Tanzen ohne Abstand und Maske: Berliner Clubs starten Pilotprojekt mit PCR-Tests

Bisher mussten sogar draußen Hygieneregeln eingehalten werden, nun probieren KitKat & Co. ein Konzept für Getesteten-Partys in Innenräumen aus.

<br>Im KitKat-Club am U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße kann am Sonnabend ab&nbsp;23 Uhr beim „CarneBall Bizarre“ wieder innen getanzt werden.

Im KitKat-Club am U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße kann am Sonnabend ab 23 Uhr beim „CarneBall Bizarre“ wieder innen getanzt werden.
Benjamin Pritzkuleit

Berlin-Das Clubgefühl kehrt zurück nach Berlin: Volle Tanzflächen im Innenraum, ohne Abstand oder Masken, das ist wieder möglich – zumindest für ein Wochenende, mit PCR-Tests unter wissenschaftlicher Begleitung, als Pilotprojekt in sechs ausgewählten Clubs. Mit dabei sind der KitKat-Club in Mitte, das Metropol in Schönberg, der Festsaal Kreuzberg, die Crack Bellmer Bar und der Salon Zur Wilden Renate in Friedrichshain sowie das SO36 in Kreuzberg. Am Dienstag und Mittwoch verkaufen sie unter Koordination des Verbandes Clubcommission jeweils etwa 300 Tickets für sechs Partys, die von Freitag bis Sonntag stattfinden werden.

„Wir machen das, weil das momentan die einzige Möglichkeit ist, in Innenräumen wieder sicher Veranstaltungen durchzuführen - mit dem Goldstandard PCR-Test“, sagte Lutz Leichsenring, Sprecher der Clubcommission. Die Pilotveranstaltung „Clubculture Reboot“ wird von der Senatsverwaltung für Kultur unterstützt und wissenschaftlich begleitet von Ärzten der Charité sowie einem Diagnostik- und Labor-Betreiber. Die Kartenkäufer müssen sich Stunden vor der Veranstaltung testen lassen und werden aufgefordert, sich eine Woche nach den Events noch einmal zur Kontrolle testen zu lassen.

„In Quarantäne müssten aber nur gegebenenfalls die positiv Getesteten“, sagte Leichsenring, der zugleich klarstellte, dass dies nicht unbedingt die Zukunft des Clubbesuchs darstelle. „Das Ziel ist natürlich, künftig wieder reguläre Clubabende hinzubekommen.“ Diese waren zuletzt trotz einiger Öffnungen erschwert, selbst im Außenbereich mussten auf Tanzflächen Masken getragen werden.

Kultursenator Klaus Lederer appellierte in einer Mitteilung, sich weiter impfen zu lassen. „Nur sicher ist sicher!“ Dennoch benötige die Berliner Clubkultur nach 18 Monaten voller Einschränkungen Perspektiven genauso wie Bühnen und Museen. „Die wissenschaftliche Begleitung durch die Charité gibt uns einen Rahmen, in dem wir ausloten können, was zukünftig gehen wird.“

Verwirrung beim Ticketverkauf

Verwirrung gab es jedoch um den Ticketverkauf am Dienstag, wo bis zuletzt unklar zu sein schien, wer die Tickets wo verkaufte. Auf vielen Club-Webseiten war von einem Ticketverkauf nichts zu lesen, auf Nachfrage wirkten die Betreiber teils ratlos bis überfordert von zu vielen Anfragen. Leichsenring betonte, dass die Clubs die Tickets verkauften, über das Portal Tixforgigs.com. Viele Tickets waren schnell vergriffen, einige wie der Festsaal Kreuzberg stellen die Karten erst ab Mittwoch 12 Uhr online.

„Die 400 Tickets bei uns waren superschnell ausverkauft“, so ein Mitarbeiter des SO36. Die Kreuzberg Konzerthalle veranstaltet am Sonnabend ab 22 Uhr die Veranstaltung „Dancing with Tears in your Eyes – 80er Party Tanzen wie früher“. Der langjährige Rock-Laden ist neben dem KitKat-Club und dem Festsaal Kreuzberg einer von drei Orten, an denen vor dem Feiern getestet wird. Die Leute hätten erstmal nur einen Zeitslot zum Testen erworben, der sich in ein Ticket umwandele, wenn der PCR-Test negativ ausfalle. „Wir freuen uns selbst, endlich wieder tanzen zu können“, sagte der Mitarbeiter, bisher habe man in der Pandemie lediglich bestuhlte Veranstaltungen wie Lesungen abhalten können.

Die Karten zu der Clubnacht kosteten im Vorverkauf 15 Euro zuzüglich 10 Euro Kaution, die bei einem Nachtest-Termin zurückgezahlt wird – als Anreiz zur Teilnahme. Zusätzlich wird ein Fragebogen ausgefüllt. Zudem willigten die Käufer ein, an dem wissenschaftlich begleiteten Pilotprojekt teilzunehmen. In diesem wird nicht zwischen geimpften oder genesenen Personen unterschieden.

„Die Ergebnisse werden zwei bis vier Stunden nach Abstrich vorliegen“, teilte Dr. Florian Kainzinger vom Diagnostik-Betreiber Think Health auf Nachfrage mit. Die Clubs mit Testmöglichkeit seien das KitKat, der Festsaal Kreuzberg und das SO36, teilweise seien dort bereits Schnelltest-Zentren vorhanden. Mit Ticketkauf bekommt man eine der drei Locations und einen Zeit-Slot zwischen 14 und 20 Uhr am Freitag zugewiesen. Diese müsse man für den Nasen- und Rachenabstrich aufsuchen. Der Test eine Woche später sei exakt identisch.

Partytouristen unerwünscht

Teilnehmen sollen nur Berlinerinnen und Berliner. „Wir wollen keine Party-Touristen aus Hamburg oder anderen Städten“, sagte Clubcommission-Sprecher Leichsenring. Der Verband betreut auch weitere Projekte wie die langen Nächte des Impfens mit Musik am 9., 11. und 13. August in der Arena Treptow.

Die teilnehmenden Clubs für den Modellversuch verfügen über geeignete Lüftungsanlagen. PCR-Tests bieten eine höhere Genauigkeit als die sonst meist verwendeten, schneller durchführbaren Antigen-Tests. Sie bieten allerdings auch keine hundertprozentige Sicherheit.