Berlin - Tarifstreit an den Flughäfen – Airport-Mitarbeiter in Tegel und Schönefeld kämpfen für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Zwei von ihnen erzählen, warum sie notfalls auch streiken würden.  

Vorfeld - 1000 Euro netto pro Monat

Das Streiklokal im Terminal B des Flughafens Tegel ist gut besucht, und es sieht so aus, als würde es noch eine Zeit lang gebraucht. Am Freitag hat die Gewerkschaft Verdi die Tarifverhandlungen für die Bodenverkehrsdienste an den Berliner Airports für gescheitert erklärt. Nun soll es eine Urabstimmung geben, die zu einer Arbeitsniederlegung führen könnte. Wenn zu einem Streik aufgerufen wird, wären die Arbeitnehmer in grünen Warnwesten oder  blauer Dienstkleidung, die sich im Streiklokal treffen, sofort dabei.  „Am besten eine Woche lang“, sagt einer. Auch Werner W. (Name geändert) will streiken.  „Ich habe nichts mehr zu verlieren“, sagt der Mitarbeiter der Firma Wisag Ramp Service. W. erzählt.

„In Tegel bin ich für viele Dinge zuständig. Ich sorge dafür, dass Flugzeuge sicher starten können und koordiniere viele Abläufe. Zum Beispiel achte ich darauf, dass das Gepäck im Laderaum richtig verteilt ist, damit das Flugzeuge nicht in Schieflage gerät. Das ist eine wichtige Aufgabe! 2013 ist in Afghanistan ein Frachtflugzeug abgestürzt, weil offenbar die Ladung verrutscht war. 

Ich passe auf, dass Ladegrenzen eingehalten und Gefahrguttransporte richtig verstaut werden. Es geht um einen reibungslosen Verkehr, dass die Flugzeuge pünktlich starten, aber auch um Sicherheitsvorschriften, die einzuhalten sind.

Um 2.50 Uhr war die Nacht zu Ende

Je nachdem, wann ich welche Schichten haben, bekomme ich pro Monat bis zu 1300 Euro brutto. Netto bleiben mir meist so um die 1000 Euro.  Meine wöchentliche Arbeitszeit beträgt 37,5 Stunden.

Ich arbeite im Schichtsystem. Es gibt viele verschiedene Anfangszeiten. Es kann sein, dass ich morgens um 4.30 Uhr da sein muss, an anderen Tagen erst um 19.30 Uhr. Die Arbeitszeit kann bis 23.30 Uhr dauern. Zum Glück wohne ich nicht sehr weit weg. Das war aber schon mal anders. Eine Zeit lang musste ich wieder bei meinen Eltern im Umland wohnen. Wenn ich Frühdienst hatte, musste ich um 2.50 Uhr aufstehen. Grund war, dass ich aus meiner früheren Wohnung  ausziehen musste, weil der Vermieter die Miete erhöht hatte. Man kann auch sagen: Ich wurde weggentrifiziert.

Über die Wohnung, in der ich jetzt lebe, bin ich froh. Jemand hat mir dabei geholfen, sie zu bekommen. Auf dem freien Markt hätte ich sie mit meinem Lohn nie bekommen. Da hätte ich gar nicht erst mit meiner Gehaltsbescheinigung ankommen müssen. Auch meine Kollegen hätten auf dem normalen Berliner Wohnungsmarkt keine Chance mehr.

800 Euro bei voller Arbeit

Viele haben als Fachpraktikant in Tegel angefangen. Man muss voll arbeiten, bekommt aber nur Hartz IV und ein Praktikantengehalt, insgesamt um die 800 Euro pro Monat. Normal ist auch, dass man erst mal befristete Arbeitsverträge bekommt, für sechs Monate, ein Jahr, zwei Jahre. Viele von uns haben befristete Verträge, und sie haben Angst, dass sie beim nächsten Mal leer ausgehen. Einige haben nicht an den Warnstreiks teilgenommen, weil sie vom Arbeitgeber unter Druck gesetzt worden sind. 

Jemand hat mal ausgerechnet, dass jeder Mitarbeiter in der Ladegruppe, der Gepäckverladung, täglich um die fünf Tonnen bewegt. In diesem Bereich, im „Keller“, wie wir hier sagen,  arbeiten vor allem Leiharbeiter. Alle von uns spüren den permanenten Zeitdruck, damit die Maschinen schnell wieder starten.

Auch die Passagiere leiden, manchmal können wir keine gute Dienstleistung mehr anbieten. Bei der Technik hakt es in Tegel überall. Gepäckförderanlagen fallen aus. Die Fluggastbrücken, die noch aus der Anfangszeit des Flughafens in den 70er-Jahren stammen, gehen oft kaputt. Die Kollegen  sind so was von am Limit. Es geht nicht mehr.“