Zwei Jahre Vorbereitung, mehr als 150 Sitzungsstunden mit Behörden, immer wieder Absprachen mit den 200 Partnern und Institutionen, alles für das eine große Fest der Republik. Das Fest zum Tag der Deutschen Einheit

Drei Tage wird rund ums Brandenburger Tor gefeiert. Erwartet wird etwa eine Millionen Besucher aus dem In- und Ausland. Für das Land Berlin endet damit auch die Präsidentschaft im Bundesrat. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) wird den Staffelstab an den Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), übergeben.

Mit Stolz und Selbstbewusstsein feiern

Das dreitägige Einheitsfest haben die Veranstalter unter das Motto gestellt „Nur mit Euch“. Michael Müller sagte am Donnerstag, damit wolle Berlin eine wichtige Botschaft verbinden, in Zeiten, in den Kräfte bewusst daran arbeiten, „Keile in die Gesellschaft zu treiben. Die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft können wir nur gemeinsam bewältigen, so wie auch die Deutsche Einheit vor 28 Jahren eine Gemeinschaftsleistung war.“

Müller hat die Deutschen aufgerufen, die 28 Jahre ohne Mauer mit Stolz und Selbstbewusstsein zu feiern. Für ein friedliches Zusammenleben müsse man sich jeden Tag angesichts von Rechtspopulismus und -extremismus engagieren.
Das Bürgerfest hat sich das Land Berlin auch was kosten lassen. Von den insgesamt etwa sechs Millionen Euro bezahlt das Land Berlin 4,5 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt.

Ein anspruchsvolles Programm

Die Gäste erwartet entlang der Straße des 17. Juni und im Tiergarten ein thematisch anspruchsvoll gestaltetes und modernes Programm auf künstlerisch hohem Niveau, mit klaren politischen Botschaften und Erinnerungen an die deutsch-deutsche Geschichte. Es geht um Politik, Musik, Geschichte, Sport, Zukunft, Kinder und Familie.

So wird es etwa vor dem Sowjetische Ehrenmal auf der Straße des 17. Juni es im Bereich „Geschichte & Erinnern“ Ausstellungen, Diskussionen und Gespräche mit Zeitzeugen geben. Eine Open-Air-Ausstellung informiert über die Zeit der Wende, zudem geht es in der Schau „100 DM“ um die Frage, was sich DDR-Bürger vom Begrüßungsgeld gekauft haben.

Als „ultimatives Highlight“ bewertet Moritz van Dülmen, Geschäftsführer des Veranstalters Kulturprojekte, die Installation des Street-Art-Künstlers JR, der am Brandenburger Tor eine 25 Meter hohe Foto-Collage aus historischem Bildmaterial vom 10. November 1989 installiert, dem Tag nach dem Mauerfall.

Musik und Theater

Etliche Orchester, Bands und Autoren treten auf, das Mauerpark-Karaoke ist dabei, es gibt eine 2,5 Kilometer lange Installation mit allen 11.040 Gemeindenamen Deutschlands, deren Ortsschilder am Boden kleben und ein Band bilden. Zu den Höhepunkten zählt sicherlich die Uraufführung des Stückes „Grundgesetz“ vom Maxim Gorki-Theaters am 3. Oktober. Die polnische Regisseurin Marta Gornicka bringt den Text mit 50 Schauspielern auf die Bühne.

Intendantin Shermin Langhoff sagt: „Das Grundgesetz ist ein visionärer und poetischer Text mit einem antifaschistischen Grundcharakter.“ Dieses Werk sei die Grundlage für unsere Zukunft, doch mit seinen Worten werde heute „Krieg geführt bis ins Parlament“. Die Aufführung werde zu einem „chorischen Stresstest“, kündigte die Intendantin an.

Zu den protokollarischen Veranstaltungen am 3. Oktober erwartet die Bundesregierung Hunderte geladene Gäste, Politiker und Botschafter, die Feierlichkeiten beginnen mit einem ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom, es folgt ein Festakt in der Staatsoper Unter den Linden.

Ein „demokratisches Feuerwerk“ 

Das Bürgerfest rund um das Brandenburger Tor endet am Abend des 3. Oktober mit Konzert unter dem Hashtag #1Heit. „Musik kann etwas bewegen. Musik überwindet Grenzen mühelos“, erklären die Kuratoren Björn Döring und Fetsum Sebhat. Nena wird auftreten, ebenso Samy Deluxe, Philipp Poisel, Frank Dellé, Meute, die sowie das Swing Ensemble Moka Efti Orchestra aus der Erfolgsserie Serie Babylon Berlin.

Selbst beim abschließend großen Feuerwerk wollen die Veranstalter dem Motto der Feier „Nur mit Euch“ gerecht werden. Auf der Internetseite www.feuerwerkautomat.de können die Besucher in sieben Tagen abstimmen, welche Feuerwerkskörper zu welchem Zeitpunkt gezündet werden sollen. Von einem „partizipatorischem“ Feuerwerk und einem „kollektiv gestalteten Kunstwerk“ spricht der Künstler Malte Bartsch, ein Schüler von Olafur Eliasson. So ein „demokratisches Feuerwerk“ gab es selbst in Berlin noch nicht.