An den Berliner Schulen wird von diesem Montag an wieder gestreikt. Besonders nervös sind deshalb die Abiturienten, denn in dieser Woche finden an vielen Gymnasien, Sekundarschulen und Oberstufenzentren mündliche Abiturprüfungen statt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist sich sicher, dass einige angestellte Lehrer diese Prüfungen bestreiken werden.

„Schulorganisatorisch können die Prüfungen um ein paar Tage verschoben werden“, sagte GEW-Landesvorsitzende Doreen Siebernik, aber sie findet das nicht schlimm. Die Abiturienten hätten dann ja sogar ein, zwei Tage mehr Lernzeit. Ihrer Kenntnis nach werde das auch an einigen Oberschulen geschehen, so etwa am Rückert-Gymnasium in Schöneberg. Allerdings würden nicht wenige angestellte Lehrer davor zurückschrecken, die Prüfungen zu bestreiken. Denn die ohnehin gestressten Abiturienten haben mehr Sicherheit, wenn der ihnen bekannte Fachlehrer die mündliche Prüfung abnimmt. Laut GEW-Beschluss dürfen Schülern keine Nachteile durch die Streiks entstehen.

„Wir haben in dieser Woche mündliche Abiturprüfungen und werden sie nicht verschieben“, sagt Ralf Treptow, Direktor des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Pankow. Obwohl einzelne angestellte Lehrer angekündigt hätten zu streiken. Zur Not würden einer Prüfungskommission eben zwei und nicht drei Lehrer angehören. „Das ist zulässig.“ Zugleich äußerte Treptow, Chef des Gymnasialleiterverbandes, Verständnis für den Protest der angestellten Lehrer.

Gleichstellung gefordert

Die angestellten Pädagogen wollen erreichen, dass die Einkommensunterschiede zu den verbeamteten Kollegen ausgeglichen werden. Seit 2004 verbeamtet Berlin seine Lehrer nicht mehr, es sei denn, sie wechseln aus anderen Bundesländern in die Hauptstadt. Mittlerweile gibt es mehr als 8 000 angestellte Lehrer im Berliner Schuldienst – Tendenz steigend. Denen stehen noch etwa 20.000 verbeamtete Lehrer gegenüber. Anders als Beamte dürfen angestellte Lehrer streiken. Nach diversen Streikaktionen in den vergangenen Monaten, auf die der für Tarifverhandlungen zuständige Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) nicht reagierte, soll der Arbeitskampf dieses Mal etwas mehr wehtun. Eine weitere Forderung der GEW ist ein besseres Gesundheitsmanagement an Schulen, um die Zahl der dauerkranken Lehrer zu senken. Derzeit sind etwa 1400 Lehrer länger als drei Monate krank geschrieben, oft wegen Burn Out.

Insgesamt plant die GEW eine komplette „Aktionswoche“. Am Montag sollen angestellte Lehrer an Oberschulen streiken, am Dienstag und Donnerstag an Grundschulen. Dort werden diese Woche die Deutsch-Vergleichsarbeiten in der dritten Klasse geschrieben, Vera 3 genannt. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten in einigen Klassen wegen des Streiks nicht geschrieben werden“, sagt die GEW-Vorsitzende Siebernik. Nicht wenige Lehrer lehnen die Vergleichsarbeiten ohnehin ab, weil sie nicht allen Schülern gerecht würden und zu viel bürokratischen Aufwand mit sich bringen. Am Mittwoch sollen die Streiks sich auf die Oberstufenzentren konzentrieren und zum Abschluss am Freitag sind alle Schultypen betroffen. Auch Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss könnten verschoben werden. Abgelehnt hat die GEW eine Notdienstvereinbarung mit der Bildungsverwaltung. So etwas sei eher nötig, wenn in Krankenhäusern gestreikt würde, sagte Siebernik.

Senatorin besorgt

Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) warnte die Lehrer davor, den Streik auf dem Rücken der Schüler auszutragen. Der Landeselternausschuss äußerte Verständnis für die Forderungen der Lehrer. Gleichzeitig teilte das oberste Elterngremium aber mit, dass Abiturienten im Prüfungsstress jetzt am wenigsten weitere Störungen und Verunsicherungen gebrauchen könnten. „Für die Jugendlichen geht es um wichtige, ihr weiteres Leben entscheidende Prüfungen.“