Berlin - Etwa 300 Polizisten haben am Mittwoch Handwerker in der Rigaer Straße 94 in Friedrichshain beschützt. Die Hausverwaltung hatte die Polizei darum gebeten. In der „Rigaer 94“ – einer europaweit bekannten Hochburg der linksradikalen Szene – räumten Handwerker den Dachboden und zwei Flächen im Erdgeschoss leer. Das führte zu massiven Protesten. „Die beiden zu beräumenden Flächen werden ab sofort instand gesetzt und an Flüchtlinge mit Mietverträgen zu Konditionen des Berliner Mietspiegels als Wohnraum vermietet“, erklärte der Hausverwalter Pawel Kapica.

Eisentüren eingebaut

Zu den geräumten Bereichen gehören eine Werkstatt und der Veranstaltungsort „Kadterschmiede“ aber keine Wohnungen. Laut Hausverwaltung seien Mängel im Brandschutz und der Verkehrssicherheit behoben worden. Die Arbeiter schafften containerweise Balken, mit denen Treppenhäuser verbarrikadiert waren, Sperrmüll und mehr als 20 Kühlschränke weg. Schließlich bauten sie Metalltüren ein, die nun von privaten Wachleuten gesichert werden. „Die Polizei sorgt lediglich dafür, dass die Bauarbeiter nicht angegriffen werden“, sagte Polizeisprecher Winfrid Wenzel während des Einsatzes.

„Die Besonderheit dieser Adresse macht es notwendig, dass wir auch uns schützen müssen“, begründete Wenzel die hohe Zahl der eingesetzten Beamten. Immer wieder waren Polizisten in der Rigaer Straße angegriffen worden. Laut Hausverwaltung wurden im vergangenen Jahr Reinigungskräfte und Hausmeister von Bewohnern bedroht und des Hauses verwiesen.

Den Auftrag für die Räumung hatte die Eigentümergesellschaft Lafone Investments Ltd. gegeben. Die Firma mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln hatte das Haus Ende 2014 von Suitbert B. erworben, der mit mehreren Räumungsversuchen gescheitert war.

In den Räumen stellten Polizisten eine Werkzeugkiste sicher. Darin lagen laut Wenzel zwei Teleskopschlagstöcke, ein Schlagstock und eine Schreckschusspistole. Die Polizei transportierte auch etwa 40 Fahrräder ab, die im Hof und im Gebäude standen. Weil sie nicht angeschlossen waren, habe man die herrenlosen Räder zur Eigentumssicherung mitgenommen, so Wenzel. „Wer glaubhaft machen kann, dass er Eigentümer eines Rades ist, bekommt es wieder.“ Dazu müsse nicht unbedingt der Kaufbeleg vorgelegt werden, es reichten auch Urlaubsfotos oder Beschreibungen. Allerdings prüft die Polizei auch, ob die Fahrräder zur Fahndung ausgeschrieben sind. Die Beamten vermuten, dass ein Teil davon gestohlen ist. Entsprechende Häme breitete sich in den sozialen Netzwerken aus: Der Polizei wurde Einbruchsdiebstahl vorgeworfen, weil bis zu ihrem Kommen der Hof mit einem Tor gesichert gewesen sei. Andere bezeichneten die Sicherstellung als Schikane.

Demos am Abend

Die Grünen-Abgeordnete Canan Bayram glaubt, dass Flüchtlinge und Hausbewohner gegeneinander ausgespielt werden sollen. Dass der Eigentümer wirklich an Flüchtlinge vermieten will, glaubt sie nicht. Zu hoch seien hier die ortsüblichen Mieten, sagte sie.

Der drohende Tag der Räumung der „Rigaer94“ wurde in der linken Szene stets als „Tag X“ bezeichnet, an dem es Demos mit Randale und „Millionenschäden“ geben soll. Am Abend kam es zu mehreren spontaten Demonstrationen in Kreuzberg. Dabei gab es Auseinandersetzungen mit der Polizei, Sachbeschädigungen und Festnahmen.

„Heute ist Tag X“, hieß es am Nachmittag in den sozialen Netzwerken. Für den Abend wurde zu Demonstrationen aufgerufen.