Berlin - Timothy Grossman sitzt entspannt im Foyer des Babylons. Er lächelt und sieht vertrauenerweckend aus: dunkle Augen, graue Haare, grauer Bart, sympathisch. Grossman erzählt, weshalb er an die Türen des Kinos Davidsterne gesprüht hat und warum an der Fassade ein großes Plakat hängt, auf dem in Frakturschrift steht: „Boykott! Deutsche wehrt Euch! Kauft nicht im Babylon!“ Grossman führt die Geschäfte im Babylon. Mitarbeiter bestreiken das Kino seit Juli, doch Filme werden trotzdem gezeigt. Es gehört nun schon zum Straßenbild, dass abends Mitarbeiter in Warnwesten der Gewerkschaft Verdi mit Transparenten vor dem Kino stehen und höhere Löhne fordern. Besucher werden gebeten, sich solidarisch zu verhalten und das Kino zu meiden. Sie sollten keine Getränke und kein Popcorn kaufen.

Grossman sagt, er fühle sich diffamiert, man gönne ihm keinen Erfolg, ihm, dem jüdischen Unternehmer, der für manche nur das „jüdische Kapitalistenschwein“ sei, wie er sagt. Manche sähen ihn als größten Ausbeuter der Stadt. Dann lächelt er wieder. Es fällt schwer, sich diesen freundlichen Mann vorzustellen, wenn er laut wird und schreit. So lautet einer der Vorwürfe von Leuten, die mit ihm zu tun haben.

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