Berlin - Neuer Flughafen, alte Züge: Wagen aus Reichsbahnzeiten werden zum modernsten Airport Europas fahren. Während die Passagiere im Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in den Genuss fortschrittlichster Technik kommen, werden sie im Bahnhof darunter vom notdürftig aufgehübschten Flair einer vergangenen Bahn-Epoche empfangen. Noch Monate nach der Airporteröffnung im Juni werden Wagen mit harten Sitzen, schmalen Treppen und muffiger Atmosphäre die Hälfte des Verkehrs dorthin bestreiten. Die Deutsche Bahn (DB) wollte sie 2011 ausmustern. Die Lieferung neuer Züge, die dann starten sollte, lässt jedoch auf sich warten.

Viele Züge noch nicht geliefert

Kay Euler von DB Regio formulierte es mit feiner Ironie. Es habe eine „leichte Verzögerung“ gegeben, sagte er am Freitag. Vor viereinhalb Jahren bestellte die Bahn bei Bombardier Transportation 297 Elektrotriebwagen des Typs Talent 2, davon 48 für Berlin und Brandenburg. 2009 sollten die ersten Züge fahren. Doch das Eisenbahn-Bundesamt verweigerte die Zulassung. Immer wieder hätten sich Normen geändert, sagte Klaus Baur, Deutschland-Chef von Bombardier. Die Bahn verwies dagegen auf Technikprobleme. Erst im vergangenen Herbst erteilte die Aufsichtsbehörde die erste Zulassung - aber nur für die vierteiligen Züge, die bei Nürnberg und an der Mosel rollen sollen. Bisher wurden 26 geliefert. 163 hätten aber jetzt schon da sein müssen, rechnete Euler vor.

Für Berlin und Brandenburg sind allerdings drei- und fünfteilige Garnituren vorgesehen - die bis heute keine Zulassung haben. Dabei sind sie längst fertig. Sie gehören zu den vielen Zügen, die in Elstal bei Berlin abgestellt wurden - viele im Freien, andere in „Talentschuppen“, wie Bahnfans witzeln. Doch nun sei auch für sie ein Ende der Hängepartie absehbar, so Bombardier. Bis Oktober würden alle Züge ausgeliefert. Die Lokführerschulung hat begonnen, so Joachim Trettin von der DB.

„Wir sind zuversichtlich, dass wir als Erstes für die Dreiteiler im März die Zulassung erhalten“, sagte Baur. Elf dieser Züge stünden dann im April bereit - unter anderem für die Regionalbahnlinie 22, die vom BER nach Potsdam führen wird. Kurz darauf erwartet der Hersteller auch für die Fünfteiler die Zulassung. Vier sind für den Flughafenexpress RE 9 vom Flughafen zum Hauptbahnhof eingeplant. Monitore in den Wagen zeigen Abflug-Gates an, die erste Klasse hat Ledersitze. Auf zwei Strecken könnten also vom 3. Juni an, wenn der Flughafen öffnet, Talent-Züge rollen, so Baur: „Die Betriebsaufnahme muss klappen, die ganze Planung ist darauf ausgerichtet.“

Modernisierung liegt lange zurück

Dagegen müssen die Passagiere auf den Linien RE 7 und RB 14 voraussichtlich bis Oktober mit Alt-Material vorliebnehmen. Vom Flughafen zum Alexanderplatz, zum Zoo und zu anderen Stationen setzt die Bahn notgedrungen wie bisher Loks mit jeweils vier Doppelstockwagen ein. Die Wagen stammen aus einer Serie, die ab 1986 für die Deutsche Reichsbahn der DDR hergestellt wurde. Damit die Fahrzeuge, deren Modernisierung zwei Jahrzehnte zurückliegt, jetzt weiterfahren dürfen, wurden sie teuren Revisionen unterzogen. Nun müssen zwölf Wagen noch tunneltauglich gemacht werden.

DB-Manager Euler hofft, dass ein weiteres Ersatzkonzept nicht nötig wird. Detailpläne dafür gebe es jedenfalls nicht. „Wir gehen fest davon aus, dass alles funktioniert.“