuser mit 114 Wohnungen in Holzmischbauweise entstanden. Die vier- und fünfgeschossigen Häuser gruppieren sich um zwei Höfe mit Sitz- und Spielflächen. In den Häusern gibt es unterschiedliche Begegnungsräume mit Schwimmbad, eine Physiotherapiepraxis, eine Kita, eine Werkstatt und Gemeinschaftsräume, die allesamt auch von Menschen aus der Umgebung genutzt werden können. Das Quartier vereint Eigentumswohnen und genossenschaftliches Wohnen.

Führungen: Sonnabend um 10 und um 12 Uhr. Treffpunkt: Wittlicher Straße Ecke Brodenbacher Weg, 13088 Berlin. Der Zugang ist barrierefrei.

Charlotte – Am Spektepark

Lars Pillmann
Das neue Wohnquartier am Spektepark in Spandau.

159 Wohnungen, eine Kindertagesstätte für 65 Kinder und eine Tiefgarage mit 85 Plätzen wurden im Projekt „Charlotte – Am Spektepark“ am Freudenberger Weg in Spandau realisiert. Nach einem Entwurf des Büros mbpk Architekten und Stadtplaner GmbH sind vier fünfgeschossige Häuser und ein achtgeschossiges Wohngebäude entstanden. Zum Wohnungsangebot gehören Ein- bis Vierzimmerwohnungen, die alle barrierefrei oder im sogenannten Ready-Standard, also vorbereitet für altengerechtes Wohnen, geplant wurden.

Führungen: Sonntag um 14 und 15 Uhr. Treffpunkt: Freudenberger Weg Ecke Wittgensteiner Weg. Der Zugang ist barrierefrei.

Wohnungsneubau Wiesenburg

Markus Löffelhardt
Neue Wohnungen am Standort Wiesenburg.

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo hat an der Wiesenstraße in Mitte neben den denkmalgeschützten Resten des zerstörten Obdachlosenasyls Wiesenburg von 1896 fünf Neubauten mit 109 Wohnungen errichtet. Der Entwurf stammt vom Büro Dahm Architekten + Ingenieure. Die Neubauten sind auf vielfache Art mit den bestehenden Bauten verbunden. So wurden die Reste der achteckigen Empfangshalle, einst Teil des 1907 ergänzten Frauenasyls, in ein Haus integriert, für das eine soziale Nutzung vorgesehen ist. Auch die Wiedererrichtung des Wasserturms in neuer, abstrahierter Form macht die Geschichte des Orts deutlich.

Führungen: Sonnabend und Sonntag jeweils um 14 Uhr. Ort: Wiesenstraße 55, 13357 Berlin. Der Zugang ist barrierefrei.

Pumptrack Eschachstraße

Kristine Tschirschnitz
Die neue Mountainbike-Strecke in Reinickendorf.

An der Eschachstraße in Reinickendorf ist eine Grünfläche neu gestaltet worden, die eine doppelte Funktion erfüllt: Sie dient als Pausenhof des Humboldt-Gymnasiums sowie als öffentlicher Spielplatz. Im Mittelpunkt steht ein 80 Meter langer Pumptrack, eine Mountainbike-Strecke aus Betonmodulen. Die Schule wurde an der Planung maßgeblich beteiligt. Der Entwurf stammt vom Büro Lechner Landschaftsarchitekten. Eine Podestbühne als zentraler Treffpunkt und öffentliche Sportgeräte machen die Grünanlage zu einem modernen Freizeitareal mit Schulhofqualität. Und das auf besonders nachhaltige Weise: Bolzplatz und Streetball-Fläche wurden saniert, Pflaster wiederverwendet und Bänke und Spielgeräte überarbeitet.

Führungen: Sonnabend um 11.30 Uhr, Sonntag, 26. Juni, um 12 Uhr. Treffpunkt: Podestbühne Spielplatz Eschachstraße, 13507 Berlin. Der Zugang ist barrierefrei.

Stadtbad Lichtenberg

Alexander Rentsch
Das umgestaltete Stadtbad.

Das Stadtbad Lichtenberg, das 1928 als Bade- und Schwimmanstalt eröffnet wurde, war nach dem Ende des Badebetriebs 1991 lange geschlossen. Nun wurde das denkmalgeschützte Gebäude in Teilbereichen unter Erhalt des musealen Charakters saniert und für Nutzungen in den Bereichen Kunst, Kultur und Soziales hergerichtet. Verantwortlich dafür zeichnet die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). Bei der Besichtigung bietet sich die Gelegenheit, dem alten Charme des Schwimmbades nachzuspüren, das einst über eine Frauen- und eine Männerschwimmhalle verfügte.

Führungen: Sonntag um 14 Uhr, 15.30 Uhr und 17 Uhr. Ort: Hubertusstraße 47–49, 10365 Berlin. Der Zugang ist barrierefrei.

Wohnhaus Lützowstraße 7

Jan Bitter
Der Neubau an der Lützowstraße 7.

Die Degewo hat an der Lützowstraße 7 in Mitte 78 Wohnungen errichtet. Das Gebäude hat ein markantes Erscheinungsbild, zu dem Vor- und Rücksprünge der Fassade und große Balkone gehören. Das Gebäude gliedert sich in zwei Bauteile, deren Grundrisse zusammen ein L bilden. Ein Rücksprung an der Straßenecke dient als urbaner Vorplatz und lässt Begegnungen im (halb) öffentlichen Raum zu, während ein begrünter Innenhof mit großem Spielplatz einen geschützten Rückzugsort bietet. Das große hohe Foyer ist als Gesellschaftsraum für die Hausgemeinschaft konzipiert. Im Erdgeschoss befinden sich die Räume des Architekturbüros PPAG, die im Rahmen der Führung besichtigt werden können.

Führungen: Sonnabend, 16.30 Uhr und 18.30 Uhr. Ort: Lützowstraße 7, 10785 Berlin. Treffpunkt: vor dem PPAG-Büro. Der Zugang ist barrierefrei.

Wohnungsbau Hauptstraße

roedig.schop
Das Projekt an der Hauptstraße.

Drei neue Wohnhäuser komplettieren ein Ensemble aus den 1930er-Jahren um einen gemeinsamen Innenhof an der Hauptstraße in Rummelsburg. Die Neubauten, die nach Plänen des Architekturbüros roedig.schop für die landeseigene Howoge errichtet wurden, nehmen dabei die Gebäudehöhen und die Geschossigkeit der Bestandsbauten auf. Die Räume sind zum Teil bis zu 3,40 Meter hoch, und die Grundrisse offen und ohne Flure gestaltet. Für Licht und Ausblick ins Freie sorgen großformatige bodentiefe Fenster. Die Hälfte der 76 Ein- bis Fünfzimmerwohnungen sind mietpreisgebunden, werden also als Sozialwohnungen vermietet.

Führungen: Sonnabend jeweils um 11 Uhr und um 12 Uhr. Ort: Hauptstraße 37–49, 10317 Berlin. Der Zugang ist barrierefrei.

Grünflächen im Wohnquartier Ifflandstraße

Claudius Pflug
Das Projekt an der Ifflandstraße in Mitte.

Zwischen Jannowitzbrücke und Karl-Marx-Allee ist von der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) ein neues Ensemble aus drei Wohnblöcken mit 140 Wohnungen errichtet worden. Es liegt als Projekt der Nachverdichtung mitten in einem Wohngebiet der DDR-Stadtarchitektur. Zu den Außenanlagen, die vom Büro LA21 Landschaftsarchitektur gestaltet wurden, gehören Grünflächen, Spielplätze und Aufenthaltsbereiche für das ganze Viertel. Naturnahe Schmuckbeete mit ganzjähriger Blühfolge, begrünte Dächer auf allen Häusern, ökologisch wertvolle Wildfruchthecken und vieles mehr bieten Insekten und Kleintieren ganzjährig Nahrung und Unterschlupf.

Führungen: Sonnabend und Sonntag jeweils um 13 Uhr. Ort: Ifflandstraße 5–7, 10179 Berlin. Der Zugang ist barrierefrei.

Jüdischer Garten in den Gärten der Welt

Atelier le balto
Der Jüdische Garten in den Gärten der Welt.

Der Jüdische Garten liegt zwischen dem Japanischen und dem Christlichen Garten. Sein Wegenetz aus Mosaikpflaster liegt über dem asphaltierten Hauptweg der Gärten der Welt und zieht Besucher so unauffällig bis zur Mitte des Gartens. Zwischen den Wegen gedeihen Nutz- und Zierpflanzen in Feldern unterschiedlicher Größe und Form. Die Bezüge zur Geschichte und Kultur jüdischen Lebens sind vielfältig und nicht direkt zu interpretieren. Sie brauchen Erzählungen und Erläuterungen. Das Gesamtkunstwerk ist Ergebnis einer Zusammenarbeit von Manfred Pernice, Wilfried Kuehn und dem atelier le balto.

Führungen: Sonntag um 13 Uhr und um 15 Uhr. Wichtig: Teilnahme nur mit gültigem Ticket der Gärten der Welt. Adresse: Eisenacher Straße 99 (Eingang Nord), 12685 Berlin. Treffpunkt: im Jüdischen Garten. Der Zugang ist barrierefrei.

Konferenzraum Rundfunk Berlin-Brandenburg

Mark Seelen
Der umgestaltete Saal im Haus des Rundfunks.

Das Büro de Winder Architekten hat im Auftrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) einen 165 Quadratmeter großen Sitzungssaal im denkmalgeschützten Haus des Rundfunks an der Masurenallee saniert und umgestaltet. Der Saal war zuletzt als Redaktionsraum genutzt worden und wurde  im Zuge der Arbeiten wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. Er wird nun als Konferenzraum und für Sitzungen des Rundfunk- und Verwaltungsrats genutzt. Der Raum blieb aus denkmalpflegerischer Sicht in seiner Kubatur nahezu erhalten, erhielt aber eine zeitgemäße Interpretation des ursprünglichen Raumkonzepts und eine moderne Medienausstattung.

Führungen: Sonnabend und Sonntag, 25. und 26. Juni 2022, jeweils um 10 Uhr, 11 Uhr und 12 Uhr. Treffpunkt: Eingang Masurenallee 8-14, 14057 Berlin.