Am Ostseestrand: Leere Strandkörbe und viel Platz am Strand.
Foto:  dpa/Bernd Wüstneck

RostockMorgens hin, abends retour. Von Berlin aus lohnt sich bei schönem Wetter eine Tagestour an die Ostsee. Bereits nach etwas mehr als zwei Stunden können die Ausflügler im Idealfall die Zehen in den Sand stecken oder ins Meer springen. Doch dieses Vergnügen ist in Mecklenburg-Vorpommern bislang offiziell noch verboten. Auch wenn viele Berliner und Brandenburger das gar nicht wissen und einfach mit dem Auto an die See fahren. Doch das Verbot soll offenbar schon bald gelockert werden.

Womöglich dürfen Gäste ohne gebuchte Übernachtung schon ab dem 1. September wieder offiziell an die Ostsee fahren, das berichtet die Ostseezeitung. Am Donnerstag berät nun die Landesregierung erstmals über Lockerungen. In der kommenden Woche könne bereits eine Entscheidung getroffen werden. Dafür spricht, dass bisher kaum neue Infektionen in dem Bundesland bekannt sind, auch stehen diese wenigen nicht im Zusammenhang mit Touristen.

Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, das Tagesgästen mit Verweis auf das Infektionsgeschehen den Besuch weiterhin verwehrt. Bislang dürfen laut Corona-Landesverordnung nur Urlauber nach MV kommen, die dort auch übernachten oder die mit einer Busgruppe eine Tagestour nach Mecklenburg-Vorpommern unternehmen.

Wenn nun Anfang September die Ferien in ganz Deutschland enden, ergibt sich neuer Spielraum, hoffen Tourismusverbände und Kommunen. „Wir haben die Erwartung, dass der Tagestourismus wieder erlaubt wird“, sagte Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg Vorpommern der Ostseezeitung.

Bisher galt: Infektionen können ohne Hotelbuchung nicht zurückverfolgt werden. Besonders Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) gab sich bislang eher vorsichtig, was weitere Lockerungen angeht. Doch nun macht sie denen Hoffnung, die auf Umsatz durch Touristen angewiesen sind: „Wenn die Infektionszahlen weiter stabil sind, Schule und Kita weiter gut laufen, kann ich mir vorstellen, dass wir auch den Tagestourismus öffnen“, so die Regierungschefin. „Wir rechnen damit, dass ab September die Zahl der Übernachtungsgäste bei uns zurückgehen wird, weil dann in den meisten Bundesländern die Schulferien vorbei sind.“ Deshalb werde sie mit Vertretern von Kommunen, Wirtschaft, Gewerkschaften und Medizinern beraten, ob „im Gegenzug“ Tagesgäste ins Land können. Der Tourismusbranche entgehen Schätzungen zufolge aufgrund der Verordnung täglich Tausende Besucher. In den vergangenen sieben Tagen wurden im gesamten Land nur 34 Neuinfektionen gemeldet.

Außerdem werden die Verbote nur teilweise eingehalten. „Wenn man ehrlich ist, muss man feststellen, dass schon jetzt jeden Tag Tausende Tagestouristen in Mecklenburg-Vorpommern sind“, sagt Dehoga-MV-Präsident Lars Schwarz. Dies habe aber bisher keine negativen Auswirkungen auf die Infektionslage gehabt. „Wir haben bis jetzt keinen Fall in der Gastronomie oder Hotellerie.“

Am vergangenen Wochenende hatte die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern auswärtige Tagestouristen des Landes verwiesen. Am Badestrand des Dutzower Sees im Landkreis Nordwestmecklenburg, unmittelbar an der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein gelegen, kontrollierten am Sonntag 30 Beamte die Badegäste, nachdem auf dem Parkplatz viele auswärtige Kennzeichen gesehen worden waren. Elf der etwa 100 Anwesenden waren nach Angaben der Polizei von außerhalb des Bundeslandes zum Baden gekommen. Die Hamburger und Gäste aus Schleswig-Holstein seien aufgefordert worden, das Bundesland umgehend zu verlassen. Sie müssen nun wegen des Verstoßes gegen das Tagestourismus-Verbot mit einem Bußgeld rechnen.