Berlin - Die Komische Oper ist nicht gerade als Ort langweiliger Hochkultur verschrien. Gerade erst hatte hier der „Ball im Savoy“ mit Katharine Mehrling und Dagmar Manzel eine gefeierte und von Kritikern sehr gelobte Premiere. Doch die deutsche Erstaufführung des Tanztheaters, die am Freitagabend auf dem Programm stand, dürfte auch auf dieser Bühne eher zu den ungewöhnlicheren Events zählen.

Mayumana nennt sich das Ensemble aus Israel, der Begriff stammt aus dem Hebräischen und heißt auf Deutsch so viel wie Fertigkeit. Worin die Fertigkeit der Tänzer und Musiker besteht, ist laut New York Times schwer zu beschreiben, aber leicht zu lieben. Man könnte es am ehesten als Streetdance bezeichnen, was die Künstler, die aus verschiedensten Nationen stammen, in einer gut gelaunten Mischung aus Tanz, Akrobatik, Rhythmus und Soundeffekten zeigen.

Und gut gelaunt zeigten sich schon vor der Vorstellung zehn der insgesamt 19 Tänzer und die beiden Regisseure Eylon Nuphar und Boaz Bermann gemeinsam mit Schauspielerin Iris Berben bei einer kurzen Pressekonferenz auf der Bühne. Wobei Eylon Nuphar die Szenerie selbst mit ihrem kleinen Camcorder filmte – ihre Leidenschaft sind Videos, die sie auch ins Internet stellt. Dann erklärte Iris Berben, warum sie sofort bereit war, die Schirmherrschaft über die Tournee in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu übernehmen. „Es geht hier um die Unterstützung einer so eigenwilligen und kraftvollen Show, wie ich sie lange nicht gesehen habe“, erklärte sie. „Da haben sich zwei Dinge gefunden, die einfach zueinander passen.“ Hand in Hand mit der Schirmherrschaft geht nämlich auch die ideelle und finanzielle Unterstützung des Vereins „Gesicht zeigen“ durch den Veranstalter. Der Verein wirbt für ein weltoffenes Deutschland gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit.

Mit „Momentum“ ist Mayumana seit einiger Zeit auf Welttournee und nun erstmals in Deutschland zu Gast. Es geht, logisch, um Zeit. Zeit, die mal langsam, mal schneller verrinnt, aber immer unaufhörlich ist.
Das Bühnenbild dominieren drei große Uhren mit altertümlichen Ziffern. Die Künstler, die mal im Vordergrund, mal im Halbdunkel eines riesigen Gerüsts agieren, haben mit ihren Frisuren und Kostümen indes die Coolness des 21. Jahrhunderts. Immer wieder wechselnde Rhythmen treiben die 80-minütige Show voran. Ohne Pause entstehen stetig neue Melodien, mal mit Gitarren, mal mit Cajóns, den Holztrommelkisten, auf denen der Musiker sitzt, mal mit purem Fingerschnippen. Das Publikum darf mitmachen.

Zu den Gästen gehörten am Freitag Abend auch ganz viele Prominente. Schauspielerin Eleonore Weisgerber hatte gleich zwei gute Gründe für ihr Erscheinen: Sie hat eine klassische Tanzausbildung und stand auch schon in Tanzrollen auf der Bühne. Und außerdem ist sie Mitglied bei „Gesicht zeigen“. „Ich finde es toll, wenn sich so viele Nationen auf der Bühne als eingespieltes Ensemble zeigen“, sagte sie.
Zu den Zielen des Vereins bekannten sich im Laufe Abends auch noch die Schauspieler Michael Mendl, Ilknur Boyraz, Björn Harras, Christoph M. Ohrt, Dana Golombek und Rüdiger Joswig sowie Moderatorin Dunja Hayali.

Mayumana gastiert noch bis 21. Juli in Berlin, Komische Oper, Behrenstraße 55–57, Di-Fr 20 Uhr, Sa 15 und 20 Uhr, So 14 Uhr, Karten 24,90-67,50 Euro, Tel. 47 99 74 00